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Baur nach zwei Jahren endlich angekommen

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- Bremen - Selbst Heiner Brand konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen: Nachdem der filigrane Techniker Markus Baur den Ball mit Urgewalt im Torwinkel versenkt hatte, nahm der Handball-Bundestrainer seinen Kapitän auf der Bank höchstpersönlich in Empfang. Die Szene im Auftaktspiel des World Cups gegen Serbien (40:32) in Bremen hatte Symbolcharakter: Nach knapp zweijähriger Leidenszeit ist Spielmacher Baur wieder in der Nationalmannschaft angekommen.

"Es macht richtig Spaß. Und wir bringen unsere Freude auch zum Ausdruck", meinte der 35 Jahre alte Lemgoer und fügt mit Galgenhumor hinzu: "Ich hatte ja auch fast zwei Jahre Pause."

Drei Operationen am Sprunggelenk und ein 16-monatiger Reha-Marathon hatten Baur die Teilnahme an der EM in diesem Jahr in der Schweiz und der WM 2005 in Tunesien zunichte gemacht. Auch beim Gewinn des EM-Titels 2004 in Slowenien saß er nur verletzt hinter der Bank. Die Erinnerungen an die Phase mit bis zu acht Stunden täglichem Aufbautraining würde der Familienvater am liebsten aus seinem Gedächtnis streichen. "Man ist fast mehr unterwegs, als wenn man gesund ist. Und keiner glaubts", erzählt Baur, der ausgerechnet ein Sportstudium mit dem Schwerpunktthema Reha absolvierte.

Seit den Länderspielen gegen Weltmeister Spanien im Sommer ist der Kapitän wieder an Bord - und mittlerweile schon fast der alte umsichtige Regisseur. "Markus ist auf einem guten Weg. Für sein Spiel ist die Schnelligkeit wichtig. Die hat er wieder", bescheinigte Brand seinem verlängerten Arm, während Klubkollege Florian Kehrmann Kumpel Baur lobt: "Er spielt alle taktischen Dinge wie im Schlaf."

Comeback von Kretzschmar vorerst kein Thema

Auf die seit Jahren vertrauten Gesichter muss Siebenmeterspezialist Baur, der in der laufenden Bundesliga bislang 92,6 Prozent der Strafwürfe verwandelte, mittlerweile aber verzichten. Der zweimalige Handballer des Jahres ist nicht nur der mit Abstand älteste Spieler, sondern auch der letzte verbliebene Feldspieler des einst so hochgelobten "goldenen" Rückraums mit seinen Lemgoer Spezis Volker Zerbe und Daniel Stephan. Einen Sonderstatus in der Nationalmannschaft beansprucht "Schorsch" aber nicht. Baur: "Ich bin nur einer von 25 Spielern", dem das Anspielen genauso viel Spaß mache wie der eigene Torabschluss.

Seine ganz persönliche Leidenszeit hilft Baur in diesen Tagen auch, die fast schon obligatorische Verletztenmisere in der Nationalmannschaft lockerer zu sehen. "Natürlich denkt man nach jeder weiteren Absage, dass das einfach nicht sein kann. Aber wir weinen uns deshalb nicht jeden Tag die Ohren voll", erklärt er und sieht den World Cup als Chance für die zweite Reihe.

Der letzte Mohikaner Baur selbst fiebert der Heim-WM entgegen: "Das ist schon ein ganz großes Thema." Ob die Olympischen Spiele 2008 in Peking noch ein Thema für den symphatischen Meersburger sind, vermag er noch nicht zu sagen. "Nach meinen Verletzungen plane ich nicht mehr langfristig. Aber die WM ist ja ein kurzfristiger Termin", sagt der 193-malige Nationalspieler mit einem breitem Grinsen im Gesicht.

Trotz der Personalmisere denkt Brand vorerst übrigens nicht an ein Comeback der ehemaligen Nationalspieler Stefan Kretzschmar und Christian Schwarzer bei der WM: "Im Moment ist das kein Thema."

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