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Im Slopestyle fühlt sich das Gräfelfinger Talent Leopold Frey am wohlsten. Bei der DM hätte er sich Siegchancen ausgerechnet.

Corona macht Strich durch Rechnung

Über die großen Rails dieser Welt: Gräfelfinger Snowboarder Leopold Frey (16) hat erfolgreiche Monate hinter sich

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Der 16-jährige Gräfelfinger Leopold Frey gehört zu den besten Nachwuchs-Snowboardern der Welt. In diesem Jahr feierte er schon einige Erfolge - bis die Corona-Krise kam.

Gräfelfing – Die Telefonleitung knackt wie Schuhe auf einer frischen Schneedecke, die Verbindung ist immer mal wieder kurz weg, im Hintergrund das ratternde Geräusch des Zugs auf den Gleisen. Es ist Donnerstagabend, Leopold Frey sitzt in der Bahn auf dem Weg von der österreichischen Grenze nach Hause ins Würmtal und spricht über seinen traumhaften Start ins Jahr 2020.

Der 16-Jährige kommt aus Gräfelfing, besuchte dort das Kurt-Huber-Gymnasium. Bis es ihn vor anderthalb Jahren in das Internat der CJD-Christophorusschulen in Berchtesgaden zog – eine von 43 Eliteschulen des Sports in Deutschland. Dort will Frey seinem Ziel näherkommen: irgendwann vom Snowboarden leben können.

2020 nimmt Leopold Frey an den Olympischen Jugend-Winterspielen teil

Dieses Jahr hat der Nachwuchssportler schon einiges erreicht und den nächsten Schritt gemacht. Erstmals nahm er an den Olympischen Jugend-Winterspielen teil – als einer von 92 Deutschen. In Lausanne (Schweiz) trat Frey in den Snowboard-Disziplinen Slopestyle und Big Air an; zu einem Zeitpunkt, als das Coronavirus noch nicht den weltweiten Sport lahmgelegt hatte.

Getreu dem Motto „Dabei sein ist alles“ hegte Frey keine großen Ambitionen, zumal er nur wegen eines glücklichen Umstands am Start war. Er hatte im vergangenen Jahr Verletzungspech gehabt und sich gar nicht offiziell für die Spiele qualifiziert. Aufgrund der akuten Verletzungen anderer Teilnehmer rückte er aber doch noch nach.

Youth Olympic Games: Frey wird im Slopestyle überraschend Sechster

„Ich wollte die Zeit genießen und einen möglichst guten Run hinlegen“, erzählt Leopold Frey, während sein Zug durch den Chiemgau brettert. „Und dann schauen, was nach vorne geht.“ Es ging viel: Im Slopestyle, einem Hindernis-Parcours mit Rails und Kickern, landete er als bester Deutscher auf dem sechsten Platz. „Damit hatte ich nicht gerechnet“, gibt der Gräfelfinger zu. Im Big Air erreichte er Rang 17.

Die Youth Olympic Games, wie die Winterspiele offiziell heißen, waren Freys bislang größter Wettkampf. Mit den besten Snowboardern der Welt hatte er sich zwar zuvor auf der World Tour schon gemessen, „aber vom ganzen Event war es unglaublich“.

„Ein unglaubliches Event“ waren die Olympischen Jugend-Winterspiele heuer in Lausanne für den 16-jährigen Snowboarder Leopold Frey (l. mit seinem Kadertrainer).

Besonders beeindruckte den 16-Jährigen, der für den TSV 1860 München startet, der Aufwand, den die Organisatoren betrieben hatten: Zeit- und Geldinvestitionen sowie das Engagement zahlreicher freiwilliger Helfer. „Nur für uns“, wie Frey fast schon ehrfürchtig sagt.

Im Winter ist Frey fast immer auf Achse - fast immer alleine

Eine Woche lang war er mit vier weiteren deutschen Snowboardern und zwei Trainern in Lausanne. Zwei Tage waren seine Eltern zu Besuch, doch bei den Wettkämpfen war Frey auf sich alleine gestellt – wie er es im Winter fast immer ist.

