1. Startseite
  2. Sport
  3. Mehr Sport

„Ich war blau ohne Ende“: Doch Zeidler bleibt bei seiner Kritik

Erstellt:

Von: Günter Klein

Kommentare

Heim-Debakel: Oliver Zeidler brach ein. dpa/Angelika Warmuth
Heim-Debakel: Oliver Zeidler brach ein. dpa/Angelika Warmuth © Angelika Warmuth

In den klassischen Ruderklassen läuft es für die Deutschen nicht wirklich erfolgreich. Besonders bitter war es bei Oliver Zeidler.

Oberschleißheim – Deutschland hat schon auch ein paar EM-Medaillen geholt. Aber halt in den Ruderklassen, die nur so mitlaufen und nicht olympisch sind wie der Mixed-Vierer. Doch in den „richtigen Klassen“ gab es nur einmal Bronze – durch Alexandra Föster im Frauen-Einer. Die 20-Jährige begriff erst nach Überfahren der sprudelnden Ziellinie, dass sie Dritte geworden war.

Sie trumpfte auf den letzten 250 Metern der 2000-Meter-Strecke auf – der Abschnitt, auf dem nach ihr Oliver Zeidler sein Rennen verlor.

Gerade hatte er die Führung übernommen, doch dann: Der bis dahin ideale Wettkampf endete im Desaster. „Der Wind hat zu viel Kraft gefressen, ich war blau ohne Ende.“ Die Arme konnten nicht mehr, Zeidler fuhr eine 32er-Schlagzahl, um ihn herum flogen die Konkurrenten mit 40er-Werten vorbei.

Der Achter, Flaggschiff genannt, war am Tag zuvor auch nur Vierter geworden. Doch er steckt im nacholympischen Jahr, ist umbesetzt, jung, unerfahren. Zeidler hingegen ist das Gesicht des deutschen Ruderns. Der Ex-Schwimmer, der spät den Sport seines Großvaters Hans-Johann Färber (Olympiagold 1972 im Vierer) entdeckte und als Umsteiger Weltklasse wurde, liefert nicht nur gut vermarktbare Familiengeschichten, sondern auch kernige sportpolitische Zitate. Nur: An seiner Lautstärke muss er sich messen lassen.

Mario Woldt, der Sportdirektor, und Brigitte Bielig, die Bundestrainerin, sind die Zielpersonen von Zeidlers Kritik. „Ich habe die Wahrheit gesagt“, ließ er auch nach seinem vierten Platz erkennen, dass seine Worte ihn nicht reuen. Er vertiefte seine Ansage noch: „Die beiden Leitungspersonen“ hätten „keine Ahnung, was bei unseren Stützpunkten abgeht“. Kommunikation finde derzeit nicht statt. Wie weit die Parteien auseinanderliegen, zeigte sich bei der EM. Zeidler sagte: „Mir geht’s gerade körperlich nicht gut, mir ist schwindlig, ich habe Kopfweh.“ Bundestrainerin Bielig glaubte erkannt zu haben: „Körperlich ist Olli topfit. Ich denke, es war eine Kopfsache.“ Mangel an Erfahrung, mit dem vor einem Jahr Zeidlers Olympia-Scheitern in im Halbfinale erklärt woren war, schloss sie aus: „Inzwischen hat er genügend internationale Rennen.“ Ein Gespräch über die vom Einer-Star vorgebrachten Kritikpunkte würde demnächst stattfinden, kündigt sie an.

Alexandra Föster fühlt sich mit ihren 20 Jahren zu jung „und nicht tief genug drin, um Strukturen zu kritisieren, aber dass was schiefläuft, ist offensichtlich“. Als wesentlich für den Einbruch des deutschen Ruderns auf breiter Front vermutet sie den üblichen Generationenwechsel zu Beginn eine olympischen Zyklus: „Es sind nun viele Junge da – geschuldet dem, dass die Älteren aufgehört haben.“ Brigitte Bielig sagt, man habe den Ruderern „gestattet, dass sie in diesem Jahr ihre Studien nachholen“. Doch diese Regelung läuft 2023 aus, eigentlich gilt „ab Oktober 2022, dass die Studienverpflichtungen hintanstehen müssen“. Die Losung: „Trainieren, trainieren, trainieren.“

Schon in einem Monat ist die Weltmeisterschaft in Luzern, der wahre Saisonhöhepunkt. Oliver Zeidler weiß, woran er arbeiten muss: „Dass ich auch die letzten 200 Meter durchstehe.“ Nur wer besser ist als die anderen, darf mahnen. GÜNTER KLEIN

Auch interessant

Kommentare