Al-Sultans einziger Trainer ist der Spaß

- München - Faris Al-Sultan ist gerade aus dem Trainingslager in den Vereinigten Arabischen Emiraten zurückgekehrt. Auf dem fliegenden Teppich, denkt man beim Anblick des fein geknüpften Orientexemplars, das sich unter den Kraftgeräten im Keller des Moosacher Elternhauses ausbreitet. "Eine angenehme Distanz, nur ein paar Flugstunden", begründet der Sieger des Hawaii-Ironman 2005 seine Ortswahl. Außerdem: Das Klima in den Emiraten ist im Winter trocken und nicht zu heiß.

Oben, im Wohnzimmer, hängt ein großes Foto mit Sandwüste und Kamelherde. Die Wüste, in die Al-Sultan während der Trainingswochen Abstecher machte, war staubig und steinig. Hauptsächlich in einem Wadi, einem alten Flussbett in der Stadt Al-Ain, trainierte er 22 Tage lang Laufen. Die Zeit war streng eingeteilt: 7 Uhr 30 Trainingsbeginn, beispielsweise mit drei bis fünf Stunden auf dem Rad. Dann ein kurzer Lauf, um den schwierigen Wechsel vom Bike auf die Beine zu üben. Eine sensible Phase im Wettkampf, bei der es auf eingeschliffene neuromuskuläre Muster ankommt. Nach dem Mittagessen Schlafen und dann ab ins Schwimmbad. "22 Tage sind nicht viel", sagt Al-Sultan. Wenn er am 19. März im südafrikanischen Port Elizabeth zum ersten Ironman dieser Saison antritt, wird er merken, ob es auch mit weniger Training geht. Al-Sultan sieht das unverkrampft, auch weil die beiden größten Herausforderungen Roth und Hawaii noch weit weg sind. Wichtigste Regel: Auf den Körper hören. Das kann ihm kein Trainer abnehmen. Einen Trainer braucht der 28-jährige grundsätzlich nicht.

Man denkt: Einer, der das Leben nach der Triathlonkarriere betont, der entspannt und ohne Starpose Trainingsinterna preisgibt, der von motivierender Schönheit der Insel Hawaii spricht, der hat seinen eigenen Kopf. Der will sich von niemandem dreinreden lassen. Dabei ist Solotraining im Triathlon keine Seltenheit. Thomas Hellriegel und Lothar Leder trainieren so. Aber einen Motivator braucht man. Faris Al-Sultan trägt ihn in sich selbst. Sein Trainer heißt Spaß, Spaß am Sport: "Wenn ich morgens aufstehe und weiß, jetzt kommen sechs Stunden Radfahren, dann freu' ich mich."

Natürlich hat der Spitzentriathlet die Regeln der Kunst effizienten Trainierens verinnerlicht. "Ich hab' im Gymnasium Sport als Leistungskurs belegt. Ich spreche sehr viel mit anderen Athleten und lese Fachbücher." Al-Sultan weiß um die Basisfunktion langjähriger Grundlagenarbeit. Weiß um wachsende Glykogenspeicher und optimierten Stoffwechsel durch Superkompensation, um individuelle Steigerung der Belastungskomponenten. "Bei mir macht Grundlagentraining 70 Prozent aus." Er meidet die Gefahr des Übertrainings. "Viele Triathleten können einen Trainingsreiz richtig setzen, aber nicht richtig verarbeiten." Und ganz ohne direkten Einfluss von außen geht es auch bei ihm nicht: In seiner Radkurbel steckt ein Computer, der Wattleistung und Frequenzkurven aufzeichnet. Den schickt er an einen Münchner Spezialisten, einen Ingenieur, der aus Zahlen Methodisches ableitet.

Wer aber nachbohrt, um Erfolgsgründen des Ausnahmeathleten auf die Spur zu kommen, verheddert sich nicht in Trainingsfinessen, sondern landet beim Charakter, bei Stärken und Schwächen, bei den Genen: Da ist Al-Sultan, der gute Schwimmer. Oder Al-Sultan, der Hitze-Resistente. Bei seinem Sieg in Hawaii fiel er auf der Radstrecke zurück und holte beim Marathon auf. "Ich hatte ein Nahrungsproblem." Es wurde durch eine Stärke gelöst: "Ich kann Nahrung sehr schnell in Energie umsetzten." Ein weiterer Vorteil: Zwischenfälle und Handicaps stecke er gut weg, sagt der Ironman: "Das perfekte Rennen gibt es nicht. Ein Rennen ohne Schmerz kann kein großes Rennen sein." Schwächen? Die Beweglichkeit.

Doch es ist die Lust an der Bewegung, die bei diesem Spitzenathleten alles überstahlt: 27, 7, 3, 1 lauten die Ironman-Patzierungen seit 2001 - Faris Al-Sultan kann diese vehemente Leistungssteigerung nicht wirklich erklären. Er lacht nur kurz. Die Freude am Tun scheint sein wahres Geheimnis.

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