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Das Boot Malizia hat einen Wert von 5,5 Millionen Euro.

Extremsport

Allein im Segelboot um die Welt

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2019 segelte Boris Herrmann mit Greta Thunberg über den Atlantik. Dieses Jahr nimmt er an der härtesten Regatta der Welt teil - nonstop um den Globus.

München – Es ist ein lang gehegter Traum von Boris Herrmann, der 2020 endlich in Erfüllung geht. Der gebürtige Oldenburger nimmt an der Vendée Globe teil – der härtesten Einhandregatta der Welt. Bei dem Wettbewerb starten die Teilnehmer in der französischen Hafenstadt Les Sables-d´Olonne, die im Département Vendée am Atlantik liegt. Die Sportler müssen entlang des Südpolarmeers einmal um den Globus segeln. Das Ziel ist dann wieder Les Sables d´Olonne.

Herrmann ist auf dem Wasser aufgewachsen. Im Alter von sechs Wochen war er das erste Mal auf der Nordsee, auf dem Jollenkreuzer seiner Eltern. Mit 16 Jahren liest er Bücher über die Vendée Globe und sieht einen Film über die in der Segelszene mythosbeladene Regatta. Er ist fasziniert und träumt davon eines Tages in die Fußstapfen von Alex Thomson oder Jean le Cam zu treten, die den Wettbewerb beide erfolgreich absolvierten. Das außerordentliche Talent von Herrmann wird schnell sichtbar. Im Jahr 2000 folgt mit dem 11. Platz als jüngster Teilnehmer bei der Mini-Transat das erste Ausrufezeichen. In der 505er Klasse – eine internationale Zweimannjolle mit der Länge von 5,05 Metern – krönt er sich 2007 zum Deutschen Meister. 2008 gewinnt Herrmann zusammen mit dem Co-Skipper nicht nur das Portimão Global Ocean Race – eine Regatta, die in fünf Etappen um die Welt führt – sondern wird auch Profisegler. Es ist zudem das Jahr, in dem der konkrete Plan entsteht, bei der Vendée Globe teilzunehmen.

Nun, 12 Jahre später, steht er auf der offiziellen Liste der Skipper, die ab November am „Mount Everest der Meere“teilnehmen: „Es war ein langer und sehr aufwendiger Prozess. Neben der sportlichen Qualifikationen, war die Akquise von Sponsoren besonders anstrengend.“ Bislang wurden „ein paar Millionen“ in das Projekt investiert. Finanziell gesehen war der Einstieg in das Team Malizia, 2016 von Pierre Casiraghi gegründet, ein wichtiger Meilenstein. Casiraghi ist der Vize-Präsident des Yacht-Clubs von Monaco und zudem der jüngste Sohn von Prinzessin Caroline. Alleine das Boot „Malizia“ – übersetzt Schlitzohr – hat rund 5,5 Millionen Euro gekostet. Auf der 18 Meter langen Yacht wird Herrmann dann ab November für mehrere Monate leben. Der Rekord für die Regatta liegt bislang bei 74 Tagen, aufgestellt von Armel Le Cléac’h im Jahr 2017.

Herrmann hat schon einige Segel-Expeditionen erlebt. 2019 gehörte er als Co-Skipper der Crew an, die Greta Thunberg von Plymouth nach New York City brachten. Herrmann sagte anschließend, dass er „ein absoluter Fan“ von Thunberg sei.

Dennoch wird die Vendée Globe sein größtes Abenteuer. 24 000 Seemeilen müssen nonstop absolviert werden – solo und ohne fremde Hilfe von außen. Die Route muss anhand der Wetterdaten selbst berechnet werden. „Wenn man wochenlang nur Wasser um sich herum hat, braucht man starke Nerven“, sagt der heute 38-Jährige. Im Vorfeld arbeitet er mit Mentaltrainern zusammen. Auf hoher See wird es wichtig sein, dass er sein Gehirn „ab und zu abschalten kann.“ So wird er täglich ein Selfie-Video aufnehmen und es an seine Freunde an Land schicken. Zumindest ein wenig Routine auf einer Expedition, die abwechslungsreicher nicht sein könnte. Der Kontrast zwischen den Tropen und den antarktischen Gewässern begeistert Herrmann. „Ich freue mich auf die Wildnis auf dem Meer. Ich komme in Bereiche, in denen man weit und breit keine anderen Schiffe sieht. Ich werde alleine sein, bis auf die Albatrosse, die neben meinem Boot herschweben.“

Insgesamt starten 34 Yachten, der Wahl-Hamburger möchte es unter die besten fünf schaffen. Als Jugendlicher sah Herrmann begeistert Filme und las Bücher über den Mythos Vendée Globe. Ab November ist er selbst ein Teil davon.

VON NICO-MARIUS SCHMITZ

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