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Als Sportsoldatin gefordert: Kerstin Spielberger stand wie vier ihrer Mitspielerinnen beim ESC Planegg bis Mittwoch nicht zur Verfügung.

Crunchtime im Eishockey

ESC Planegg hadert vor Play-offs um Deutsche Meisterschaft mit Rahmenbedingungen - Auftakt gegen Berlin

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Zum Auftakt der Play-offs haben die Eishockey-Damen des ESC Planegg zwei Heimspiele gegen die Eisbären Juniors Berlin. Die Rahmenbedingungen sind nicht gerade optimal.

Planegg – Vor Beginn der Play-offs um die Meisterschaft in der Dameneishockey-Bundesliga zitiert Michael Lehmann alte Weisheiten: „Die Big Points muss man machen“, sagt der Sportliche Leiter des ESC Planegg. „Es ist wichtig, dass du erfolgreich bist.“ Mehr als die Gesetze der K.-o.-Serie beschäftigt ihn vor den zwei Halbfinalspielen seines Teams am Samstag (17 Uhr) und am Sonntag (11.15 Uhr) in der heimischen Eishalle in Grafing gegen die Eisbären Juniors Berlin etwas Anderes: die Rahmenbedingungen vor dem Saisonhöhepunkt.

Sportlicher Leiter Lehmann kritisiert DEB: „Das ist dem Verband egal“

Die sind für den ESC alles andere als optimal. „Es wird vom Deutschen Eishockey-Bund in keiner Weise Rücksicht auf die Vereine genommen“, beschwert sich Lehmann. Anlass der Kritik ist eine Maßnahme der Bundeswehr, die von Montag bis Mittwoch Sportsoldatinnen zu einer extra Trainingswoche einzog. Von den Pinguinen standen Julia Zorn, Kerstin Spielberger, Anna-Maria Fiegert, Yvonne Rothemund und Franziska Albl ihrer Mannschaft nicht zur Verfügung. „Dem Verband ist egal, ob die Vereine die bestmöglichen Bedingungen haben“, sagt Lehmann, der sich gewünscht hätte, dass der DEB mit seiner Terminplanung bei der Bundeswehr vorstellig geworden wäre.

Der Teamchef kann dies genauso wenig nachvollziehen wie Marcel Breil. Erst gestern konnte sich der ESC-Coach mit seinem gesamten Kader auf die Spiele gegen Berlin vorbereiten. Mehr als diese Trainingseinheit blieb ihm nicht. Sehr zu Lehmanns Verdruss: „Das erkläre jemandem, der von Montag bis Freitag seine Arbeit macht und darüber hinaus sein Hobby auf Vollprofi-Niveau betreibt.“

Auch Modus der Play-offs stößt ESC Planegg sauer auf

Es ist aber nicht nur die Bundeswehr, die laut Lehmann für Störfeuer vor den Play-offs sorgt, ohne daran vom Verband gehindert zu werden. Der Modus, der erst vor einem Jahr eingeführt wurde, um den Nationalspielerinnen im Hinblick auf die WM noch mal Spielpraxis auf hohem Niveau zu verschaffen, gerät in Lehmanns Visier: „Es ist nicht glücklich, dass wir gegen Teams spielen, die wir schon in den letzten Wochen hatten.“ Seit dem 18. Januar traten die Top Drei der Liga ständig gegeneinander an. Am Wochenende treffen Memmingen und Ingolstadt erneut aufeinander, nachdem sie sich vor acht Tagen das letzte Mal gegenüberstanden.

Für Kritik sorgt auch der Modus „Best of three“. Da im Halbfinale der Tabellenerste und der -zweite der regulären Saison zunächst zweimal Heimrecht genießen, kann es sein, dass Dritter und Vierter aus den Play-offs ausscheiden, ohne ein einziges Mal vor eigenem Publikum gespielt zu haben.

Potenzielles Entscheidungsspiel für ESC Planegg in Berlin

Denn nur wenn es nach zwei Begegnungen Unentschieden steht, entscheidet in einer Woche ein drittes Spiel beim schwächer platzierten Team – Berlin beziehungsweise Ingolstadt. Für eine Sportart, die in Deutschland um Aufmerksamkeit und Sympathie ringt, ist das laut Lehmann ein Marketing-Desaster.

Es gibt ohnehin nur noch sechs Bundesliga-Klubs. Mit Hannover und Düsseldorf verlor der DEB innerhalb eines Jahres zwei Standorte im Damenbereich. Lehmann erwartet Initiativen des Verbands, vor allem wegen der zahlreichen Perspektivspielerinnen aus Nordrhein-Westfalen, die in ihren Klubs mit den Jungs zusammenspielen. „Sie gehören in eine Liga, in der jede noch besser wird“, so Lehmann. Sie alleine über die Nationalmannschaften zu erreichen, helfe nicht weiter.

hch

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