Diese Saison ist unglaublich schwer zu planen: Christian Donbeck geht in seine vierte und anspruchsvollste Saison als Löwen-Chef.
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Diese Saison ist unglaublich schwer zu planen: Christian Donbeck geht in seine vierte und anspruchsvollste Saison als Löwen-Chef.

EISHOCKEY: TÖLZER LÖWEN

Eingespieltes Team und Top-Verstärkungen: „Sind stärker als in der vergangenen Saison“

  • vonWolfgang Stauner
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Die Tölzer Löwen sind ein eigespieltes Team, haben mit Kevin Gaudet ihren Trainer behalten und einige richtige Granatan zur Verstärkung bekommen. Löwen-Chef Christian Donbeck meint: „Wir sind stärker als in der vergangenen Saison.“

  • Die Tölzer Löwen haben zwar 800 Dauerkarten verkauft, müssen aber vor leeren Rängen spielen
  • Der Etat liegt deutlich unter dem letztjährigen Budget mit knapp 2 Millionen Euro
  • Geschäftsführer Donbeck ist sicher: „Wir sind nicht schlechter als 2019/20

Bad Tölz – Wahrlich aufreibende Monate liegen hinter Christian Donbeck, dem Geschäftsführer der Tölzer Eissport-GmbH. Nach dem abrupten und unbefriedigenden Saisonende – die fünftplatzierten Löwen wurden dabei wegen des ersten Lockdown um ihre Play-off-Chance gebracht – galt es, nicht nur Sponsoren zu halten und Spielerverträge auszuhandeln, sondern auch die Nerven zu bewahren. Denn wegen der Corona-Pandemie war lange Zeit fraglich, ob die DEL 2-Saison 2020/21 tatsächlich über die Eisfläche gehen würde. Nach mehrmaligen Verschiebungen wird am morgigen Freitag das Eröffnungsbully gespielt.

Herr Donbeck, die Saison startet zwei Monate später als geplant und steht obendrein auf wackeligen Füßen. Wie ist die Gemütslage beim Tölzer Geschäftsführer?

Wir wissen seit dem 10. März um die labile Situation, seitdem die Saison abgebrochen worden ist. Inzwischen ist Corona nichts Neues mehr, wir müssen damit umgehen. Doch mit Corona im Hinterkopf ist es unglaublich schwierig, eine Saison zu planen. Wir sind schließlich nicht die Freiwillige Feuerwehr Dorfen, sondern ein Unternehmen mit 30 vollzeit-angestellten Mitarbeitern. An jedem Heimspieltag sind bis zu 100 Leute für uns tätig. Trotz alledem müssen wir Woche für Woche im Rahmen unserer wirtschaftlichen Mittel so flexibel bleiben, dass wir mit allen Eventualitäten umgehen können.

Wann haben Sie definitiv gewusst, dass es tatsächlich losgehen kann?

Mitte September hat die Liga nach mehreren Verschiebungen schließlich den 6. November als ersten Spieltag festgelegt. Ich war einer der wenigen, die dabei aufs Gas gedrückt haben. Trotz allen Risikos – es musste eine Entscheidung her. Ein weiteres Verschieben hätte ohnehin nichts gebracht, weil damit die Saison noch schwieriger zu planen gewesen wäre. Was sagst du den Sponsoren? Den Spielern? Wie bereitest du dich auf die Saison vor? Zu dem Zeitpunkt war das nach bestem Wissen und Gewissen die richtige Entscheidung. Auch weil wir hervorragend beraten wurden von der Kanzlei Breiter und Ponzer in Holzkirchen und von unserem Steuerbüro ETL in Tölz.

Spiele zunächst ohne Zuschauer und die treuen Löwen-Fans im Rücken: Wie sehr schmerzt diese politische Entscheidung?

Gerade die emotionale Seite, also ohne Fans im Rücken, ist ein enormer Dorn in der Löwen-Seele. Die Zuschauer sind immens wichtig für die Motivation der Spieler. Die Emotionalität unserer Fans kann Spiele drehen. Ich bin jetzt die vierte Saison in Tölz und wir hatten noch nie diese negative Emotion und Aggressivität, wie man sie manchmal in anderen Stadien und Sportarten erfährt. Unsere Gesellschaft hat sich dahin entwickelt, dass es teilweise aggressiv oder gar kriminell ist, wie mit Spielern oder Trainern umgegangen wird, wenn Spiele verloren werden. Das Problem haben wir in Tölz nicht, das rechne ich den Fans hoch an.

