1. Startseite
  2. Sport
  3. Mehr Sport

Alonso und die Welt voller Feinde

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

- Nagoya - Das ist ein Finale, wie es sich Bernie Ecclestone immer wünscht: Vor dem vorletzten Formel-1-Rennen der Saison in Suzuka steht es zwischen Michael Schumacher und Fernando Alonso 116:116. Der WM-Kampf beginnt praktisch von vorne, mit einem kaum erträglichen Nervenkitzel. An dieses große Finale zum Karriereende von Michael Schumacher wird man sich noch lange erinnern. Egal, wie es ausgeht.

In einer solchen Situation können kleine Dinge alles entscheiden. Es kommt für die Teams auf jedes Detail an _ und auf den Zusammenhalt. Man muss nur die Ferrari-Truppe anschauen, um zu wissen, wie man den Mannschaftsgeist stützt. "Wenn man zurückblickt, wo wir nach Montreal lagen und bedenkt, dass Michael nun mit Alonso gleichgezogen hat, dann ist das die Bestätigung für uns; dafür, dass wir niemals aufgegeben haben", sagte Teamchef Jean Todt. Gestern machte Michael Schumacher auf seiner Homepage im gleichen Stil weiter. "Wir haben in der zweiten Hälfte der Saison eindeutig die bessere Arbeit abgeliefert und daher verdient den Ausgleich geschafft", teilte er mit.

"Wer hat sich das vor drei Monaten wohl vorstellen können? Wenn man aber gesehen hat, welchen Ehrgeiz und Kampfgeist die Jungs in diese Aufholjagd gesteckt haben, dann darf man sich nicht wundern. Dies ist einfach eine ganz besondere Truppe." Natürlich sind das einerseits nur rührselige Halbwahrheiten, denn Ferrari und Schumacher haben auch in der zweiten Saisonhälfte schwere Fehler gemacht - man denke nur an Ungarn. Aber der aktuelle Siegesrausch wischt solche negativen Erinnerungen aus dem Gedächtnis und verhilft zu der schönen Selbsteinschätzung: Wir sind jetzt stark. Ganz anders die Situation bei Renault. Das gelb-blaue Team hat mitansehen müssen, wie der Vorsprung von Alonso von 25 Punkten nach Montreal auf Null geschmolzen ist.

So eine Situation strapaziert sowieso die Nerven. Und die Situation wird noch schlimmer dadurch, dass Alonso fest davon überzeugt ist, dass sein eigenes Team gegen ihn arbeitet. Diese Meinung tut er nun auch öffentlich kund. Nach dem Rennen in Schanghai ließ der Spanier seinem Frust freien Lauf. "Es gibt keinen Zweifel: Das Team interessiert sich mehr für den Konstrukteurstitel als für den Fahrertitel", klagte er. Seine Sichtweise begründete er damit, dass der Teamkollege Giancarlo Fisichella ihn in Schanghai überholt und im Kampf gegen Michael Schumacher allein gelassen habe. "Ich glaube nicht, dass Massa in einer umgekehrten Situation Schumacher überholt hätte", sagte Alonso.

"Hier aber sind zuerst Fisichella und dann Schumacher an mir vorbei und waren sofort zehn Sekunden weg. Das hat das Rennen entschieden." Wie zerrüttet muss die Beziehung zwischen dem Fahrer und dem Team sein, wenn Alonso so etwas in der entscheidenden Phase des WM-Kampfes öffentlich äußert? Und was sagt er damit über sich selbst aus? Die Welt des Fernando Alonso muss ziemlich einsam sein, eine Welt voller Feinde, die ihm nur Böses wollen. Alonso klang an diesem Sonntag nicht so, als hätte er das alles im Affekt gesagt. Er wusste, was er tat. Und so liegt eher die Vermutung nahe, dass er sein Recht aufs Siegen über die Medien einklagen wollte.

Ob dieses Alphatier-Gehabe nun wirklich gut gehen kann? Die nächsten Wochen werden es zeigen. Auf jeden Fall ist Alonsos Offensive gegen das eigene Team ein weiterer Beleg für eine Entwicklung, die der Spanier schon jüngst in einem Interview eingestanden hat: "Die Liebe zu Renault ist erloschen." Im nächsten Jahr fährt er für McLaren-Mercedes. Und für Alonso ist klar: "Es gibt viele hier im Team, die happy wären, wenn ich die Nummer eins nicht mitnehme."

Auch interessant

Kommentare