+
Die Emotionen meist unter Kontrolle: Herbert Mühr gehört zu den ruhigen und besonnenen Vertretern der Trainergilde. „Viel regt mich nicht auf. Ich sehe es mehr analytisch“, sagt Mühr von sich.

Zur Winterpause auf Platz drei

„Ich fühle mich in Egling total wohl“ - SF-Coach Mühr genießt den Höhenflug

  • schließen

Nach eineinhalb Jahren Auszeit genießt der ehemalige Höhenrainer Trainer Herbert Mühr den sportlichen Höhenflug mit den SF Egling-Straßlach. 

Sie sind die Überraschungsmannschaft in der Kreisklasse 2: Nach drei Spielzeiten, die von Abstiegskampf geprägt waren, tummeln sich die Sportfreunde Egling-Straßlach heuer in ungewohnten Sphären, führten das Tableau sogar zehn Wochen lang an. Nicht ganz unschuldig an dem sportlichen Höhenflug ist Trainer Herbert Mühr, der den Tabellendritten im vorigen Winter übernahm.

„Wir sind auf einem guten Weg. Die vielen Punkte tun natürlich gut“, freut sich der Coach, der seine Lehrjahre als Trainer beim FSV Höhenrain absolvierte. Das ist für viele Kenner der heimischen Fußball-Szene die eigentliche Sensation bei der Geschichte. Denn dass ein Höhenrainer Kicker mal den Verein gewechselt hätte, daran kann sich kaum jemand erinnern. „Ja, das stimmt“, bestätigt Mühr lachend. Auch für den 45-Jährigen galt schließlich bis vor ein paar Monaten: Einmal FSV, immer FSV.

Im Alter von neun Jahren ging das bei ihm los, erst C-, dann A-Jugend, und mit 18 in die erste Mannschaft. Für die lief er in 606 Spielen auf, spielte zudem 105 Mal in der Reserve, meist im offensiven Mittelfeld und im Angriff mit viel Drang zum gegnerischen Tor, in das er 148 Mal den Ball versenkte, wie der Vereinschronist versichert. Seine intensivsten Momente auf dem Fußballplatz erlebte Mühr 1999 beim Relegationsspiel gegen den SC Gaißach. Mit einem 1:0-Sieg durch ein Tor von Christian Glasauer stieg der FSV damals zum ersten Mal in die Kreisliga auf. „Das war ein Highlight“, erinnert sich Mühr.

Für sein erstes Highlight auf der Trainerbank brauchte er nur eine Saison. Nach dem Abstieg in die A-Klasse übernahm der Bankkaufmann, der zuvor die A-Junioren angeleitet hatte, im Sommer 2014 die Verantwortung an der Seitenlinie und führte den FSV gleich wieder in die Kreisklasse zurück. Keine zwei Spielzeiten später musste der Trainer-Novize erkennen, dass bei ausbleibendem Erfolg die üblichen Mechanismen der Branche auch vor einem Vereins-Urgestein nicht Halt machen. „Aber das ist vergessen. Ich bin niemandem böse“, beteuert Mühr. „Irgendwann braucht es einfach eine Veränderung, vor allem wenn man sich so lange kennt.“

„Als Hausmann kriegst du ja nicht so viel positives Feedback“

Nach eineinhalb Jahren Pause genießt er nun sein Engagement bei den Sportfreunden. Die erste Anfrage im Sommer vorigen Jahres habe er mit Rücksicht auf die Familie abgelehnt, berichtet der Vater eines bald dreijährigen Sohnes. Als Eglings Fußballchef Franz Beierbeck und Straßlachs Abteilungsleiter Niko Stoßberger erneut bei ihm vorstellig wurden, hatten sich die Rahmenbedingungen verändert. Der Bankkaufmann, der mit Ehefrau Silvia und Sohn Benedikt in Deining lebt, wechselte von seinem Job in die Elternzeit. „Als Hausmann kriegst du ja nicht so viel positives Feedback und bist auch nicht unbedingt viel unter Leuten“, erläutert Mühr schmunzelnd. „Da ist die Situation jetzt ideal: Ich komm’ mal wieder unter Leute – und Fußball ist nun mal das, was mich immer am meisten interessiert hat.“

Tabellenplatz drei ist eine schöne Momentaufnahme

Und der neue Verein weist die gleichen familiär-kameradschaftlichen Strukturen auf wie sein Heimatclub. „Fußball hat neben dem sportlichen und körperlichen Aspekt ja noch andere Seiten. Da findest du Freundschaften fürs Leben. Das Zusammensein gibt einem viel, auch außerhalb des Platzes, das ist eigentlich das Wichtigste, was zählt“, outet sich der Trainer als Vereinsmensch.

Das machte das Einleben leichter. Denn der Anfang sei aus sportlicher Sicht etwas mühsam gewesen, erinnert sich der SF-Chefcoach an die ersten Wochen dieses Jahres. Nach Valentin Morina und Ritchie Tervoort war Mühr innerhalb eines Jahres der dritte Trainer auf dessen Anforderungen und Philosophien sich die Spieler einstellen mussten. „Jeder trainiert anders, jeder will was anderes. Das ist für die Mannschaft nicht einfach.“ Noch dazu, wo sie mit nur zwei Punkten Abstand zum Relegationsplatz überwintern musste. „Aber die Situation haben wir gut gemeistert“, findet Mühr, den wenig aus der Ruhe zu bringen scheint. „Viel regt mich nicht auf. Ich sehe es mehr analytisch“, bestätigt der Coach.

Dann muss er schmunzeln, weil ihm gerade eine kleine Episode eingefallen ist. „Irgendwann bei den letzten Spielen kam mal eine Zuschauerin zu mir und hat gesagt: Letzte Woche haben Sie mir gut gefallen. Da haben Sie wütend eine Flasche auf den Rasen geschmissen.“ Das sind seltene Momente, denn zu den Rumpelstilzchen seiner Gilde zählt der 45-Jährige nicht. Seine Emotionen hat er meist unter Kontrolle.

Inzwischen hat er mit den Sportfreunden die nächste „Entwicklungsstufe“ gezündet. Noch variabler zu spielen, das taktische Verhalten „ab und zu besser dem Spielstand anzupassen“ seien die nächsten Schritte, verrät der Übungsleiter, der Platz drei in der Tabelle als eine schöne Momentaufnahme betrachtet. „Das Potenzial in der Mannschaft ist noch ausbaufähig. Aber realistisch betrachtet, sehe ich uns irgendwo zwischen Platz fünf und neun.“ Seinen Schritt hat er jedenfalls nicht bereut. „Ich musste niemandem irgendwas beweisen. Und ich fühle mich in Egling total wohl“, betont Mühr, dass der „Rausschmiss“ in Höhenrain keine nachhaltigen Beziehungsstörungen verursacht habe. Im Gegenteil: In der Alt-Herren-Mannschaft hat er nach wie vor regelmäßig viel Spaß mit den alten Weggefährten – auf und neben dem Platz. Es stimmt wohl doch: einmal FSV, immer FSV.

Auch interessant

Kommentare