Rund 800 Dauerkarten hat die TEG bisher an den Fan gebracht. Was passiert mit diesen Einnahmen?

Ja, wir haben bei 800 einen Stopp eingelegt, weil wir nicht wussten, wie es weitergeht. Alle Einnahmen liegen auf einem Anwaltskonto. Das Geld tasten wir auch noch nicht an, wir wissen nicht, wie viele Spiele tatsächlich in dieser Saison gespielt werden. Teilrückzahlungen, Umbuchung oder Kompensationen stehen im Raum. Aber vielleicht sagt auch der eine oder andere Fan: Wir wollen in Tölz weiterhin hochklassigen Eishockey sehen, behaltet das Geld als Sponsoring oder sonstige Einnahme.

Da ist doch der Eishockey-Stream-Channel „Sprade-TV“, der heuer die dritte Saison aus dem Stadion berichtet, ein Segen?

Und ob, denn Sprade-TV ist eine zusätzliche Einnahme, die natürlich davon abhängt, wie qualitativ hochwertig wir übertragen und wie viele Zuschauer einschalten. Bei uns im Stadion haben wir die unglückliche Situation mit dem Netz. Zusammen mit den Stadtwerken und dem sechsköpfigen Sprade-TV-Team suchen wir nach einer Lösung, um das Netz zu entfernen. Außerdem wollen wir zusätzliche Kameras installieren und zusätzliches Personal anstellen, um attraktivere Bilder zu übertragen. Sehr gut angekommen ist auch der „Cable Gay“. Dabei werden Spieler oder Trainer mit Mikrofonen verkabelt, damit kommt die Stimmung von der Spielerbank gut rüber. Das sind alles Faktoren, mit denen wir die Attraktivität der Fernsehübertragung steigern wollen.

Wenn Sie es dem Fan zuhause derart gemütlich machen, besteht da nicht die Gefahr, dass er nach der Pandemie nicht wieder ins Stadion kommt?

Wenn wir nur wüssten, was in drei, vier Monaten los ist… Denn eigentlich bauen wir auf unser ausgefeiltes Hygienekonzept. Ich bin in den zurückliegenden sieben Monaten durch ganz Deutschland gefahren und habe mir verschiedene Konzepte angeschaut, unter anderem die Therme Erding und die Jochen-Schweizer-Arena. Auf dieser Basis haben wir unser eigenes Hygienekonzept entwickelt, das bis zu einer 50-prozentigen Auslastung geeignet ist. Das hat uns Landrat Josef Niedermaier bestätigt. Das alleine zeigt, dass unser Konzept extrem gut ist. Es ist die Frage, ob die Leute in der jetzigen Situation den Mut haben, ins Eisstadion zu gehen. Was das für die Zukunft bedeutet, werden wir sehen. Der eine oder andere wird die Übertragung bevorzugen, andere kommen gerne ins Stadion. Da ist ja neben dem Sport auch die gesellschaftliche Komponente.

In der vergangenen Saison hatten die Löwen rund zwei Millionen Euro zur Verfügung. Wie hoch ist der Etat heuer?

Wir waren vorsichtig, und wir werden mit Einbußen rechnen müssen, denn wir wissen ja nicht, wie die Saison verläuft: Wie viele Verletzte haben wir? Welche unserer Sponsoren werden die Pandemie nicht durchhalten? Derzeit kalkulieren wir mit einem Etat, der eine größere sechsstellige Summe darunter liegt. Und so war auch unsere Lizenzierung. Mit dieser Größe können wir beruhigt ins Rennen gehen.

Wo hatten Sie Möglichkeiten, um Einsparungen vorzunehmen?

Einige Dienstleister und Vertragspartner sind uns teilweise entgegengekommen. Die Grundkosten wie zum Beispiel für Auswärtsfahrten, Ausrüstung etc. bleiben ja gleich. Aber immerhin ist uns der eine oder andere Spieler entgegengekommen, dafür gab’s auch welche, die sehr sturschädlert waren.

Gibt’s denn wenigstens seitens der Sponsoren eine erfreuliche Entwicklung?

