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Regionalligaspieler und Tennislahrer beim TSV und BCF Wolfratshausen: Wolfgang Wenus hat beinahe täglich den Schläger in der Hand.

Ein Multitalent am Ball

Wolfgang Wenus hat als Tennis-Profi viel erlebt: Einmal wurde er sogar vom Militär zum Platz eskortiert

Ex-Profi, Tennislehrer, Regionalligaspieler und Fußballer bei der DJK Waldram: Wolfgang Wenus ist am  kleinen wie am großen Ball ein Multitalent.

Gelting – Filzkugel oder Lederball, Ascheplatz oder Rasen, Tennisschuhe oder Fußballstiefel, Einzelsportler oder Teamplayer? Zeitlebens haben Wolfgang Wenus diese Fragen begleitet. Jetzt, mit 29 Jahren, hat der Geltinger die Antwort gefunden: Er spielt in seiner Freizeit Fußball bei der DJK Waldram und arbeitet hauptberuflich als Tennislehrer. „Es ist nicht wirklich mein Ansporn, damit möglichst viel Geld zu verdienen“, sagt Wenus, dessen Whats-App-Account den Status „Back Home“ vermeldet. „Das menschliche Miteinander und der Spaß am Tennis sind viel, viel wichtiger.“

Allerdings hätte es auch gut sein können, dass der heutige Regionalliga-Spieler des TC Wolfratshausen ein Teil des großen Tennis-Zirkus’ geworden wäre. Bis zu seinem 21. Lebensjahr war Wenus nämlich als Profi aktiv, ergatterte sogar den Weltranglistenplatz mit der Nummer 1440. Angefangen hatte alles auf dem örtlichen Tennisgelände an der Leitenstraße. „Allerdings erst mit acht Jahren, also relativ spät.“ Vater Wolfgang senior war Sportwart der Geltinger Tennis-Sparte, Opa Paul Abteilungsleiter, und beide zeigten dem Buben (er spielte parallel dazu auch noch Fußball beim SV Eurasburg) die ersten Schläge. Als er im Alter von 15 Jahren ein Angebot bekam, zu den C-Jugend-Kickern des TuS Geretsried zu wechseln, musste er sich entscheiden. „Lange habe ich nicht überlegt“, sagt Wenus. „Ich wollte immer etwas anderes machen als die anderen. Und Tennis spielen halt nicht so viele.“

Talent war zweifellos vorhanden bei dem Geretsrieder Realschüler. Schon früh wurde er in die Bayernauswahl berufen, spielte dann für ein Jahr beim TC Rot-Weiß Bad Tölz in der Bezirksliga. Schließlich kam ein Anruf vom renommierten TSV 1880 Starnberg, der den 15-Jährigen in seiner Bayernliga-Mannschaft haben wollte. Vier Jahre schwang Wenus das Racket für die Starnberger, dann wechselte er zum TC Blau-Weiß Schwetzingen in die Oberliga Baden-Württemberg. „Ich war drei Monate im Jahr zum Tennisspielen in Mannheim, hatte dort auch eine Freundin.“ Der Geltinger setzte alles auf eine Karte, war weltweit bei Turnieren im Einsatz. „Es gab selten Wochenenden, an denen ich nicht irgendwo im Ausland war.“ Die Prämien, die er bei den Wettkämpfen gewann, investierte er wieder in den Tennissport – Ausrüstung, Reisekosten, Unterkünfte. In Finnland erkämpfte sich der 20-Jährige dann die ersehnten zwei Weltcup-Punkte, die ihm einen Platz in der ATP-Weltrangliste bescherten. „Ich war der glücklichste Mensch auf Erden“, erinnert sich Wenus. Auf die Platzierung ist er immer noch stolz, „denn früher war es vom Modus her viel schwieriger, da reinzukommen.“

Allerdings warfen insgesamt sieben Bänderrisse im Sprunggelenk schon einen Schatten auf seine Karriere. Und die Erlebnisse bei den ATP-Tourneen waren manchmal beängstigend: „In der Dominikanischen Republik sind wir mit dem Militär zum Tennisplatz gebracht worden, der neben einem Armenviertel lag. So etwas prägt fürs Leben.“ Und auch das ständige Unterwegssein machte dem jungen Mann zu schaffen: „Manchmal habe ich aus Heimweh geweint.“ Dass er dann 2009 mit 21 Jahren seine Profilaufbahn beendete, kam dennoch etwas überraschend. Der Grund: ein Ausbildungsplatz als Sport- und Fitnesskaufmann im Tenniscenter Hahn in Wolfratshausen. „Ich bin mir sicher, dass ich auch weiterhin als Profi erfolgreich gewesen wäre. Aber ich wollte nicht mehr neun oder zehn Monate in der Fremde verbringen, ohne Freunde und Familie.“ Enttäuscht zeigte sich sein Vater, der ihn in all den Jahren trainiert hatte. „Er sagte, dass ich zumindest bis 30 hätte Vollgas geben können“, so Wenus. „Heute weiß ich, dass er Recht gehabt hat.“

