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Traumkulisse – nicht nur für die deutschen Bobfahrer: Die Bahn am Königssee ist eine, die vielen Piloten liegt. Der Heimvorteil ist deshalb eher gering.

Bob-WM am Königssee: Daheim ist es am schönsten

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Die Bob-WM 2017 findet nach der Absage in Sotschi im Berchtesgadener Land statt. Die deutschen Piloten - und insbesondere Johannes Lochner - sind Favoriten, haben aber viel Druck, mit dem sie erst mal umgehen müssen.

München – Ein paar Euro kann Johannes Lochner dem deutschen Verband sparen. Denn wenn vom 13. bis 26. Februar die Bob- und Skeleton-Weltmeisterschaften am Königssee stattfinden, ist für den Berchtesgadener klar: „Ich schlafe daheim. Da ist es am schönsten.“ Im Elternhaus, im eigenen Bett und gemeinsam mit seiner Familie kann sich der Vize-Weltmeister aus dem Vorjahr ganz gemütlich darauf vorbereiten, dass er bei der plötzlich anstehenden Heim-WM als Favorit ins Rennen geht.

Schon in der vergangenen Woche war es zu hören, seit gestern Vormittag ist es nun offiziell: Die Bahn im Berchtesgadener Land springt nach dem Entzug der WM in Sotschi ein und wird zum fünften Mal nach 1979, 1986, 2004 und 2011 Gastgeber des Großereignisses sein. Angesichts der Alternativen – Park City und St. Moritz – ist das die Variante, mit der vor allem der deutsche Stab am besten leben kann. „Wir verfügen über ein erfahrenes, professionelles Organisationsteam“, sagt Generalsekretär Thomas Schwab, der sich nach Rücksprache im Verband für den Standort am Königssee ausgesprochen hatte. Altenberg kam nicht infrage, weil dort bereits die WM 2019 stattfindet; Winterberg hätte die zweiten Titelkämpfe nach 2015 nicht in aller Schnelle organisieren können.

Den Verantwortlichen am Königssee muss das nun gelingen. Eine schwarze Null wäre – trotz der finanziellen Unterstützung durch das Bundesinnenministerium und das Land Bayern – ein Erfolg. Rund eine halbe Million Euro sind schätzungsweise für die Durchführung der zweiwöchigen WM mit den Entscheidungen im Vierer- und Zweierbob sowie im Skeleton einzukalkulieren. Bahn-Betriebsleiter Markus Aschauer hatte aber kurz nach der Sotschi-Entscheidung vergangene Woche grünes Licht gegeben. Irgendeiner musste es ja machen, nachdem die WM in Russland aufgrund sich häufender Boykottdrohungen im Zuge des Doping-Skandals nicht stattfinden konnte. Im Sinne des Sports springt man gerne ein.

Im deutschen Lager herrschte „Aufatmen“, sagte Bundestrainer Rene Spies gestern. Damit, dass die Revanche für die medaillenlosen Olympischen Spiele 2014 in Sotschi ausfällt, hat sich der Trainerstab inzwischen abgefunden. „Und es ist gut“, sagte Spies, „dass wir eine weitere Reise über den großen Teich nach Park City umgehen konnten“. Zwei Wochen nach dem Weltcup am Königssee steht nun dort dieser „sehr, sehr wichtige Wettkampf“ an. Einen Heimvorteil hat man natürlich, aber Spies stellt auch den „großen Druck“ heraus, der auf seinen Piloten Lochner, Weltmeister Francesco Friedrich, Nico Walther sowie dem Damen-Team lastet.

Ein Blick auf die Ergebnisse im letzten Jahr zeigt, was Spies betonte: „Es gibt viele Mitfavoriten.“ Der Südkoreaner Won Yun-jong etwa fuhr Anfang 2016 allen davon, dazu gibt es neben den deutschen Bobs „fünf, sechs andere“, die um den Titel fahren können. Auch die russischen Athleten wollen starten, obwohl Ministerpräsident Dmitri Medwedew die Wegnahme der WM als „Kinderei“ bezeichnete.

Eine kleine Revanche sind die Titelkämpfe auf der heimischen Bahn für Spies daher schon: „Denn die Konkurrenz hat uns hier schon oft in die Suppe gespuckt.“ Für den Chefcoach ist die WM „genau der richtige Härtetest“ im vorolympischen Winter. Auch Lochner sagt: „Es wird nicht einfach.“ Der 26-Jährigen kommt auf der Bahn, auf der er zum Weltklasse-Fahrer wurde, zwar gut zurecht, weiß aber, dass „ein Fehler reicht – und du bist weg“.

Acht perfekte Fahrten müssten ihm gelingen, deshalb schiebt er die Favoritenrolle lieber Vierer-Weltmeister Friedrich zu („er ist der heißeste Kandidat“). Den allerdings hat er im Europacup zuletzt auf eben jener Bahn in beiden Schlitten geschlagen.

Über die Feiertage wird Lochner nun schon mal die Bedingungen vor Ort testen. Familien-Weihnachten steht an. Im Elternhaus, im eigenen Bett – so wie dann zur WM.

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