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Der Beruf nimmt Kunze in die Pflicht

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- Wenn in den Sommermonaten die Eisflächen abgetaut sind, dann ist für die Shorttracker die Zeit gekommen, in der es die Dinge neu zu ordnen gilt. Yvonne Kunze etwa hat in diesem Sommer ganz besonders viel über sich und ihre Karriere nachgedacht. Und Deutschlands derzeit beste Athletin der Kurzbahnvariante des Eisschnelllaufs hat gemerkt, dass es an der Zeit war, Veränderungen vorzunehmen. Und so hat Kunze auch formell besiegelt, was in den beiden vergangenen Jahren in der Praxis ohnehin längst vollzogen war.

Die Frau, die einst an den Olympiastützpunkt München übersiedelt war, "um mit Blick auf die Olympischen Spiele in Turin noch einmal neue Reize zu setzen", wird ab sofort nicht mehr für ihren Stammverein Dresden, sondern im Trikot von SLIC München aufs Eis gehen. Was für sie "ein logischer Schritt" ist, aber eben auch ein "Dankeschön für die Unterstützung, die ich hier bekommen habe". Womit der Verein in der eben angelaufenen Saison neben Eigengewächs Thomas Bauer mit der Olympia-Siebten noch ein zweites prominentes Zugpferd ins Feld führen kann.

Ein Pfund, mit dem die Münchner Führungsriege um Deutschlands neuen Shorttrack-Chef Miroslaw Kulik beim bewährten Kampf um Eiszeiten, Geld und Anerkennung gewiss bestens wuchern kann. Wie weit Kunze ihrem neuen Klub auch die erhofften Erfolge bescheren kann, das bleibt abzuwarten. Denn die Frau, die in den vergangenen Jahren mit so viel Akribie an ihrem Vorstoß in die Weltspitze feilte und dabei sogar zur ernsthaften Rivalin der überlegenen Konkurrenz aus Übersee aufstieg, wird nicht mehr mit der Intensität von einst zu Werke gehen. Im Gegenteil, nach zehn profiähnlichen Jahren im Schoß der Sportförderung der Bundespolizei soll nun der Beruf in den Mittelpunkt rücken.

So kehrte die 28-Jährige in ihrem Sommer der Veränderungen auf eigenen Wunsch auch der elitären Sportschule von Bad Endorf den Rücken, "weil ich nach so vielen Jahren das Gefühl hatte, dass es auch abseits des Sports einmal weitergehen muss". So steht die frühere Eiskunstläuferin, die erst mit 14 Jahren zum Shorttrack übersiedelte, seit einigen Wochen in Diensten der Abteilung für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Münchner Polizeipräsidium Süd. Was vorläufig befristet ist. "Ich bin nur dorthin abgeordnet." Das würde Yvonne Kunze gerne zur dauerhaften Einrichtung machen. Auch wenn der Job wohl das Ende ihrer ganz großen sportlichen Ambitionen bedeuten dürfte.

Im Gegensatz zum Gros ihrer Nationalkader-Kolleginnen kann die selbsterklärte Perfektionistin nur noch einmal täglich, nach Dienstschluss, trainieren. Auch für die EM-Dritte von 2005 ganz sicher zu wenig, um weiter ernsthaft auf Podiumsplätze bei Weltturnieren spekulieren zu können. Ob es reichen wird, um auf kontinentaler oder zumindest nationaler Ebene Spitze zu bleiben, das bleibt abzuwarten.

"Ein, zwei Jahre", glaubt sie den Trainingsrückstand mit ihrer langen Wettkampferfahrung ausgleichen zu können. Wenn das nicht klappen sollte, wenn der Sport für sie zur Qual werden sollte, dann "werde ich so ehrlich sein und sagen: Es ist vorbei." Auch darüber hat Yvonne Kunze lange nachgedacht in den Monaten, in denen die Eisflächen abgetaut waren.

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