Die Sponsoren sind Unternehmen wie wir auch. Die Pandemie trifft jeden unterschiedlich. Unser Glück ist die Loyalität, was Fans und Sponsoren betrifft. Von 256 Kleinsponsoren ist lediglich ein einziger abgesprungen. Mit einigen anderen haben wir uns auf Teilzahlungen oder Kompensationsgeschäfte geeinigt. Es ist unglaublich, wie treu die Sponsoren zum Tölzer Eishockey in dieser schwierigen Zeit stehen.

Cengiz Ehliz, jahrelanger Förderer und Freund der Löwen, ist im Februar in Belgien in erster Instanz zu 40 Monaten Haft verurteilt worden. Gibt’s noch eine wirtschaftliche Verbindung zu Herrn Ehliz?

Die Hintergründe kenne ich nicht, und die gehen mich auch gar nichts an. Ehliz hat Berufung eingelegt, sodass die zweite Verhandlung im kommenden Februar sein wird. Mit Herrn Ehliz und wee haben wir einen Hauptsponsor, der uns seit drei Jahren den Rücken stärkt und es ermöglicht hat, dass wir in der 2. Liga spielen können. Wir haben wöchentlich Kontakt mit Herrn Ehliz, der uns zu 100 Prozent loyal gegenüber steht. Zwischen die gute Zusammenarbeit mit wee wird niemand einen Keil treiben können.

Sie haben ein ausgeklügeltes Hygienekonzept erstellt und bis zuletzt für den Einlass von bis zu 2000 Zuschauer gekämpft. Warum hat’s nicht geklappt?

Die Entscheidungen sind auf politischer Ebene gefallen. Und inwiefern die realistisch oder verhältnismäßig sind, da hat jeder seine eigene Meinung. Schon im April und Mai hat man bereits von der zweiten Welle gesprochen. Da hätte man sich von politischer Seite besser vorbereiten müssen. Von der Taskforce „Sport“, die Mitte Oktober ins Leben gerufen sein sollte, habe ich noch gar nichts gehört. Die jetzigen Entscheidungen sind für mich überhaupt nicht nachvollziehbar.

War es nicht von vorneherein absehbar, dass die Politik nicht mitspielt?

Man geht immer von den Risiken aus, die wir mit unserem Hygienekonzept abwägen müssen. Das sind die Zugangskontrolle mit Legitimierungsprüfung, die Kontaktbeschränkung inklusive 1,5 Meter Abstand, die Maskenpflicht, das Lüftungskonzept und die Desinfektion – das haben wir alles perfekt hingekriegt. Nicht erfüllt ist das in jedem Münchner Einkaufszentrum oder an jedem Bahnhof, wo ich noch nicht einmal nach meinen Personalien oder einer Erkrankung gefragt werde. Ich verstehe nicht, wie man das im öffentlichen Bereich laufen lässt, aber in einem geprüften Stadion nicht. Das Gesundheitsamt war hier vor Ort und hat jede einzelne Komponente geprüft und für gut befunden. Auf der Theresienwiese hat man am Wochenende eine Versammlung von zweieinhalbtausend Leuten als „Gottesdienst“ genehmigt, bloß weil die zwei Vater-Unser beten. Wenn das so ist, holt jeder Fan in der Drittelpause einen Rosenkranz raus, und wir können wieder vor 2000 Zuschauern spielen.

In der vergangenen Saison haben die Löwen pro Heimspiel im Schnitt fast 2800 Fans ins Stadion gelockt, Platz sechs im Liga-Ranking. Wie wollen Sie die Lücke schließen?

Wir waren sogar Vierter. Denn in die Statistik waren die beiden Winter-Games von Dresden und Nauheim eingerechnet. Was die Etatlücke betrifft, so haben wir uns für das Konjunkturpaket Profisport vom Bundesinnenministerium qualifiziert. Dafür gibt es strenge rechtliche und wirtschaftliche Vorgaben: Diese haben wir alle erfüllt. Vor ein paar Tagen haben wir die Zusage bekommen. Das Problem dabei ist, dass das Konjunkturpaket nur bis 31. Dezember aufgelegt ist. Da der Topf noch ziemlich gut gefüllt ist, überlegt das Ministerium, den Zeitraum zu verlängern. Das hat unser Ligaleiter Rudorisch bereits signalisiert. Somit hoffe ich, dass wir mit der Unterstützung unserer Sponsoren, Fans und der Unterstützung der Regierung die Saison mit einem hellblauen Auge überstehen.

