Rennwagen auf der Nürburgring-Nordschleife
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Stoßstange an Stoßstange heizen die Rennwagen über die Nürburgring-Nordschleife. Das Foto zeigt den BMW M2 CS Racing von Jörg Weidinger (vorne) bei einem anderen Rennen der Nürburgring-Langstreckenserie.

Im BMW M2 CS Racing

24 Stunden Nürburgring: Jörg Weidinger aus Schaftlach mit RTL2-Grip-Moderatoren am Start

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Nach der langen Corona-Pause 2020 juckt es Jörg Weidinger aus Schaftlach wieder im Gasfuß. Er tritt für BMW bei den 24 Stunden auf dem Nürburgring an - mit prominenten Teamkollegen.

Schaftlach/Nürburgring – 100 Euro pro Kilometer hat Jörg Weidinger (46) 2020 für seine Rennlizenz Jahr bezahlt. Nicht etwa, weil deren Preis exorbitant gestiegen ist, sondern weil der 46-jährige Schaftlacher kaum zum Fahren gekommen ist. Wegen Corona fielen so gut wie alle geplanten Einsätze des Versuchsingenieurs Fahrwerksentwicklung bei der BMW M GmbH in Garching flach. So blieb es bei einem einzigen Start beim Rosenheimer Rallye-Sprint auf dem Fahrzeug eines Klubkollegen. Und der endete bereits nach fünf Kilometern: „Dann war das Getriebe kaputt“, erzählt Weidinger und lacht. Er nahm’s mit Humor: „Wenigstens war die Anfahrt nicht so weit.“

Deutlich weiter hat es der Schaftlacher zu seinem Einsatzort am kommenden Wochenende: Er tritt für das Adrenalin Motorsport Team Alzner Automotive in einem BMW M2 CS Racing beim 24 Stunden-Rennen auf dem Nürburgring an. Seine Teamkollegen: die beiden Moderatoren des RTL2-Magazins Grip, Matthias Malmedie und Niki Schelle, sowie Markus Flasch, der Motorsportchef von BMW höchstpersönlich. Weidinger ist dabei nicht nur als Fahrer, sondern auch als Coach gefragt. Denn nur Rallye-Fahrer Schelle bringt Rennerfahrung mit, Malmedie und Flasch mussten hingegen erst mal in die komplexe Materie reinfinden. „Wir mussten sie in Anfängertrainings intensiv vorbereiten“, erzählt Weidinger. Dies sei aber perfekt gelungen. „Sie waren sehr fokussiert.“

Im Team mit RTL2-Grip-Moderatoren Matthias Malmedie und Niki Schelle

Dass das durchaus bunt gemischte Team überhaupt zusammengefunden hat, liegt an der strategischen Ausrichtung von BMW. So konzentriert sich der Konzern mittlerweile vorrangig auf den Kundenmotorsport. Hier sei der M2 ein gefragtes Einsteigerauto, erklärt Weidinger. Das auf der Strecke bei einem der härtesten Langstreckenrennen weltweit zu beweisen, ist die Mission von Weidinger und seiner drei Mitstreiter in der „Grünen Hölle“, wie die Nürburgring-Nordschleife selbst von Rennprofis ehrfurchtsvoll bezeichnet wird.

Insgesamt 125 Autos gehen bei den 24 Stunden an den Start. Weidingers Team tritt in der Cup 5-Klasse an, die quasi komplett mit baugleichen BMW M2 besetzt ist. Entsprechend eng wird es auch auf der Strecke zugehen, meint der Schaftlacher. Oberstes Ziel sei dementsprechend erst mal, ins Ziel zu kommen. Dann aber schon gern im vorderen Bereich des Feldes. Wichtigste Voraussetzung dafür: „Du darfst absolut keine Fehler machen“, sagt Weidinger. Bei der heutigen Leistungsdichte und Konstanz der Fahrer und Autos könnten schon wenige Sekunden Zeitverlust am Start oder in der Box am Ende entscheidend für die Platzierung sein. „Das schleppst du dann das ganze Rennen lang mit.“

Rennfahrer Jörg Weidinger aus Schaftlach.

Obwohl Weidinger mit den Fortschritten seiner unerfahreneren Kollegen Malmedie und Flasch sehr zufrieden ist und das Team bereits in den Vorläufen über zwei Mal vier und ein Mal sechs Stunden ins Ziel gekommen ist, wird er selbst den BMW in der oft turbulenten Startphase pilotieren. Da der Tank 84 Liter fasst, müsse man ohnehin jede Stunde an die Box und könne dadurch auch die Fahrerwechsel flexibler gestalten. Länger als zweieinhalb Stunden dürfe aber laut Reglement niemand am Steuer sitzen. Längere Stints (so heißen die Zeitabschnitte, die ein Fahrer absolviert) würden sich beispielsweise in der Nacht oder bei wechselnden Wetterbedingungen anbieten. „Dann kann sich einer besser auf die Situation einstellen“, erklärt Weidinger. Und die anderen können sich zumindest ein bisschen erholen in diesem fordernden Rennmarathon.

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Der hat es in der Tat in sich. Eine Runde auf der Nürburgring-Nordschleife ist 28 Kilometer lang, die Strecke gefährlich und so gut wie ohne Auslaufzonen. Heißt: Jede Unaufmerksamkeit kann in der Leitplanke enden. Hinzu kommt das gefürchtete Eifel-Wetter, das auch schon mal im Sommer mit Nebel und Schnee aufgewartet hat. Eine zusätzliche Gefahrenquelle sind laut Weidinger die teils eklatanten Geschwindigkeitsunterschiede der Fahrzeuge in den jeweiligen Klassen. Überholen und selbst überholt werden wechsle sich ständig ab.

Hommage an Sabine Schmitz: Siegerauto von 1996 originalgetreu wiederaufgebaut

Eine Meisterin dieses Fachs war auch Sabine Schmitz, die 1996 als erste Frau die 24 Stunden am Nürburgring gewonnen hat und im März dieses Jahres ihrer Krebserkrankung erlegen ist. Ihr zu Ehren hat die BMW M GmbH unter der Projektleitung von Weidinger das Siegerauto, einen BMW M3 E36 genannt „Eifelblitz“, originalgetreu wiederaufgebaut. „Bis auf den kleinsten Aufkleber passt da alles“, schwärmt der Schaftlacher. Am Freitag um 18 Uhr wird Schmitz’ damaliger Teamchef Johannes Scheid den Wagen in einer Gedenkrunde auf der Nordschleife fahren.

Ein großer Moment, der zeigt, was den Motorsport und ganz besonders die 24 Stunden am Nürburgring so einzigartig macht: der familiäre Zusammenhalt all derer, die der Faszination der Geschwindigkeit erlegen sind. So wie Jörg Weidinger aus Schaftlach.

Im TV

sind die 24 Stunden am Nürburgring live im Programm von RTL Nitro zu sehen: von Samstag, 5. Juni, um 14.45 Uhr, bis Sonntag, 6. Juni, um 16.15 Uhr.

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