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Alle Sorgen ausgeknipst

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- Düsseldorf - Dass Evi Sachenbacher-Stehle am Ende der Woche Grund zum Strahlen haben würde, war schon eine Überraschung. Sie hatte am Montag unerfreuliche Post vom Weltverband Fis erhalten, erkrankte an einer Bronchitis und sah sich wieder einer Diskussion um ihre erhöhten Hämoglobinwerte bei den Winterspielen von Turin ausgesetzt. Als die Athletin aus Reit im Winkl aber am Rheinufer sprintete und es dort besser lief als in den Jahren zuvor, verwandelte sich der Ärger in pure Freude.

"Ich bin echt überrascht", sagte sie. Schließlich liege ihr so eine Sprintstrecke mit nur minimal schwierigen Anstiegen "überhaupt nicht". Dennoch ist ihr mit Rang sieben ein "Topresultat" gelungen, wie Bundestrainer Jochen Behle befand. Ihren Einzug ins Halbfinale hatte die 25-Jährige so kommentiert: "Das ist der Wahnsinn, oder?" Erst im vorletzten Lauf musste sie sich der starken Konkurrenz geschlagen geben.

Sachenbacher-Stehles Auftrumpfen im Kunstschnee von Düsseldorf ist durchaus als Stärkebeweis zu werten. Am Start habe sie all die unangenehmen Begleiterscheinungen der vergangenen Tage "ausknipsen" können, erläuterte sie. Auch dem fröhlichen Düsseldorfer Publikum waren die Diskussionen um Schutzsperre und Ausnahmegenehmigung egal, Sachenbacher-Stehle ist nach wie vor der Liebling der Langlauf-Fans und wurde laut angefeuert. "Das tut gut, deshalb macht es so viel Spaß, hier zu laufen", sagte sie. Im Teamsprint landete sie mit Claudia Künzel auf Rang vier.

Schon vor Rennbeginn am Samstag hatte Sachenbacher-Stehle dargelegt, künftig auf Höhentrainingslager zu verzichten, weil sie sonst in ständiger Angst leben müsste, wieder eine Schutzsperre zu riskieren. Die FIS hatte es abgelehnt, ihr eine Ausnahmegenehmigung für einen Start trotz erhöhter Hämoglobinwerte zu erteilen. "Im Endeffekt muss ich jetzt auch in diesem Winter vor jedem Rennen darum bangen, ob meine Werte tatsächlich unterhalb der Schutzsperrengrenze liegen." Diese Aussagen legen nahe, dass der DSV und die Athletin an der Meinung festhalten, ihre Werte seien auf genetische Voraussetzungen zurückzuführen und daher in extremer Höhenlage eben generell zu hoch. Sachenbacher-Stehle sagt, sie habe die Hoffnung nicht aufgegeben, dass Mediziner und Funktionäre doch noch einen Kompromiss finden. Sie unterstütze schließlich jede Maßnahme im Kampf gegen Doping. Und der erzwungene Verzicht auf Höhentraining bedeute einen Nachteil im Vergleich zur Konkurrenz.

Seit der Schutzsperre im Februar sieht sich die Athletin aus dem Chiemgau dem Verdacht des Blutdopings ausgesetzt. Auch in Düsseldorf betonte Sachenbacher-Stehle, sie habe sich nie etwas zu Schulden kommen lassen. Diese Situation sei nicht einfach "für eine Sportlerin, die sauber ist", sagte Behle. Der Trainer klang eine Spur pragmatischer als die Athletin, als er feststellte: "Evi hatte nie eine Ausnahmegenehmigung, also müssen wir uns auch künftig danach richten."

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