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Alonsos Problem: Blasen auf den Reifen

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- Hockenheim - Am Sonntag Abend in Hockenheim war die Familien-Harmonie bei Ferrari perfekt: Sieger Michael Schumacher lehnte sich im roten T-Shirt und beigen Shorts an das Fenster des Ferrari-Motorhomes, mit einer Flasche Bier in der Hand. Seine Frau Corinna spielte am Tisch nebenan Backgammon. Als die Fans draußen durch einen Spalt zwischen den Vorhängen ihren Helden entdeckten, riefen sie laut: "Schumi! Schumi!" Der siebenmalige Weltmeister winkte ihnen kurz zu und lächelte zufrieden.

Zwei Motorhomes weiter, bei den amtierenden Weltmeistern von Renault, war zu dieser Zeit keiner mehr zu finden. Um fünf Uhr hatte Fernando Alonso nur kurz mit der Presse gesprochen, bevor er den Ort des Unglücks verließ. "Ich bin mit dem fünften Platz zufrieden", hatte er gesagt, mit ernsten Gesicht und mehr zu sich selbst als zu den Journalisten. Und dann legte er noch nach, um die Nervosität weiter zu bekämpfen: "Ich habe in zwölf Rennen einen Vorsprung von elf Punkten geholt. Jetzt sind es nur noch sechs Rennen, und ich denke, dass Ferrari sich mehr Sorgen machen muss als ich, weil sie noch hinter uns liegen."

Hier fröhliches Genießen des Moments, dort die Flucht vor der Realität - das sind die Szenen, die in Hockenheim den möglichen Wendepunkt im WM-Kampf begleiteten. Denn die Überraschung von Hockenheim war weniger das Hoch von Ferrari, das nun schon im dritten Rennen in Folge zu beobachten war, sondern der Absturz von Renault. "Wir waren hier nicht mal das beste Michelin-Team", sagte Alonso. "Das müssen wir schnell ändern, um Ferrari noch zu schlagen." Denn seine elf Punkte Vorsprung sind ruckzuck verschwunden, wenn Ferrari weiter so viel Dampf macht.

Alonso konnte seinen Frust über den französischen Reifenhersteller nicht verbergen. "Ferrari hatte hier eindeutig den besseren Reifen", sagte er. "Das ist unser einziger wirklicher Nachteil, aber wie wir gesehen haben, macht das einen großen Unterschied aus. Nur wegen der Reifen waren wir hier nicht in der Lage, auf gleichem Niveau mit Ferrari zu kämpfen."

Die Reifen sind in der Tat der Grund dafür, dass das Pendel gerade in Schumachers Richtung schlägt. Nicht nur ist es Bridgestone gelungen, in drei Rennen in Folge den besseren Reifen herzustellen. Ferrari hat auch gelernt, sehr präzise bei der Reifenwahl zu arbeiten. "Wir haben schon seit einiger Zeit wichtige Schritte mit dem Auto gemacht, nicht nur in der Aerodynamik, sondern auch in der Aufhängung", sagte Ferraris Technikchef Ross Brawn. "Sie wurden aber nicht sofort sichtbar, sondern erst, als wir den Reifen richtig hinbekommen haben." Und Teamchef Jean Todt fügt hinzu: "Wir haben gelernt, alles besser zu analysieren."

Gleichzeitig hat Renault immer mehr Probleme mit dem eigenen Gummi. In Hockenheim bremsten Alonso Blasen auf der Lauffläche der Reifen. Dass diese Schwierigkeiten gerade jetzt auftreten, da Bridgestone stärker wird, spricht dafür, dass Alonsos Reifenlieferant Michelin immer weichere Gummimischungen produzieren muss, um im Reifenkrieg mit Bridgestone mitzuhalten. Offenbar kommt der Renault mit dem weichen Gummi aber nicht zurecht. Stattdessen ist der Silberpfeil, der sehr schonend mit den Reifen umgeht, im Moment stärker als Renault.

Das kann für Alonso zu einem richtigen Problem werden. Denn das nächste Rennen ist schon am kommenden Sonntag in Budapest. Und bis dahin wird es keine Änderungen an den Autos geben. Außerdem herrscht bis Ende August ein Testverbot in der Formel 1, das Renault die Chance nimmt, den Vorsprung von Ferrari wettzumachen.

Doch gerade jetzt hätte Alonso einen Entwicklungsschritt nötiger denn je. Denn ab sofort kann Schumacher auch aus eigener Kraft Weltmeister werden. "Es ist sowohl mathematisch als auch psychologisch eine wichtige Schwelle", sagte Ross Brawn. "Denn jetzt hat Alonso den Druck, uns mindestens einmal schlagen zu müssen."

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