Abholdienst als Alternative: Das Ehepaar Dragan Vukovic und Tiana Kesic, Wirte der Vereinsgaststätte des SV Planegg-Krailling, vermisst seine Gäste, die wie eine Familie seien. Derzeit gibt es nur Speisen zum Mitnehmen.
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Abholdienst als Alternative: Das Ehepaar Dragan Vukovic und Tiana Kesic, Wirte der Vereinsgaststätte des SV Planegg-Krailling, vermisst seine Gäste, die wie eine Familie seien. Derzeit gibt es nur Speisen zum Mitnehmen.

Mitglieder gefragt

Vereinsgaststätten im Würmtal bangen um Existenz: Wirte hoffen auf Solidarität in Corona-Zeiten

  • vonTobias Empl
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Vereinsgaststätten stemmen sich mit Abholdiensten gegen die Corona-Krise. Doch das reicht nicht. Hoffnung ruht auf der Unterstützung von Vereinen und Mitgliedern.

Würmtal – Am Wochenende herrscht bei Dragan und Tiana Vukovic normalerweise Hochbetrieb. Das Wirtsleute-Ehepaar betreibt die Gaststätte „s’Hüttl“, das Vereinslokal des SV Planegg-Krailling. Bei den vielen Jugendmannschaften, Spielen der ersten und zweiten Mannschaft sowie Liveübertragungen der Bundesligaspiele ist im Planegger Vereinsheim immer etwas los.

Viele sind Stammgäste und kommen auch unter der Woche zum Kartenspielen, Kegeln oder Ratschen, manche Eltern sitzen während des Trainings ihrer Kinder auf der Terrasse und bleiben danach mit der ganzen Familie zum Abendessen. An all das ist in Corona-Zeiten nicht zu denken.

Essen zum Abholen: „Jedes Schnitzel hilft“

Wie ein Großteil der Lokale hat auch Familie Vukovic auf Essen zur Abholung umgestellt. Zurzeit ist mittags zwischen 11.30 und 14 Uhr sowie abends von 18 bis 20 Uhr geöffnet. Einige der Stammgäste, etwa vom Stammtisch, aus dem Altherren-Team oder der Nachbarschaft, kommen einigermaßen regelmäßig vorbei. Am besten verkauft sich der Klassiker: Schnitzel mit Pommes. „Jedes Schnitzel hilft uns“, sagen die Wirtsleute.

Lambros Batsilas, Betreiber der Vereinsgaststätte des TSV Pentenried, wo man derzeit ab 17 Uhr Essen abholen kann, sagt: „Aktuell ist die Situation miserabel. Um Ostern herum war es noch etwas besser, aber jetzt kommt an manchen Tagen gar niemand.“ Er weiß: Abholservice ist für klassische Vereinsheime keine echte Alternative.

„Sportgaststätten leben von den Getränken“

„Sportgaststätten leben von den Getränken“, stellt Batsilas klar. Wie alle anderen Gastronomen hofft auch er auf eine baldige Wiedereröffnung. Seine Prognose: Anfang Juni könnte das grüne Licht für Öffnungen unter Auflagen kommen.

Ein großes Problem ist damit aber noch nicht gelöst. Der gesamte Fußball-Spielbetrieb ist in Bayern mindestens bis zum 1. September ausgesetzt, und selbst dieses Datum könnte laut Rainer Koch, Präsident des Bayerischen Fußball-Verbands (BFV), noch weiter nach hinten verschoben werden. Wenn die erste Mannschaft des TSV Pentenried spielt, hat Batsilas in der Regel 150 Gäste im Lokal. Was passiert, wenn für längere Zeit keine Spiele stattfinden?

Hoffnungen der Wirte ruhen auf Vereinen und Mitgliedern

Viele Betreiber von Sportgaststätten sind im Moment angewiesen auf die Unterstützung der verpachtenden Vereine. Bei einigen konnten bereits Regelungen getroffen werden, andere befinden sich noch in Gesprächen. Hilfsgelder vom Staat haben alle beantragt – überall angekommen ist das Geld aber noch nicht. Hoffnungen ruhen auf den Vereinsmitgliedern. Wenn die nach einer Öffnung trotz fehlenden Spielbetriebs kommen, ist den Wirten geholfen.

Etwas anders ist die Situation bei Gastronomie-Betrieben, die weniger eng mit ihrem Verein verknüpft sind. So befindet sich etwa das „Ristorante Molisana“ zwar auf dem Gelände des TSV Neuried, doch viele Gäste kommen in normalen Zeiten unabhängig vom Spielbetrieb.

„Sind nur hier, damit wir nicht zu Hause sitzen“

Im Moment ist aber auch dort nicht viel los. Betreiber Mario Montalto verrät: „Am Wochenende ist es noch ein bisschen besser. Aber eigentlich sind wir nur hier, damit wir nicht den ganzen Tag zu Hause sitzen.“

Komplett geschlossen hat das „Bella Theranda“, die Vereinsgaststätte des TSV Gräfelfing, der Anfang März als erster Verein im Würmtal das gesamte Vereinsgelände absperrte. Bei einem Anruf in Gräfelfing wird man aber zum ebenfalls von den Brüdern Gegaj betriebenen „Da Serafino“ beim TC Neunerberg umgeleitet, der Tennisabteilung des SV Planegg-Krailling.

Das Restaurant liefert auch nach Hause – für Menschen über 70 Jahre sogar kostenlos. Die meisten Kunden zahlen trotzdem. Sie wissen, dass die Gastronomie im Moment jeden Cent gebrauchen kann.

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