Doch auch in der Heimat fand er sofort eine neue Aufgabe. Der TC Wolfratshausen ging seinerseits ziemlich am Stock, und der neue Azubi im Tenniscenter startete mit einigen Freunden das Projekt „Landesliga“. Fünfmal in Folge stieg die neuformierte Mannschaft auf – von der Bezirksliga über drei Jahre in der Bayernliga bis zuletzt in die Regionalliga Südost. „Wir haben seit vier, fünf Jahren dasselbe Team am Start“, freut sich Wenus darüber, dass die Italiener Francesco Picco und Giorgio Portaluri sowie der Österreicher Markus Sedletzky von Anfang an dabei sind. Immerhin kennt er alle aus früheren Tagen bei den ATP-Tourneen. Um in den höheren Ligen bestehen zu können, engagiert der TCW für jede Saison noch ein, zwei stärkere Akteure. „Sie erhalten eine Aufwandsentschädigung, für die unsere Sponsoren aufkommen.“ Und einen Anteil an dem Erfolg haben auch die TCW-Fans, die sogar zu Auswärtsspielen im Bus anreisen. „Gleich zu Beginn hatten wir die Idee, vor dem Spieltag Kuhglocken zu verteilen, weil es etwas anderes ist. Und damit kommt da wirklich eine Atmosphäre wie beim Davis-Cup auf“, sagt Wenus. „Ich möchte wirklich nicht vor nur fünf Zuschauern spielen.“

Das muss er auch beim Fußball nicht, denn die DJK-Fans kommen ebenfalls zahlreich zu den Partien ihrer Elf. „Ich war schon immer ein Teamplayer“, sagt Wenus. Alleine bei Tennisturnieren antreten zu müssen, sei ihm oft schwergefallen. „Aber es gibt auch eine Parallele zwischen beiden Sportarten, denn ich habe auch beim Tennis viele Freunde gefunden.“ So trainiert der 29-Jährige dreimal pro Woche beim TC Wolfratshausen und geht noch zwei Mal zum Fußballtraining nach Waldram. An den Wochenenden muss Wenus nicht selten das Punktspiel der DJK mit der Teilnahme an einem Tennisturnier irgendwo in Bayern unter einen Hut bringen. Immerhin gibt es bei den Wettbewerben ein paar Euro zu verdienen. Wie viel, das verrät der Ex-Profi nicht. Außer, dass es ab dem Viertelfinale Prämien gibt und ein Turniersieg recht lukrativ sein kann.

Tagsüber hat er von Montag bis Freitag ebenfalls alle Hände voll zu tun – als Tennislehrer beim BCF Wolfratshausen. „Tennis boomt, gerade hier in der Region“, hat Wenus festgestellt, der Akteure jeder Altersklasse fit macht. Auch Profis finden den Weg zu ihm, wie beispielsweise die Otterfingerin Michaela Niedermeier, die für den TC Grün-Weiß Luitpoldpark München in der 2. Bundesliga antritt. Kürzlich war die slowakische Spitzenspielerin Michaela Honcova (höchste Platzierung in der Weltrangliste: 218) für vier Tage zu Besuch. „Sie wollte fit werden für ein Turnier in Österreich.“ Offenbar hat es sich in der Szene herumgesprochen, dass der junge Coach auf ein Konzept aus „Mentaltraining, Spaß und Sport“ setzt. „Es ist mir wichtig, dass jemand vom Platz runtergeht und ihm die Einheit Freude gemacht hat“, betont Wenus.

Ein paar Ziele für die kommenden Jahre hat sich der Geltinger auch schon gesetzt. Wichtigster Wunsch ist es, eine Familie zu gründen. Außerdem möchte er weiterhin an möglichst vielen Turnieren teilnehmen. Und mit den Spezln vom TC Wolfratshausen möchte er nicht nur die Regionalliga halten, sondern hat Größeres im Sinn: „Wir werden demnächst alle 30 Jahre alt. Dann melden wir ein Herren 30-Team und steigen damit in die Bundesliga auf.“

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