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Ansprechpartnerin für die Mitglieder und die Vorstandschaft: Sabrina Kruck leitet die Geschäftsstelle des ESC Geretsried.

EISHOCKEY

Von der internationalen  Eisfläche an den Schreibtisch des ESC Geretsried

  • Thomas Wenzel
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348 Spiele auf nationalem und internationalem Parkett hat Sabrina Kruck  absolviert. Seit ein paar Wochen leitet die 38-jährige Ex-Nationalspielerin die Geschäftsstelle des ESC Geretsried. 

Geretsried – Als Markus Janka bei Sabrina Kruck anrief, um sich zu erkundigen, ob sie eventuell die Geschäftsstelle des ESC Geretsried übernehmen wolle, ging alles ganz schnell. „Nach einer Minute war alles klar“, berichtet die 38-jährige studierte Sportfachwirtin von dem Telefonat mit dem Vorsitzenden des Eissportvereins.

Seit dem 1. Dezember vergangenen Jahres leitet die verheiratete Mutter zweier Buben nun die ESC-Geschäftsstelle, die wegen der Sanierung des Eisstadions momentan im ehemaligen Kunstbunker am Isardamm untergebracht ist. Für ihren Job hat sie nicht nur berufliches Know-how mitgebracht, sondern auch geballte Eishockey-Kompetenz: 348 Spiele auf nationalem und internationalem Parkett – inklusive 159 Länderspiele für Deutschland – hat die gebürtige Starnbergerin während ihrer aktiven Zeit bestritten, dabei an mehreren Weltmeisterschaften und zwei Olympischen Spielen (2002, 2006) teilgenommen.

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Acht Jahre spielte sie in der Frauen-Bundesliga und holte zwei Meistertitel (2003 mit Kornwestheim, 2008 mit Planegg). In Summe brachte sie es in ihrer Karriere auf nationaler und internationaler Ebene auf insgesamt 227 Scorerpunkte (85 Tore, 142 Assists). „Ich habe immer schon mehr Vorlagen als Tore gemacht, weil es für mich oberste Priorität war, sich in den Dienst der Mannschaft zu stellen“, sagt die Abwehrspielerin. Für ihre neue Rolle beim ESC, sei es ein großer Vorteil, „dass ich hier aus dem Verein komme, 90 Prozent der Mitglieder und die Strukturen kenne. Und in der neuen Vorstandschaft sind ebenfalls Personen, die seit vielen Jahren Wegbegleiter des Geretsrieder Eishockeys und somit auch von mir sind.“

„Eishockey fand ich einfach cool“

Los ging es bereits im Kindesalter. Vater Frank Haubennestel, selbst aktiver Eishockeyspieler und später Trainer der ersten Mannschaft, brachte Sabrina und ihren jüngerer Bruder Andreas (er spielte in seiner Karriere unter anderem in Bad Tölz, München und Ravensburg in der 2. Bundesliga) zum damaligen TuS Geretsried. „Anfangs fanden es die Buben nicht so toll, dass da ein Mädchen dabei war. Aber ich fand Eishockey einfach cool. Mit fünf Jahren bin ich dann richtig eingestiegen.“ Die ersten Schritte auf dem Eis machte sie unter den strengen Blicken von Manfred Heinke. „Er hat keinen Unterschied zwischen Mädchen und Buben gemacht“, berichtet Kruck über den legendären Nachwuchstrainer. Ebenso wie die Schwestern Michaela und Andrea Lanzl oder Malin Herrmann (geborene Schneeloch) gehörte sie der ersten Generation von Mädchen an, die hier den kompletten Nachwuchsbereich durchliefen. „Da waren wir natürlich körperlich immer gefordert, haben uns aber auch stets verbessert.“ Der Wechsel in den Frauenbereich sei dann eine Umstellung gewesen, da hier harte Checks untersagt sind. Wegen Unterstimmigkeiten in Geretsried wechselten die Moskitos 1996 fast komplett zum SC Riessersee. Doch die gelernte Verteidigerin verließ Garmisch bald wieder in Richtung Memmingen: „Der SCR war in der Landesliga, und ich wollte unbedingt Bundesliga spielen.“

