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Schlammschlacht im Je ep: Beim Offroaden verausgabt sich Wolfgang Sacher seit vier Jahren.

Von zwei auf vier Räder gewechselt

Paralympics-Sieger Sacher gibt immer noch Gas, doch nun mit Motor

Bei den Paralympics 2008 in Peking hat Wolfgang Sacher auf dem Rennrad Gold, Silber und Bronze gewonnen. Inzwischen hat der 51-Jährige die Sportart gewechselt und heizt nun mit dem Jeep durchs Gelände. 

Wolfratshausen Was früher die asphaltierte Straße war, sind nun Baumstammbrücken, Schlammdurchfahrten und steile Passagen im Gelände. Regelmäßig ist Wolfgang Sacher mit seinem Jeep Wrangler JK im Offroadpark im mittelfränkischen Langenaltheim zu Gast, um dort seinem neuen Hobby nachzugehen: Motorsport im Gelände. „Das war schon während meiner Karriere im Radsport ein großer Traum von mir, den ich mir nun seit ein paar Jahren erfülle“, erzählt der dreifache Medaillengewinner der Paralympics von Peking. Mit 16 Jahren hatte Sacher bei einem Starkstromunfall am ehemaligen Penzberger Güterbahnhof seinen linken Arm und mehrere Zehen verloren.

Zehn Jahre sind mittlerweile vergangen, seit der Radsportler und Funktionär des RSC Wolfratshausen mit Gold, Silber und Bronze aus China heimkehrte und damit für einen der größten Sporterfolge des Oberlandes überhaupt sorgte. Mit seiner Ausbeute war er bei den Spielen nicht nur Deutschlands erfolgreichster paralympischer Radsportler, sondern auch Deutschlands Behindertensportler des Jahres geworden. „Das war der Höhepunkt meiner Karriere“, sagt der 51-Jährige, der in seiner aktiven Laufbahn zwischen 2005 und 2012 unter anderem einmal Weltmeister im Straßenrennen und dreimal Vizeweltmeister im Einzelzeitfahren geworden war. Eine Fußverletzung stoppte Sachers Karriere schließlich – und der Penzberger suchte sich neue Betätigungsfelder.

Bevor er das Offroad-Fahren für sich entdeckte, waren es vor allem aber ehrenamtliche Tätigkeiten, in denen er sich engagierte: Im Penzberger Stadtrat etwa, dem er bis heute angehört, oder als Vorstand des RSC Wolfratshausen, den er ebenfalls leitet. „Das füllt alles viel Zeit aus – aber es macht auch sehr viel Spaß“, so Sacher, der zudem immer noch in engem Kontakt mit der Paralympics-Nationalmannschaft steht und sich im bayerischen Behindertensport unter anderem für die Erforschung der Erkrankung Spinale Muskelatrophie engagiert.

Gold bei den Paralympics in Peking war Wolfgang Sachers größter sportlicher Erfolg.

Im Jeep-Sport ist Sacher seit 2014 aktiv. Ein lange gehegter Traum, denn bereits während seiner Karriere als Radsportler hatte er mit einem Ausflug in den Motorsport geliebäugelt: „Schon während der Rennen habe ich gerne in Offroad-Zeitschriften geblättert – und als sich die Gelegenheit ergeben hat, habe ich mir einen Jeep gekauft“, erzählt er. Am Off-roaden gefalle ihm vor allem, draußen zu sein. „Das war schon beim Radfahren mein Hauptantrieb“, so Sacher, der mit seinem Jeep regelmäßig auch andere Gegenden wie etwa Montenegro, Serbien oder die Westalpen erkundet.

Zum Radfahren gehe er trotzdem immer noch gerne. So nimmt er regelmäßig an Radmarathons teil und unternimmt längere Touren. „Im letzten Jahr bin ich beispielsweise einen 230 Kilometer langen Marathon gefahren. Ein bisschen was steckt also immer noch in den Beinen“, lacht er. Professionell Rennen zu fahren, komme für ihn allerdings nicht mehr in Frage: „Meine Karriere ist seit 2012 beendet – ich will das auch nicht mehr. Für mich geht es heute beim Radfahren rein darum, Spaß zu haben“, stellt Sacher, klar. Das hindert ihn freilich nicht daran, rund 5000 Kilometer pro Saison abzuspulen.

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Nachdem in den vergangenen Jahren vor allem die Off-road-Abenteuer mit dem Jeep im Vordergrund standen, will er 2019 wieder vermehrt auf dem Rad aktiv sein. Ein Projekt: Für einen guten Zweck will Sacher zum nördlichsten, südlichsten, westlichsten und östlichsten Punkt Deutschlands radeln und befindet sich derzeit auf Sponsorensuche. Im Offroadpark in Langenaltheim wird er dennoch des Öfteren anzutreffen sein. Sacher lacht: „Ich gebe immer noch gerne Vollgas – heute nur etwas anders.“                   Werner Müller-Schell

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