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Agassi geht mit Tränen

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- London (dpa) - Andre Agassi verließ Wimbledon mit Ovationen und hatte nach seinem letzten Good-bye Tränen in den Augen. Thomas Haas und die anderen deutschen Tennisprofis verabschiedeten sich derweil mit hängenden Köpfen.

Wie im Vorjahr schaffte es keiner aus dem 16 Spieler starken Aufgebot in die zweite Woche des Grand-Slam-Turniers. Als Letzter scheiterte in der dritten Runde der Bamberger Philipp Kohlschreiber, der beim 6:1, 2:6, 3:6, 6:7 (4:7) gegen den Finnen Jarkko Nieminen auch im vierten Vergleich wieder den Kürzeren zog.

Auch Thomas Haas, auf dem nach Nicolas Kiefers Absage die größten Hoffnungen ruhten, enttäuschte wie so oft auf dem ungeliebten Rasen. Im achten Anlauf wollte der Hamburger endlich den Fluch besiegen und erstmals ins Achtelfinale einziehen. Doch statt Tomas Berdych zu besiegen, fluchte Haas nach dem bitteren 7:9 im fünften Satz über dessen schauspielerische Fähigkeiten. Ewig habe sich der Tscheche an die Schulter gefasst und so getan, als ginge es nicht mehr. «Das fand ich total nervig und lächerlich», sagte Haas. «Das ist ja wie beim Fußball: Da wird einer kaum berührt und schon macht er eine Schwalbe. Berdych gehört definitiv zu diesen Typen.»

Haas war gleich doppelt sauer. Dass er gegen Berdych wie im Daviscup verloren hatte, konnte er schon kaum verdauen. Und dann musste er auch noch spielen, während in Berlin Ballack & Co. im Elfmeter-Krimi standen. «Wenigstens kann ich jetzt das Halbfinale sehen», sagte er und verabschiedete sich noch immer grimmig in seine Wahlheimat Florida zur Vorbereitung auf die Hartplatzsaison.

Bei den US Open im Herbst wird der 36-jährige Agassi seine Karriere beenden. «Es waren unglaublich 14 Jahre hier», sagte er nach seinem letzten Wimbledon-Auftritt. «Good-bye zu sagen, bedeutet mir genauso viel wie zu gewinnen.» Im Duell der Generationen stoppte ihn der 16 Jahre jüngere Rafael Nadal. Im 59. Match an der Church Road kassierte Agassi seine 13. Niederlage und verließ nach dem 6:7 (5:7), 2:6, 4:6 den Center Court im Jubelsturm der 13 800 Zuschauer. In der Royal Box mühte sich Steffi Graf, ihre Wehmut hinter einer dunklen Sonnenbrille zu verbergen. Wie schwer der Abschied auf dem «Heiligen Rasen» fällt, hat die siebenfache Wimbledonsiegerin 1999 erfahren.

«Für mich war es eine Ehre, Andres letzter Gegner hier gewesen zu sein. Er ist unglaublich», sagte Nadal und bekam ein dickes Lob zurück: «Man kann nur den Hut vor ihm ziehen. Rafael bewegt sich am besten von allen. Er explodiert und ahnt die Bälle voraus», sagte Agassi. «Er ist nur zu schlagen, wenn man außergewöhnlich gut spielt, oder wenn man Roger Federer ist - auf Rasen.» Der dreimalige Champion aus der Schweiz ist gewarnt. Sein «Angstgegner» Nadal will ihm auch auf Gras den Spaß verderben wie zuletzt auf Sand bei den French Open.

«Nächstes Jahr komme ich wieder und versuche es aufs Neue», erzählte Philipp Kohlschreiber, der sich im Vergleich zu seiner Erstrunden-Niederlage im Vorjahr gesteigert hat. Mit nur zwei Spielern in der dritten Runde vertreten zu sein, ist für das deutsche Tennis blamabel. Fedcup-Chefin Barbara Rittner und ihr Daviscup-Kollege Patrik Kühnen bleibt vor den Abstiegsspielen noch reichlich Arbeit, auch wenn es gegen China bzw. Thailand nur gegen die zweite Garde der Welt-Tennis geht.

Eine bittere Enttäuschung mussten auch die hochgelobten Tennisprofis aus den USA einstecken. Nicht nur Andre Agassi schied in der dritten Runde aus, sondern auch Titelverteidigerin Venus Williams und Andy Roddick. Der Vorjahres-Finalist, der in der Runde zuvor noch Florian Mayer an die Wand gespielt hatte, unterlag Andy Murray in drei Sätzen. Für die Briten war es nach harten Stunden endlich eine gute Nachricht. Erst hatten sie das frühe Aus von Lokalmatador Tim Henman verdauen müssen, dann auch noch das Elfmeter-Drama ihrer WM-Kicker im Viertelfinale gegen Portugal. Da störte es in London niemanden mehr, dass Murray Schotte ist.

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