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Die Entscheidung des Deutschen Tischtennis-Bunds spielt Regionalligist TSV Gräfelfing um Mannschaftsführer Jonas Becker in die Karten.

Entscheidung des DTTB

Erster Verband tanzt aus der Reihe: Überraschende Wertung der wegen Corona abgebrochenen Tischtennis-Saison

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  • Tobias Huber
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Nun ist klar, wie es im Tischtennissport nach der Corona-Krise weitergeht. Der nationale Verband trifft eine mutige Entscheidung und annulliert nicht die komplette Saison.

Würmtal – In fast allen Sportarten wissen die Verantwortlichen noch nicht, wie es nach der Corona-Krise mit dem Spielbetrieb weitergehen soll. Im Tischtennis wurden am Mittwoch durch eine Meldung des Deutschen Tischtennis-Bunds Nägel mit Köpfen gemacht.

Eigentlich hätte folgende Entscheidung erst kommende Woche bekannt gegeben werden sollen: Als Abschlusstabellen der Saison 2019/20 fungiert der Stand der Ranglisten zum Zeitpunkt des Abbruchs Mitte März.

TSV Gräfelfing profitiert von Entscheidung des DTTB

Dem TSV Gräfelfing kommt diese Entscheidung in der Regionalliga zugute. „Ich habe nach der schlimmen Niederlage gegen Fürstenfeldbruck noch gescherzt, dass uns nur ein Abbruch retten könnte“, sagt Mannschaftskapitän Jonas Becker. Da es keine Relegation mehr in dieser Spielzeit gibt, haben seine Wölfe den Ligaverbleib geschafft.

Leidtragender ist der TTC Holzhausen, der mit nur zwei Punkten Rückstand auf die Würmtaler vermutlich absteigen muss. „Für manche Mannschaften ist die Entscheidung natürlich sehr bitter. Es könnte noch den einen oder anderen Einspruch geben“, meint Becker.

Bittere Situation für den TSV Neuried in der Bezirksoberliga

In vielen Ligen stand noch längst nicht fest, wer absteigen muss oder den Aufstieg schafft. In der Bezirksoberliga Oberbayern-Mitte etwa rangierte der TSV Neuried auf Platz zwei. Besonders ärgerlich: Die Würmtaler hatten bis dato ein Spiel weniger absolviert als Tabellenführer TSV Dachau 65 II und lagen mit 31:5 Punkten in direkter Schlagdistanz zum Konkurrenten (32:6 Punkte).

„Es wäre extrem tragisch, so an der Rückkehr in die Landesliga zu scheitern“, sagt Werner Sigmund vom TSV Neuried.

„Nach unserem äußerst unglücklichen Abstieg vor einem Jahr wäre es extrem tragisch, so an der Rückkehr in die Landesliga zu scheitern“, sagt Neurieds Spieler Werner Sigmund. Für derartige Ungerechtigkeiten könnte es aber noch Ausnahmeregelungen geben. In diesem Fall steigen möglicherweise beide Mannschaften in die Landesliga auf.

Tischtennis-Saison gewertet: TSV Pentenried hat Glück im Unglück

Der TSV Pentenried ist dagegen nur auf den ersten Blick Leidtragender der aufgestellten Wertungsregel. Die Römerfelder müssen sich wohl oder übel mit ihren ersten Herren nach nur einem Jahr wieder aus der Landesliga verabschieden.

„Die Mannschaft wäre mit hoher Wahrscheinlichkeit eh abgestiegen“, sagt TSV-Abteilungsleiter Dieter Schmied. Mit Blick auf die Reserve zieht er daher ein positives Fazit: „Unsere zweite Mannschaft hat sich dadurch gerettet, wir sind also auch eher bevorteilt.“

toh


Kommentar des Sportredakteurs: Schlechtes Signal an den Sportsgeist

VON MICHAEL GRÖZINGER

Wie ist mit den abgebrochenen Saisons nach der Corona-Krise umzugehen? In den Sportarten zeichnen sich viele Optionen ab. Der Weg, den der Deutsche Tischtennis-Bund jetzt einschlägt, ist aber der schlechteste.

Unser Autor Michael Grözinger geht mit dem Verband hart ins Gericht.

Positiv: Der Verband hat zumindest eine Entscheidung getroffen und seinen Vereinen damit Planungssicherheit gegeben. Auch klar: Eine Optimallösung, mit der alle zufrieden sind, wird es nicht geben. Aber: Die Tabellen zum Zeitpunkt des Abbruchs zu werten, ist nach rund 80 Prozent der Saison schlicht unfair.

Die Teams haben teils deutlich unterschiedlich viele Spiele absolviert. Werden nun also diejenigen bestraft, die netterweise gegnerischen Spielverlegungswünschen oft nachkamen? Ein schlechtes Signal an den Sportsgeist. Bei extremen Ungerechtigkeiten sollen zwar Ausnahmeregelungen möglich sein, aber was fällt darunter? Dann doch lieber nur die Vorrunde werten – oder gar nichts.

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