Zur Belohnung ein Treffen mit Federer

- Melbourne - Vier Jahre sind mit Mitte Zwanzig eine lange Zeit, und vielleicht liegt es daran, dass Roger Federer sagt, er erinnere sich kaum noch an das Spiel gegen Tommy Haas bei den Australian Open 2002. Federer galt damals, gut sechs Monate nach seinem Aufsehen erregenden Sieg gegen Pete Sampras in Wimbledon, längst als der potenzielle Kandidat für dessen Nachfolge, Haas gehörte zu den Top Ten und schien auf einem guten Weg zu sein. Haas gewann im Achtelfinale in fünf Sätzen nach Abwehr eines Matchballes, und dieser vergebene Matchball ist das einzige, woran sich der Schweizer noch erinnert.

Kein Wunder. Der Ball sprang von der Netzkante zurück ins Feld, zum Sieg fehlte kaum mehr als ein Zentimeter. Haas gewann danach auch das nächste Spiel und zog ins Halbfinale ein, wie drei Jahre zuvor schon mal an gleicher Stelle.

Damals waren sich die beiden in gewisser Weise auf einer Ebene begegnet, vor der heutigen Begegnung im Achtelfinale (ca. 11 Uhr, live in Eurosport) sieht das ein wenig anders aus. Federer ist der Mann, der das Männertennis seit zweieinhalb Jahren mit atemberaubender Eleganz und Souveränität dominiert, Haas ist nach einem Marsch über kleine Anhöhen, aber durch viele tiefe Täler offensichtlich wieder auf dem Weg nach oben, wie die Spiele der ersten Woche in Melbourne gezeigt haben.

Er hat dreimal stark gespielt und klar gewonnen und zudem den Eindruck hinterlassen, dass er unter der Führung seines neues Trainers Thomas Hogstedt eher in der Lage ist, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Es gibt nicht wenige in Melbourne, die ihm zutrauen, Federer Sorgen zu machen. Ein größeres Kompliment kann es im Moment kaum geben.

Wie es ist, wenn Federer Ernst macht, das sah man bei dessen Sieg am Samstag gegen Max Mirnyi. Der gute Max, einer der wenigen Aufschlag-Volley-Spieler des modernen Tennis, machte im Prinzip alles richtig, und hatte dennoch nicht den Hauch einer Chance. Möglich, dass es Haas nicht anders ergehen wird, aber es hörte sich nicht so an, als glaube Federer daran. "Das wird ein sehr schweres Spiel gegen Tommy", sagte er, "ich hatte in der Vergangenheit schon Schwierigkeiten mit ihm."

Zumal am anderen Ende der Welt. Dreimal hat er in Australien gegen Haas gespielt - im Halbfinale der Olympischen Spiele in Sydney, drei Jahre später bei den Australian Open und vor zwei Wochen beim Einladungsturnier in Kooyong - und alle drei Spiele verloren. Wobei beide glaubhaft versichern, die Partie in Kooyong sei ja kaum mehr als ein Trainingsspiel gewesen. Die letzte ernsthafte Begegnung mit Federer hat Haas zu Beginn des Monats in Doha in zwei Sätzen verloren. "Da war ich am Anfang gar nicht schlecht", sagt er, "aber dann ist er einfach davon gezogen."

So oder so sieht er in der dritten Begegnung mit Federer innerhalb dreier Wochen eine Belohnung für seine Arbeit mit dem neuen Coach. "Für solche Spiele trainiert man." Es war einer jener Sätze, die bei ihm oft wie Floskeln klingen, aber diesmal überraschte er auch mit einer Aussage: "Nur Talent reicht halt nicht in diesem Sport." Genau das hat man ihm oft genug vorhalten müssen in der Vergangenheit.

Aber Tommy Haas war ja nicht der einzige Repräsentant des deutschen Tennis zu Beginn der zweiten Woche in Melbourne. Nach einem starken Auftritt am Wochenende beim Sieg gegen den Spanier Juan Carlos Ferrero spielte Nicolas Kiefer in der vergangenen Nacht gegen Juan Ignacio Chela aus Argentinien. Dem Fuß gehe es besser, berichtete er, er dürfe nur nicht so viel daran denken. Wenn das immer so einfach wäre.

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