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Adlerblick fürs schnelle Matt: Herrmann Rogge erklärt seinen jungen Schach-Eleven die schwierigen Stellungen anhand von Computer-animierten Schaubildern.

SO LERNT MAN SCHACH

Die Lehre von den guten und schlechten Läufern und den vergifteten Bauern

Mit einprägsamen Bilder bringt der Wolfratshauser Schachlehrer Hermann Rogge seinen jungen Talenten das königliche Spiel näher  - mit großem Erfolg.

Wenn Hermann Rogge über seine Passion Schach erzählt, verwendet er einprägsame Bilder. Dann spricht er von vergifteten Bauern von guten und schlechten Läufern, von Soldaten und Leibwächtern. Der Geretsrieder ist seit neun Jahren Jugendleiter beim Schachclub Wolfratshausen und hat aus der einst kleinen Nachwuchsriege mit weniger als zehn Aktiven eine florierende Kaderschmiede geformt, die schon etliche Meisterschaften gewonnen hat.

Mit seinen Sprachbildern vermittelt er den Kindern eine neue Sichtweise auf das Spiel. „Die jungen Spieler können sich auf diesem Weg die Sachen besser merken.“ Und darum geht es. „Um richtig gut Schach zu spielen“, erklärt Rogge, „müssen sie sich Muster einprägen können, brauchen sie einen klaren Plan für jede Situation und ein gutes Gedächtnis.“ Diese Fähigkeiten schult der 49-Jährige im wöchentlichen Training: An jedem Samstag strömen rund 50 Buben und Mädchen ins Weidacher Bürgerhaus, wo der Verein beheimatet ist. Rogge ist davon überzeugt, dass die Schule des Schachspiels auch eine Schule fürs Leben ist. „Die Kinder lernen hier, sich zu konzentrieren.“ Und noch viel wichtiger: „Im Leben und beim Schach geht es oft darum, besonnen zu handeln, statt im Affekt einen Fehler zu machen. Man muss sich Situationen mit etwas Abstand ansehen, um sie richtig bewerten zu können.“

Wer ein guter Schachspieler werden möchte, lernt den „Adlerblick“, wie Rogge es nennt, also die genaue Beurteilung einer Lage aus einer entfernten Position. Auch die Fähigkeit, alle möglichen Züge auf ihre Erfolgschancen hin zu vergleichen, „können die Kinder für den Alltag mitnehmen“. Rogge weiß, wovon er spricht. In seiner Jugend spielte er in Südafrika – dort lebte der heutige Geretsrieder in jungen Jahren – selbst auf hohem Niveau. Schon als Nachwuchsspieler durfte er bei den Erwachsenen als Kaderspieler für die Provinz Transvaal antreten. Bereits als Elfjähriger hatte er eine Elo-Zahl von über 1400 – und hat dort etliche Turniere und Meisterschaften für sich entschieden.

Seine Erfahrungen gibt er mit Begeisterung und Nachdruck an die Wolfratshauser Nachwuchsspieler weiter. Mit Erfolg: Fünf seiner Eleven gewannen im vergangenen Jahr in verschiedenen Alterklassen den oberbayerischen Meistertitel.

Seine eigenen Fähigkeiten im Schach reichen allerdings nicht aus, um viele Kinder für einen Eintritt in den Verein zu gewinnen. Er greift tief in die Trickkiste, um die Kinder zu motivieren. So hat der Verein beispielsweise eine eigene kleine „Hall of Fame“ – ein Schachbrett, auf dem die Erfolge der einzelnen Spieler aufgelistet sind. Außerdem tragen die Kinder auf Turnieren einheitliche Vereinspullis. Und immer mit dabei ist natürlich das Team-Maskottchen, ein kleiner Plüschwolf, um dessen Hals viele Medaillen hängen. „Die Kinder brauchen solche Kleinigkeiten“, weiß Rogge.

Selbst wenn die Nachwuchs-Cracks bei einer Meisterschaft nicht den anvisierten Platz erreichen, werden ihnen auch die kleinen Fortschritte vor Augen geführt. „Jeder braucht das Gefühl, etwas erreicht zu haben“, sagt der Country-Manager eines IT-Unternehmens in Gilching. Dann würden die jungen Spieler auch darüber hinwegkommen, eine Partie verloren zu haben.

Rogges Erfolgsrezept beruht auf Motivation. Das zeigt sich auch im Training. „Es darf nicht trocken sein. Man muss den Kindern Spaß vermitteln und ein abwechslungsreiches Programm anbieten.“ Er stellt den Schülern Aufgaben, baut Stellungen auf und fragt sie, wie man den gegnerischen König am schnellsten Matt setzt.

Dass er einmal als erfolgreicher Jugendtrainer arbeiten würde, konnte sich Rogge, der selbst nur noch selten spielt, vor zehn Jahren nicht vorstellen. „Ich hatte nie mit Kindern gearbeitet, habe aber geholfen, als mich der Verein gefragt hat.“ Schnell merkte er, dass seine Vorgehensweise Früchte trug. „Dann bin ich dabei geblieben und habe mich reingearbeitet.“ Seit drei Jahren tut Rogge das nicht nur im Verein. Er hat eine Eliteschachschule gegründet, in der er 40 Talente aus dem Oberland schult. „Die Kinder kommen sogar aus Tegernsee, Wasserburg oder Weilheim nach Wolfratshausen, um hier zu trainieren.“

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Das bringt Rogge manchmal in eine verzwickte Lage, wenn er mit seiner Mannschaft auf Turniere fährt. „Oft spielen dann meine Vereinsspieler gegen Kinder, die ich in der Schachschule betreue.“

Für seine Arbeit ist Rogge als Trainer des Jahres bei der Sportlergala der Stadt Wolf-ratshausen ausgezeichnet worden. Den Erfolg konnte er mit fünf Spielern und einer U 12-Mannschaft feiern, die ebenfalls eine Ehrung für ihre Meisterschaftstriumphe erhielten. Das sind schöne Momente für einen Trainer. „Es gehört aber auch dazu, mal Tränen zu trocknen und den Jungs klar zu machen, dass man eben nicht immer gewinnen kann“, sagt der SCW-Jugendleiter. Auch nach solchen Erlebnissen kommen die Kinder motiviert ins Training zurück, und lernen von Rogge, was ein vergifteter Bauer ist und was den guten von einem schlechten Läufer unterscheidet.

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