Die Snowboard-Saison kommt Ende Februar erst so richtig in Gang und dauert normalerweise bis April. Um die zehn Wettkämpfe stehen für den Deutschen U15-Slopestyle-Meister von 2018 in dieser Zeit an, wenn einem nicht gerade eine Pandemie einen Strich durch die Rechnung macht.

Derzeit sind alle Wettbewerbe und Trainingseinheiten gestrichen. In aller Regel tourt Frey quer durch Europa. Direkt nach den Olympischen Spielen fuhr der Würmtaler zu einem FIS-Cup ins Schweizerische Crans-Montana, wo er Zwölfter wurde.

Coronavirus: Deutsche Meisterschaft der Snowboarder abgesagt

An diesem Wochenende hätte eigentlich die Deutsche Meisterschaft stattfinden sollen, diesmal war Frey bei den Rookies (U18) gemeldet. Die Top Drei hatte er angepeilt, „vielleicht auch mehr“. Doch wegen der Corona-Krise finden die Titelkämpfe nicht statt. „Es gibt – soweit ich weiß – leider auch keinen Ausweichtermin“, meint Frey.

Große Chancen hätte er sich besonders im Slopestyle ausgerechnet. Das sei sein Steckenpferd, weil es da mehr auf Konstanz ankomme, nicht nur auf einen einzigen Sprung, sagt der ehemalige Turner.

Am Wochenende ist Frey so oft wie möglich im Würmtal

Zwischen Wettbewerben und Trainings setzt sich Leopold Frey aber immer wieder gerne für drei Stunden in die Bahn und fährt nach Gräfelfing – wie an diesem Donnerstag. In der Zwischenzeit hat der Zug den Chiemsee passiert. Die Fahrt ist lang, aber sie lohnt sich.

Schließlich hat Frey auf seinem Internat lange Wochenenden, sprich von Freitag bis Sonntag. Im Sommer ist er an jedem Wochenende in der Heimat, im Winter an jedem zweiten bis dritten. Der 16-Jährige bringt es auf den Punkt: „Einfach an so vielen wie möglich.“ Das ist ihm wichtig – Familie, Freunde.

Frey: „Spaßsportarten sind mir lieber als Klassiker wie Laufen gehen“

Doch auch dann darf Bewegung nicht zu kurz kommen. Ob Trampolinspringen oder Skaten, solche „Spaßsportarten“ – wie Frey sie nennt – sind seine Hobbys. So hält er sich auch fürs Snowboarden fit. „Das ist mir lieber als Klassiker wie Laufen gehen“, sagt er und lacht.

Diesmal bleibt Frey länger als drei Tage im Würmtal. Auch sein Sportinternat blieb von den Schulschließungen in Bayern nicht verschont. Bis nach den Osterferien wohnt Frey nun wieder bei seinen Eltern in Gräfelfing.

Frey: „Mache es immer noch zum Spaß, Geld verdienen wäre ein Bonus“

Obwohl er nun Leistungssport betreibt, findet der Quereinsteiger, der erst vor drei Jahren mit dem Boarden begann, genügend Zeit für seine Spezln aus dem Würmtal. Frey möchte seinem Sport nicht alles unterordnen. Natürlich sei sein Ziel, Profi zu werden, sagt er, während der Zug langsam dem Zielbahnhof entgegenrollt. „Aber ich mache es immer noch zum Spaß.“ Für ihn wäre es „ein Bonus“, sollte er einmal mit dem Snowboarden genug Geld verdienen. Darauf möchte er sich nicht verlassen.

Das Gräfelfinger Talent verfolgt den Plan, das Abitur zu machen und zu studieren; eine reife Entscheidung. Konkrete berufliche Vorstellungen? So weit ist Leopold Frey mit seinen 16 Jahren dann doch noch nicht.

mg

Lesen Sie auch: Mit Lauren Clevert ist ein weiterer Gräfelfinger Jugendlicher in seiner Sportart einer der Großen - im Kartfahren.

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