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Genickbruch in der Nachspielzeit

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Von: Oliver Rabuser

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Niedergeschlagen auf der Sportanlage in Laufen: Musti Kantar hegt kaum noch Hoffnungen auf den Klassenerhalt. © Oliver Rabuser

Nur ein Fußballwunder kann noch helfen. Nach der 1:4-Niederlage beim SV Kirchanschöring steht der BCF Wolfratshausen mit anderthalb Beinen in der Landesliga.

Laufen/Wolfratshausen – Der Weg führte ohne Verzug in die Kabine. Weder von Trainer Marco Stier, noch von seinem Team war auf den Hauptfeld der Sportanlage in Laufen noch etwas zu sehen. Öffentlichkeit wird von Verlierern nur selten gesucht. Zweiter Sieger zu sein, ist im ersten Spiel einer zweiteiligen Relegationsrunde nicht ungewöhnlich. Zumal das anvisierte Auswärtstor frühzeitig realisiert wurde. Doch was sich der BCF im zweiten Spielabschnitt erlaubte, spottete angesichts der Bedeutung dieser Partie jeder Beschreibung. Das Rückspiel an der Kräuterstraße wird allein vom Prinzip Hoffnung getragen.

„Wir vertrauen auf unsere Heimstärke. Etwas anderes können wir nicht machen“, beurteilte Tormann Alex Heep die triste Sachlage, als er völlig bedient vom Platz trottete. Heep war das Opfer der Fehlleistungen seiner Vorderleute. Und Heep weiß auch, wie unwahrscheinlich es ist, das erforderliche Rettungsergebnis von mindestens 3:0 in Abwesenheit des Goalgetters zu realisieren. „Drei Tore ohne Knecht zu schießen, das wird schon eine Hausnummer“, gibt sich der 25-Jährige keinerlei Illusionen hin.

Mitte der ersten Spielhälfte fasste sich Marian Knecht beim Sprint an den Unterschenkel: Muskelfaserriss lautete die vernichtende Diagnose. Für Knecht das Ende beim Ballclub, für Wolfratshausen vermutlich die letzten Atemzüge in der Bayernliga. Das magische Dreieck in der BCF-Offensive hat an Konturen verloren. Jona Lehr konnte erst gar nicht auflaufen. Den gewieften Einfädler plagte eine Knöchelverletzung, jüngst zugezogen in Traunstein. Der Einsatz am Samstag ist fraglich. Bleibt nur noch Angelo Hauk aus dem Trio, das den Unterschied pro BCF ausmachen sollte. Hauk erfüllte zumindest vor der Pause sein Soll, erzielte per Distanzschuss den Führungstreffer, zudem traf er aus ähnlicher Entfernung zweimal das Torgestänge.

Es lief prinzipiell so, wie man es sich aus Gästesicht ausgemalt hatte: Führung, Spielkontrolle, Entschlossenheit. Bis zu Knechts Ausscheiden, das mit einer mentalen Blockade einherging. „Da denkst du schon drüber nach“, räumte Musti Kantar ein. Keeper Heep sekundierte, ohne Knecht sei es ein „komplett anderes Spiel“ gewesen. „Wir hatten keine Entlastung mehr.“ In der Tat gab es für die Diagonalbälle fortan keinen Abnehmer mehr. Die Farcheter waren gezwungen, sich mühsam nach vorne zu kombinieren. Im Hinblick auf die Härte und Kompromisslosigkeit der SV-Abwehr keine Wohltat für die Beine.

Doch waren es primär individuelle Aussetzer, die zur Klatsche führten. „Das 4:1 hat uns wahrscheinlich das Genick gebrochen“, beklagt Kantar den vierten Gegentreffer am Ende der Nachspielzeit. Allein der Ausgleichstreffer der Rupertiwinkler war einigermaßen erklärbar. Bei einer Hereingabe versuchte Mitch Rödl – stark bedrängt von Manuel Jung – in Ballbesitz zu gelangen, was in einem Eigentor mündete. Die übrigen Treffer der Hausherren trugen indessen Slapstick-artige Züge. Das 1:2 erzielte SV-Kapitän Albert Eder per Kopf nach einer Ecke. Eders Statur: zwischen Türsteher und Holzhacker. Doch das interessierte niemanden bei der Zuordnung. „Wir waren total unsortiert“, rügte Heep seine Vorderleute. Der nächste Rückschlag fußte auf einem Standard, den Heep zunächst ablenken konnte. Doch Tobias Schild gelang ein wahrhaftiger Kunstschuss. „So trifft er den Ball nur einmal im Leben“, kommentierte der Keeper die Volley-Abnahme des Kirchanschöringers.

1:3 – das wäre vielleicht noch zu regeln gewesen. Aber in der Schlusssekunde schalteten die Wolfratshauser komplett ab. Viel zu offen war die Verteidigung, als der Gegner ein letztes Mal anrannte. Gerade bei diesem Konter dokumentierten mehrere Missgeschicke den hilflosen Auftritt der Farcheter in den zweiten 45 Minuten.

SV Kirchanschöring – BCF Wolfratshausen 4:1 (1:1)

Tore: 0:1 (9.) Hauk, 1:1 (21.) Jung, 2:1 (48.) Eder, 3:1 (57.) Schild, 4:1 (90 + 2 Schild). – Gelbe Karten: Jung, Streibl – Skoro, Kantar. – Schiedsrichter: Michael Emmer (SV Schalding-Heining). – Zuschauer: 708.

BCF: Heep – Culjak, Hummel, Kantar, Spehar, Potenza, Shalaj (56. Puta), Rödl (51. Tomicic). Skoro, Hauk, Knecht (34. Onyemaeke.

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