Deutscher Meister mit Kornwestheim und Planegg

Ihre nächste Station war der TV Kornwestheim, wo sie an der Seite der bekannten Kürten-Schwestern spielte. Parallel dazu heuerte Kruck als Sportsoldatin bei der Bundeswehr an, wo sie in die Sportförderkompanie in Dillingen aufgenommen wurde. „Die Kombination von Dienst und Sport war ideal und eine große Herausforderung. Anders hätte ich auch aus finanziellen Gründen nicht weiter Eishockey spielen können.“ In diese Zeit fielen einige Highlights: Die Geretsriederin lernte ihren heutigen Mann Sven kennen, wurde 2003 Deutsche Meisterin mit den Kornwestheimer Kodiaks sowie 2008 mit dem ESC Planegg-Würmtal und fuhr zu den Olympischen Spielen in Salt Lake City (2002) und Turin (2006). „Ein großartiges Erlebnis, bei diesen Events dabei sein zu dürfen. Schon allein der Einmarsch ins Stadion mit den anderen Nationen und das Zusammensein im olympischen Dorf waren großartig“, freut sich Kruck auch über das Vertrauen der damaligen Frauen-Bundestrainer Rainer Nittel und seines Nachfolgers Peter Kathan sen und dass sie Größen wie Wayne Gretzky sowie Marco Sturm, Jochen Hecht und Rick Goldmann kennenlernte. Auf Unterstützung konnte sie auch immer von Christina Oswald zählen. Die deutsche Rekord-Nationalspielerin aus Garmisch sei „Vorbild und Förderin“ gewesen.

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Der sportliche Erfolg brachte aber auch gewisse Nachteile mit sich. Als DEB-Akteurin unterstand Kruck der Doping-Kommission, musste Tagebuch über ihren Aufenthalt führen und für Kontrollen zur Verfügung stehen. „Zum Glück haben sie bei mir nie in der Früh um 7 Uhr geklingelt.“

Karriereende 2010: Familie geht vor Eishockey

Als ihr Gatte von der Bundeswehr nach Koblenz versetzt wurde, wechselte sie zum EC Bergkamen, wo sie 2010 ihre Karriere beendete. „Im Herbst ist dann unser erster Sohn zur Welt gekommen, zwei Jahre später der zweite.“ Parallel dazu hatte Sabrina Kruck bereits das Fernstudium zur Sport-Fachwirtin absolviert und beim Dachverband „Sportbund Rheinland“ gearbeitet. Als ihr Ehemann bei der Bundeswehr ausstieg, beschloss die Familie, nach Bayern zurückzuziehen und zog nach Geretsried. 2013 wurde Sabrina Kruck dann vom Frauenteam des ESC angesprochen, ob sie nicht wieder die Schlittschuhe schnüren möchte. „Für die Mädchen war das anfangs eine große Sache mit einer ehemaligen Nationalspielerin auf dem Eis zu stehen. Aber ich habe ihnen gleich klar gemacht, dass es für mich absolut normal ist, mit ihnen in einem Team zu spielen.“ Mit dabei waren anfangs auch die „alten“ Kolleginnen Christiane Oswald und Malin Herrmann, so dass alle drei einen maßgeblichen Anteil an drei Landesliga-Titeln in Folge (2015, 2016 und 2017) hatten.

Trainerin bei den Bambini der River Rats

Weil ihre Buben mittlerweile im richtigen Alter waren, stieg Kruck 2015 bei der ESC-Eishockeyschule ein und ist mittlerweile U 7-Trainerin. Geübt wird aber – wie es sich in einer Eishockey-verrückten Familie gehört – auch zu Hause. „Wir haben im Keller einen Raum mit einer Kunststoff-Eisfläche“, verrät die 38-Jährige und lacht. Bei den Bambini hat sie ein besonderes Augenmerk auf die Mädchen: „Mich hat das schon immer gestört, dass das Frauen-Eishockey nicht so richtig anerkannt wurde. Wir leisten schließlich das selbe wie die Männer, nur das Spiel sieht halt ein bisschen anders aus.“ Umso mehr freut sie sich, bei Trainerlehrgängen oder Kinderturnieren die eine oder andere frühere Weggefährtin zu treffen, die weiterhin dem Eishockey verbunden sind.

Geschäftsstelle soll ins Eisstadion umziehen

Obwohl Sabrina Kruck im kommenden Frühjahr die Schlittschuhe an den Nagel hängen will, wird sie wohl doch noch eine Saison dranhängen. Was allerdings davon abhängt, wie stark sie ihre Arbeit beim ESC in Beschlag nimmt. „Momentan ist die Geschäftsstelle zweimal pro Woche vormittags geöffnet, aber es gibt genügend zu tun. Zumal wir bald eine neue Bleibe im Eisstadion bekommen.“ Es sei wichtig, dass es eine Anlaufstelle gebe. Sie hat auch einige Ideen für ihre Tätigkeit neben der Mitgliederverwaltung, der Unterstützung der Vorstandschaft oder der Organisation von Veranstaltungen wie dem jährlichen Familientag. So möchte sie neben den administrativen Aufgaben auch das Thema Vereinsentwicklung angehen: „Wir sind gut aufgestellt, um alle Herausforderungen zu bewältigen und die Chancen, vor allem durch das neue Dach des Eisstadions, zu nutzen.“

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