Beziehung zu Wolke nur schöner Schein

DDR-Duo: - Frankfurt/Oder - Henry Maske, 43, gab ganz den gelehrigen Schüler. Ab 13 Uhr Training, hatte Manfred Wolke angeordnet, und um 12.55 Uhr stand Maske da in kurzen Hosen und T-Shirt, schwitz- und quälbereit. Vom Trainer, von Wolke aber noch keine Spur. "Der Sportler muss immer früher da sein", erklärte Maske, "ist Gesetz." Und er beugt sich, auch als Fast-Mittvierziger.

Maske, der DDR-Olympiasieger von Seoul 1988, und Wolke, der DDR-Olympiasieger von 1968 - es war ein Traumgespann des ost- und dann auch des gesamtdeutschen Sports. Henry Maske hat man zum "Sportler des Jahres" gewählt und Wolke zum "Trainer des Jahres".

Es machte die Comeback-Bestrebungen rund, dass Maske kurz vor Weihnachten 2006 den Weg zu seinem alten Trainer fand. Maske und Teddy Atlas, bei dem er in den USA trainiert hatte - das passte nicht. "Manfred Wolke", erläuterte Henry Maske seinen Wechsel zurück nach Frankfurt an der Oder, "der weiß genau, was ich brauche, der kennt mich." Manfred Wolke steht stolz in seinem neuen Gym, das er erst ein paar Wochen zuvor eröffnet hat, und preist seinen Schützling: "Nach zehn Jahren zurückzukehren und gleich den Weltmeister zu fordern - das macht nur Henry." Es klingt, als hätten sich zwei wieder gefunden und seien glücklich miteinander.

Es ist ein schöner Schein. Zusammengeführt hat sie lediglich die alte Gewohnheit und das Aufeinander-angewiesen-sein. Maske war bei US-Trainer Atlas nicht vorangekommen, Wolke in der Box-Trainer-Hierarchie abgestürzt. Im Fernsehen sah man immer nur Ulli Wegner, der Artur Abraham, den Mann mit dem zerschundenen Kiefer, zum Durchhalten trieb, und Fritz Sdunek, der eine Vielzahl von Boxern betreut und oft an einem Abend mehrer Titelkämpfe hat. Wolke war Vergangenheit - auch Axel Schulz, sein langjähriger Schüler, hatte sich beim Comeback anders orientiert.

Wolke ist nett, höflich, schlagfertig, er macht Witze, er ist wieder im Kommen. Doch Henry Maske empfindet nicht mehr viel für seinen Trainer, wie man seiner kurz vor dem Comeback-Kampf am Samstag erschienenen Autobiografie ("Nur wer aufgibt, hat verloren") entnehmen kann: Sie ist auch eine Abrechnung mit Wolke, dem Mann, dem er sich nun wieder anvertraut hat.

Wolke: In der DDR war er "eine lebende Legende". Nicht Maskes erster Trainer. Der junge Boxer hatte bereits Gold bei der Spartakiade gewonnen und so die Aufnahme an der Kinder- und Jugendsportschule Frankfurt/Oder erwirkt, als Wolke auf ihm aufmerksam wurde. Die Beziehung verlief wechselhaft.

Manfred Wolke hatte keinen leichten Stand in der DDR. Man wusste um seine Alkoholprobleme. Längst hat er sie überwunden, doch in den 80er-Jahren durfte er sich keine Fehler leisten. Henry Maske war überrascht, als man ihm von einem Tag auf den anderen offenbarte: Wolke war nicht mehr sein Trainer. Man hatte ihn degradiert vom Oberstleutnant zum Major, ihn in den Nachwuchsbereich versetzt, obwohl sein Mann Maske 1985 die Weltrangliste bei den Amateuren anführte.

Maske hatte im Jahr davor seinen ersten schweren Konflikt mit Wolke ausgetragen. Er hatte sich von ihm nach einer Niederlage beim Turnier der Freundschaft in Havanna Rückendeckung erwartet - stattdessen klagte Wolke Maske nach Rückkehr in die DDR vor den Funktionären an. "Er fiel mir in den Rücken", so Maske. Sein weiterer Aufstieg von 1985 bis 87 vollzog sich unter dem gutmütigen und berechenbaren Dietrich Bleck, Maske siegte und siegte - doch er spürte, dass das harte Training von Manfred Wolke ihm fehlte. Er setzte durch, dass dieser rechtzeitig vor Olympia 1988 wieder sein Trainer wurde. Man gewann Gold. Man war wieder ein Team. Auch den Übertritt ins Profilager leitete Wolke.

Maske war bereits Profiweltmeister, als die Gemeinschaft erneut Risse bekam. Maske monierte, dass Wolke sich zu sehr um Schwergewichtler Axel Schulz kümmerte, dessen WM-Kampf 1995 gegen George Foreman war vorrangig, die Vorbereitung Maskes auf den ersten Fight mit Graciano Rocchigiani, den er fragwürdig gewann, litt. Wolke habe desinteressiert gewirkt, monierte er. Vielleicht hatte der Trainer mitgekriegt, dass Maske bei Promoter Wilfried Sauerland vorstellig geworden war: Es ging um einen möglichen Trainerwechsel.

Doch Wolke blieb - obwohl ihm Maske (bis heute gültig) Eifersucht unterstellte: "Der Sportler war öffentlich gefragt - der Trainer eben nicht so." Als Maske als "Sportler des Jahres" geehrt wurde (1993), kam sein Trainer nicht mal zur Zeremonie. Der Bruch erfolgte bei Maskes WM-Niederlage gegen Virgil Hill 1996. Wolke habe ihn in der Ringecke in den Pausen niedergemacht statt aufgebaut: "Du bist ein Verlierer."

Und nun haben sie beide was gutzumachen bei Hill-Kampf Nummer zwei: Maske und Wolke.

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