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Krafteinheiten auf dem heimischen Balkon: Zehnkämpfer Felix Wolter versucht, das Beste aus der Situation zu machen.

Fithalten statt Topformaufbau

Alles andere als wochenlanger Urlaub: Leichtathleten des TSV Gräfelfing schwitzen wegen Corona im Hometraining

Die Leichtathleten des TSV Gräfelfing erleben die Corona-Krise auf ähnliche und doch unterschiedliche Weise: von Hometraining über Waldläufe bis Hausarrest in Südafrika.

Gräfelfing – Im Rahmen der drastischen Reduzierung des öffentlichen Lebens zum Schutz der Allgemeinheit hat auch die Leichtathletikabteilung des TSV Gräfelfing ihren gemeinschaftlichen Trainingsbetrieb im Verein eingestellt. Für die Sportler bedeutet das aber keinen wochenlangen Urlaub in der Corona-Krise. „Die Trainingssituation ist sehr schwierig. Von Formaufbau kann keine Rede sein, es geht zurzeit nur darum, die Form irgendwie zu erhalten“, erklärt 400-Meter-Läufer Johannes Trefz.

Für den Gräfelfinger Vorzeigeathlet finden die Einheiten nun größtenteils in der freien Natur statt, das Sprint- und Techniktraining auf der Tartanbahn fällt komplett weg. Sein Krafttraining kann Trefz nicht im gewohnten Umfang betreiben. Er versucht aber, das mit Einheiten zu Hause zu kompensieren.

Olympia-Anwärter Johannes Trefz hofft auf Sondergenehmigung für Training

Neben mangelnder Betreuung durch Trainer fehlen dem Langsprinter dabei die Trainingspartner, um sich gegenseitig an die eigenen Grenzen zu führen. Sondergenehmigungsanträgen für eine alleinige Nutzung der Trainingsstätten wurde bisher nicht stattgegeben, obwohl diese seitens der Sportfördergruppe der Bundeswehr empfohlen werden.

Regelmäßiges Laufen gehört für Olympia-Anwärter Johannes Trefz auch in Zeiten der Corona-Krise zum Trainingsprogramm.

Gerade wegen der aktuell schwierigen Trainingssituation findet Trefz es richtig, die Olympischen Sommerspiele in Tokio auf 2021 zu verschieben. „Natürlich habe ich mich extrem auf den Sommer und die Olympischen Spiele gefreut. Aber ich möchte an möglichst fairen Spielen teilnehmen“, sagt der TSV-Athlet. 

Trotz der Verlegung steht er derzeit vor Problemen bezüglich Olympia. Denn es gilt weiterhin, Sponsoren zur Unterstützung auf dem Weg nach Tokio zu akquirieren. Auch die private und sportliche Planung muss jetzt neu überdacht werden.

Johannes Trefz: „Solidarität und Gesundheit sind wichtiger“

Dennoch blickt Trefz optimistisch in die Zukunft und will zur Not auch bei kleineren Wettkämpfen teilnehmen, bei denen er zeigen kann, was er sich in den vergangenen Monaten hart erarbeitet hat. „Viel wichtiger ist aber, dass wir alle zusammen diese schwierige Zeit überstehen und die Krise überwinden“, stellt der 27-Jährige klar. „Der Sport ist seit vielen Jahren der Mittelpunkt meines Lebens, aber in der jetzigen Zeit wird mir bewusst, dass Solidarität, Gesundheit und Geduld alles andere in den Hintergrund stellen.“

Auf Technik- und Wurftraining verzichten muss Zehnkampf-Ass Felix Wolter. Für ihn geht es gezwungenermaßen zurück ins Grundlagentraining, bei dem besonders Stabilisation, Kraft und Läufe auf dem Plan stehen. Jeden Tag trifft sich die Gräfelfinger Mehrkampfgruppe in einem Videochat für ein bis zu einstündiges Stabi-Programm.

Zehnkampf-Ass Wolter macht Hanteltraining auf dem Balkon

Dieses führt Wolter meist auf seinem speziell hergerichteten Balkon aus, auf dem er auch Kniebeugen mit Gewicht und Hanteltraining absolvieren kann. „Die Situation lässt uns keine Wahl, aber wir müssen das Beste daraus machen“, sagt Wolter. Neben dem gehäuften Kraft- sowie Lauftraining arbeitet er außerdem viel an seiner Beweglichkeit.

Die Gräfelfinger Läufergruppe musste bis jetzt die wenigsten Einschränkungen in Kauf nehmen. „Als Läufer hat man den Vorteil, dass man einsame Waldläufe schon gewohnt ist, auch wenn von Einsamkeit im Wald jetzt keine Rede mehr sein kann“, meint Raphael Bartelmus und erklärt sein Vorgehen: „Kürzere Strecken für Tempoläufe messe ich mit Schritten ab, aber davon stehen im Moment nicht so viele im Trainingsplan.“

Auch die Läufer absolvieren zurzeit viele Inhalte aus dem Grundlagentraining wie Dauerläufe und Fahrtenspiele, da diese Einheiten im Wald und ohne größere Infrastruktur machbar sind. Das allseits unbeliebte Stabilisationstraining findet per Videokonferenz statt. Nur Technikeinheiten über Hürden und Hindernisse fehlen im aktuellen Trainingsplan.

Lorenz Masur steht in Südafrika unter Corona-Hausarrest

Bei den Wettkampfsenioren sind die Einschränkungen ebenfalls gering, denn aus beruflichen Gründen fehlt ihnen ohnehin oft die Zeit, auf der Tartanbahn zu trainieren. Lorenz Masur absolvierte in seinem Urlaub in Südafrika ein paar Läufe am Strand, ehe er nach Ausrufen des Notstands als Ausländer unter Hausarrest gestellt wurde.

In Südafrika absolvierte Lorenz Masur einige Trainingsläufe, bevor er in den Corona-Hausarrest musste.

„Die eingeschränkten Möglichkeiten und die Umstände nagen ehrlich gesagt an meiner Motivation“, teilt Masur aus Südafrika mit. „Aber bisher sind die für uns wichtigen Wettkämpfe im Sommer noch nicht abgesagt, deswegen werde ich versuchen, mich halbwegs fit zu halten.“

Verletzter Suckfüll muss auf Reha und Physio verzichten

Korbinian Suckfüll ist nach langer Verletzungsphase zwar noch nicht auf eine Stabhochsprunganlage angewiesen, doch auch ihn treffen einschneidende Veränderungen. „Neben dem Offensichtlichen – dass man nur alleine trainieren darf – kann ich nicht turnen, nicht zur Reha und nicht zur Physiotherapie gehen, was für mich aktuell das größte Problem darstellt“, sagt Suckfüll. Neben Kraftübungen auf der heimischen Hantelbank geht er im Wald joggen und macht dort ebenfalls Koordinationstraining.

In Zeiten von Corona: Dachgeschoss wird zum Fitnessstudio

Viel Zeit für seine Übungen nimmt sich Sprinter Jonas Albrecht. Gemeinsam mit seiner Schwester Theresa, Stabhochspringerin beim TSV, absolviert er bis zu zwei Einheiten täglich. Für das Krafttraining trugen die Geschwister im Dachgeschoss ein paar Trainingsgeräte zusammen.

Die Laufeinheiten erledigt Jonas Albrecht alleine auf der Straße oder im Wald. Er erklärt: „Ich hoffe, meine Form einigermaßen zu erhalten, um gut in die nächste Saison starten zu können.“

as

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