Korbinian Holzer hat sich vor ein paar Tagen in die KHL nach Jekaterinenburg verabschiedet. Gab’s keine Möglichkeit, einen Spieler seines Kalibers zu halten?

Haha (lacht), ich habe den Vertrag noch im Papierkorb liegen, denn der war schon ausgedruckt. Der Kurbi ist ein Pfundstyp. Letzte Woche ist er auf einen Kaffee vorbeigekommen, und da haben wir darüber geratscht, ob er bei uns spielen könnte. Das ist eine unglaubliche Wertschätzung für uns und zeigt die Verbundenheit von ehemaligen, bei uns ausgebildeten Spielern mit dem Eisclub. Wir hätten Holzer durch ein externes Sponsoring, also außerhalb unseres Budgets, finanziert. Wir haben sogar schon zwei Sponsoren an der Hand gehabt, die ihn finanziert hätten. Wir waren gerade dabei, Versicherung und NHL-Freigabe zu organisieren, da ist das Angebot von Automobilist Jekaterinenburg reingeflattert. Klar, dass er das Angebot annimmt, es war ein paar Euro fuchzig besser, als das, was wir ihm bieten konnten. Aber alleine sein Angebot, für uns zu spielen, zeigt seinen Charakter. Vielleicht kommt’s doch mal dazu, der gute Kontakt bricht ja nicht ab.

Wie weit geht’s denn mit diesem kleinen Kader?

Das mit dem kleinen Kader habe ich schon ein paar Mal gehört. Aber auch in der vergangenen Saison haben wir sieben Verteidiger gehabt und nur einen Stürmer mehr. Also eigentlich ist es nur eine Position, die wir gegenüber vergangenem Jahr weniger haben. Wir müssen in Tölz immer den Spagat schaffen zwischen arrivierten Spielern und jungen Eigengewächsen. Mit Luca Tosto, Niklas Heinzinger, Oliver Ott und Maxi Leitner habe wir vier sehr talentierte Tölzer, die Eiszeit bekommen sollen, und die der Trainer ausbilden muss.

Aber alle DEL 2-Klubs haben aufgerüstet…

Wir haben zwei Neuzugänge, letzte Saison waren es 14. Das heißt, wir haben eine sehr eingespielte Mannschaft. Auch vom System her, weil Trainer Kevin Gaudet geblieben ist. Das ist schon mal ein Riesenvorteil. Tyler McNeely, der vergangenes Jahr mit einer Handverletzung gekommen ist, hat den ganzen Sommer trainiert wie ein Berserker und ist topfit. Auf der Torhüterposition haben wir uns mit Max Franzreb ebenfalls verbessert. Kenney Morrison ersetzt Matt MacKenzie, das ist sicherlich keine Verschlechterung. Und Rückkehrer Thomas Merl ersetzt Mark Heatley – das sind zwei, drei Klassen Unterschied. Mit diesen vier Spielern haben wir uns ebenso verstärkt wie die Konkurrenz.

Also peilen Sie wieder die Top-Vier oder -Fünf an…

Genau, ich wüsste nicht, warum wir angesichts dieses Bombenkaders unseren Anspruch und unser Erfolgsdenken runterschrauben sollten. Vergangenes Jahr haben wir unter schwierigen Bedingungen den fünften Platz erreicht. Glück hin, Pech her – enge Spiel gewinnt man mal, mal verliert man sie. Die Tabelle lügt nach 52 Spielen nicht, sie spiegelt die Qualität wider, die man im sportlichen Bereich hatte. Wir sind seit 1. Oktober auf dem Eis, bis 6. November sind’s sechs Wochen, alles so wie immer.

Es ist Ihre vierte Saison als Löwen-Chef. Welche Schlagzeile möchten Sie zum Saisonende über sich und die „Buam“ lesen?

Über mich brauche ich nichts zu lesen, ich bin Teil vom Tölzer Eishockey. Wir halten in Tölz alle extrem zusammen. Wir sind in den beiden deutschen Profiligen die kleinste Infrastruktur, drum würde mich die Schlagzeile freuen: Die Tölzer Eishockey-Familie steht im Finale.

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