+
Unterarm statt Handfläche: Im Zeichen des Coronavirus begrüßten sich die Handballerinnen und Schiedsrichter beim Bayernligaspiel zwischen der HSG Würm-Mitte und der HSG Fichtelgebirge.

Sportbetrieb auf Eis

Coronavirus: TSV Gräfelfing steht unter Quarantäne

  • schließen

Der TSV Gräfelfing zieht rigoros Konsequenz aus den Coronavirus-Fällen im Umfeld der Mitglieder. Fast der gesamte Sportbetrieb ruht, doch es gibt Ausnahmen.

Gräfelfing – Das Coronavirus kommt für viele Sportler des TSV Gräfelfing zum ungünstigsten Zeitpunkt. Die Fußballer nehmen zwar gerade erst ihren Punktspielbetrieb wieder auf. Handballer und Tischtennisspieler, die teils hochklassig spielen, befinden sich hingegen in den Wochen der Wahrheit – und für fast alle Teams geht es noch entweder um den Aufstieg oder gegen den Abstieg. Wegen Verdachtsfällen im Umfeld von Vereinsmitgliedern legte der TSV Ende vergangener Woche seinen kompletten Sportbetrieb auf Eis.

In einer Krisensitzung beschlossen die Vereinsverantwortlichen am Montagabend, den Spiel- und Trainingsbetrieb auf den TSV-Anlagen bis einschließlich kommendem Sonntag, 15. März, einzustellen. Gerechnet vom Ende der Faschingsferien, als etliche Familien Urlaub in Norditalien machten, ist dann die 14-tägige Inkubationszeit des Coronavirus abgelaufen.

"Wir wollen kein Multiplikator sein", sagt Geschäftsführer Sascha Lauterbach. Außerdem sprach das Präsidium in Übereinkunft mit sämtlichen Abteilungsleitern die Empfehlung an seine Mitglieder aus, die sportlichen Aktivitäten in Gruppen auch außerhalb des Vereinsgeländes ruhen zu lassen.

TSV Gräfelfing bangt wegen Coronavirus: Probleme für die Tischtennisspieler

Das bringt den Trainingsplan insbesondere jener Teams gründlich durcheinander, die sich gerade in der heißen Phase der Saison befinden. „Das ist alles andere als optimal“, sagt Jonas Becker, Mannschaftskapitän der Regionalliga-Tischtennisspieler. Sein Team steckt mitten im Abstiegskampf der vierthöchsten deutschen Liga und hat in den kommenden Wochen noch zwei direkte Duelle vor der Brust.

„Vielleicht können wir für ein paar Einheiten ausweichen“, sagt Becker, der hofft, dass sich die Sperrung des TSV-Geländes nicht noch länger hinzieht. Ansonsten gerät nämlich auch die Durchführung der verbleibenden drei Saisonspiele in Gefahr, die allesamt an der Hubert-Reißner-Straße stattfinden sollen.

TSV Gräfelfing bangt wegen Coronavirus: HSG Würm-Mitte vor Bayernliga-Spitzenspiel

Noch ein wenig prekärer gestaltet sich die grundlegende Ausgangssituation bei den Bayernliga-Damen der HSG Würm-Mitte, der Handball-Spielgemeinschaft von Gräfelfing und TV Planegg-Krailling. Für den Spitzenreiter der höchsten bayerischen Spielklasse steht am kommenden Samstag das vorentscheidende Duell um den Wiederaufstieg in die dritte Liga an: Die Würmtaler Wildkatzen sind zu Gast beim zweitplatzierten HC Erlangen, dem einzigen Konkurrenten, der der HSG noch gefährlich werden kann. Ein Trainingsverbot in der wichtigsten Woche der Saison hätte fatale Folgen haben können.

