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Dirigent: Andrea Trinchieri trainiert nun die Basketballer des FC Bayern.

Basketball

Trinchieri krempelt die Bayern um

  • vonNico-Marius Schmitz
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Nach einer enttäuschenden Saison sehnen sich die Basketballer des FC Bayern wieder nach Erfolg. Helfen dabei soll der neue Startrainer Andrea Trinchieri.

München – Andrea Trinchieri ist ein Spektakel. Jeder, der den Italiener während eines Spiels erleben durfte, weiß es. Im feinen Zwirn tigert er am Spielfeldrand entlang und dirigiert die Spielzüge wie eine Sinfonie. Der gebürtige Mailänder steht nicht auf die leisen Töne, er braucht die Wucht der Emotion. Nicht nur in Bamberg lebte er diese Wucht Woche für Woche in der Brose Arena aus. Trinchieri, den man während dieser Zeit häufig im Hainpark bei einem Spaziergang sah, will nach seiner Zwischenstation in Belgrad nun seine zweite Erfolgsgeschichte in Deutschland schreiben.

„Wir werden keine Kompromisse eingehen“, sagte der neue Bayern-Coach bei seiner Vorstellung. Vier Abgänge, fünf Neuzugänge, ein verändertes Trainerteam und ein neuer Spielstil: Der FC Bayern Basketball wird umgekrempelt. „Die Verpflichtungen sind extrem beeindruckend, erst recht mit dem Hintergrund der aktuellen Marktsituation“, sagt Basketball-Experte Michael Körner, „die Bayern haben früh Fakten geschaffen.“ Bei den Transfers ist ein klares Scouting zu erkennen, die Bayern wissen, was sie erwartet: Viel Athletik, viel Erfahrung, viel Wucht unter dem Korb. „Wir haben unsere Wunschspieler bekommen“, sagt Geschäftsführer Marko Pesic im Gespräch mit unserer Zeitung.

Die Neuzugänge Wade Baldwin, Malcolm Thomas, Jalen Reynolds, JaJuan Johnson und Nick Weiler-Babb passen perfekt zum Trinchieri-Basketball. Der 51-Jährige bevorzugt ein schnelles und variables Spiel, in Bamberg ließ er seine Mannschaft oft mit drei Guards auflaufen. „Gerade in den ersten Saisons hat Trinchieri immer enormen Einfluss auf die Mannschaft. Er presst die Spieler förmlich aus, vermittelt ihnen auf direktem Wege sein Spielverständnis“, sagt Körner.

In der letzten Saison wurden die Münchner in der Euroleague oft von der Energie der Gegner überrollt, eine feste Struktur und Spielzüge waren selten zu erkennen. Mit Trinchieri soll das nicht mehr passieren. Doch der Einfluss des neuen Hauptübungsleiters ist nicht nur auf dem Parkett zu erkennen. Auch das Trainerteam hat er nach seinem Gusto verändert. „Mit einem neuen Trainer entscheidet man sich immer auch für eine Neuausrichtung und Veränderungen“, sagt Pesic. Am Mittwoch gaben die Bayern bekannt, dass die langjährigen Coaches Oliver Kostic und Emir Mutapcic den Verein verlassen, mit Landsmann Adriano Vertemati bekam Trinchieri seinen Wunschassistenten. Zudem rückt Demond Greene zu den Profis auf, der sich allen voran um die Verbindung zum Nachwuchs kümmern wird.

Nach der Ära von Svetislav Pesic hatten die Roten keinen Trainer mehr, der langfristig erfolgreich war und den Münchnern seinen Stempel aufgedrückt hat. „Trinchieri prägt einen Verein. In den letzten Jahren hat den Bayern ein Stück weit die Identität gefehlt, das kann sich nun ändern“, sagt Körner.

In Bamberg gewann Trinchieri in seinen ersten drei Jahren drei Mal den Titel in der BBL. Schon damals arbeitete er mit Sportdirektor Daniele Baiesi zusammen, zwischenzeitlich krachte es jedoch, es kam zum Zerwürfnis. „Man muss sich nicht 24 Stunden lang lieb haben, davon halte ich nichts. Reibung ist wertvoll, Reibung muss es geben. Ich streite mich auch schon mal mit Daniele. Weil es unterschiedliche Auffassungen geben kann und darf. Soweit ich das beurteilen kann, ist vom Disput zwischen Daniele und Andrea aus Bamberg nichts hängen geblieben. Sonst wären beide doch nicht hier“, sagt Pesic.

Trinchieri, der so gerne in Metaphern spricht, sagte: „Ich bin wie ein Schneider. Du gibst mir das Material – ich hoffe, es ist Seide oder Kaschmir –, und ich habe daraus einen perfekten Anzug zu machen.“ Ab nächster Woche treffen die Spieler in München ein. Dirigent Trinchieri lernt dann sein erlesenes Ensemble kennen. Es wird Zeit für eine neue Erfolgssinfonie.

VON NICO-MARIUS SCHMITZ

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