Wichtigste Handball-Teams der HSG Würm-Mitte trainieren trotz Coronavirus

Den Handballern kommt aber zugute, dass sie in den gemeindlichen Hallen in Gräfelfing und Planegg trainieren, in denen derzeit kein Sportverbot herrscht. „Wir trainieren nur mit den wichtigsten Teams, für die es noch um etwas geht“, teilt HSG-Vorstand Benedikt Waterloo mit. Das betreffe vornehmlich die Damen in Bayern- und Bezirksoberliga – die Reserve kann am kommenden Wochenende vorzeitig Meister werden – sowie die Herren in Landes- und Bezirksliga, die noch um Klassenerhalt beziehungsweise Aufstieg kämpfen.

Darüber hinaus folge die Handballabteilung der Empfehlung des Vereins, so Waterloo. Eine Trainingspflicht bestehe in dieser Woche auch bei den Erwachsenen nicht. „Die Einheiten finden auf freiwilliger Basis statt, es wollen aber alle trainieren“, sagt Waterloo.

Wegen Coronavirus: „Vielleicht riegelt der HC Erlangen nach 999 Zuschauern ab“

Er hat in seiner Abteilung noch keinerlei Angst vor dem Coronavirus festgestellt. Auch beim Heimspieltag am vergangenen Wochenende sei auf den Rängen nichts dergleichen zu spüren gewesen. „Wir haben aber zumindest die Handlungsempfehlung des Landratsamts ausgehängt“, sagt Waterloo.

Spannend gestaltet sich die Frage, ob oder in welcher Form das Bayernliga-Spitzenspiel in Erlangen stattfindet. 1700 Zuschauer passen theoretisch in die Halle des HCE. Da die Bayerische Staatsregierung gestern Mittag endgültig bekannt gab, Veranstaltungen mit über 1000 Zuschauern zu verbieten und für solche mit 500 bis 1000 Zuschauern eine Absage zu empfehlen, steht die Partie auf der Kippe. „Da muss sich Erlangen etwas überlegen. Vielleicht riegeln sie nach 999 Zuschauern ab“, spekuliert Waterloo, der nicht an einen Ausfall des Spiels glaubt.

TSV Gräfelfing bangt wegen Coronavirus: Fußballer suchen Ausweichmöglichkeit

Die Gräfelfinger Fußballabteilung kann vergleichsweise gelassen mit der TSV-Quarantäne umgehen. Zwar können auch die Kicker derzeit kein Training oder Spiel auf dem eigenen Gelände abhalten, die entscheidenden Wochen stehen im Fußballspielbetrieb jedoch erst in zwei Monaten an. „Vielleicht bekommen wir in den kommenden Tagen Ausweichzeiten bei befreundeten Vereinen oder gehen in die Soccerhalle“, sagt Thomas Ochsenkühn, Trainer der Herren-Reserve, „oder im Zweifel auf den Trimm-dich-Pfad“.

Allzu wichtig sei die aktuelle Woche ohnehin nicht, da die Spieler frisch aus dem Trainingslager in Tschechien kommen und das Heimspiel am Sonntag wegen der Sperrung des TSV-Geländes voraussichtlich verlegt wird. „Ich gehe davon aus, dass wir am Freitag in einer Woche unser Auswärtsspiel in Pullach ganz normal bestreiten können“, sagt Ochsenkühn. „Es sei denn, es eskaliert, und der Verband sagt alle Spiele ab.“

TSV Gräfelfing bangt wegen Coronavirus: Nur wenige Ausnahmen bei Leichtathleten

Auch die Gräfelfinger Leichtathleten, die an der Hubert-Reißner-Straße keine bindenden Termine haben, sind nur am Rande betroffen. „Wir halten uns an die Empfehlung des Präsidiums und stoppen den Sportbetrieb in dieser Woche weitgehend“, sagt Abteilungsleiter Andreas Krumpholz. „Wir hoffen, dass sich die Situation am Wochenende wieder entschärft.“ Nur wenige Athleten, die im Bereich Leistungssport angesiedelt sind oder sich dahingehend orientieren, setzten ihr Training fort, so Krumpholz.

mg

Auch interessant

Kommentare