Das Brennen im Schneetreiben

- München - Der Satz fiel Mitte Dezember, als der FC Bayern sich aufmachte, den Bundesliga-Rückstand zu reduzieren, und fürs Achtelfinale der Champions League Real Madrid zugelost bekam. Manager Uli Hoeneß bejubelte mit adventlicher Bömmelmütze das 1:0 über den VfB Stuttgart und ohne Kopfbedeckung das 6:0 in Freiburg, zwischen beiden Ereignissen lag noch die stimmungsvolle interne Weihnachtsfeier - in jenen Tagen begann also die Karriere des Hoeneß-Ausspruchs: "Wir werden in Dubai das härteste Trainingslager aller Zeiten machen."

<P>Der Satz hat die Feiertage, Silvester und Neujahr überdauert, und er ist als großes Motto über dem Trainingswiederauftakt (bis Donnerstag arbeitet man an der Säbener Straße, am Freitag erfolgt der Flug in die Vereinigten Arabischen Emirate) gestanden. Superlative Ankündigungen vernimmt das Volk immer gerne - und man hat sich ausgemalt, wie der Drill in Dubai aussehen könnte.</P><P>Aber wie man das oft erlebt im Fußball und auch beim FC Bayern: Das gesprochene Wort ist größer als die Wirklichkeit, das Wintercamp in Arabien wird nicht anders sein als die Aufenthalte der letzten fünf Jahre in Südspanien. "Ich trainiere immer so, dass wir erfolgreich sind", sagt Ottmar Hitzfeld und zeigt klar an, dass er sich da nicht dreinreden lassen will: "Die Vorbereitung ist meine Spezialität, ich kann eine Mannschaft an die Grenze bringen, ohne sie kaputt zu trainieren." Entgegen der ursprünglichen Hoeneß-Planung wird Dubai auch kein reines Trainings-Trainingslager sein. Es gibt nun doch ein Testspiel - am 16. Januar gegen den Ex-Bundesligisten Energie Cottbus, der das gleiche Winterdomizil gewählt hat.</P><P>Keine Frage: Real Madrid am 24. Februar ist der große Antrieb für die Bayern. Auch im Schneetreiben dieser Woche spürt Hitzfeld, "dass alle Spieler darauf brennen, dabei zu sein". Drei haben sogar ihren Urlaub verkürzt, für Jens Jeremies, Hasan Salihamidzic und Roque Santa Cruz hat man zwischen den Jahren die Rasenheizung aufgedreht und den Kraftraum entriegelt. Ohne Fleiß kein Preis, doch mit ihm auch noch keine Garantien. "Die Voraussetzungen", sagt der Trainer, "werden in der Bundesliga geschaffen, da entscheidet sich, wer gegen Real aufgestellt wird."</P><P>Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender der FC-Bayern-AG, hat von lediglich einer "10-Prozent-Chance" gegen Madrid gesprochen. Hitzfeld meint dazu, diese verhaltene Einschätzung sei ihm lieber, "als wenn Rummenigge sagt, wir sind 90-Prozent-Favorit." Der Trainer sieht die Chance der Seinen in der Stärke als Kollektiv. Beim Ski-Urlaub in St. Anton hat er nach der Pisten-Gaudi einige Bayern-Spiele auf Video angeschaut - daraus Schlüsse gezogen und Vorsätze gefasst: "Wir wollen spielerisch stärker werden und unseren Zuschauern in Zukunft Nerven ersparen." Daran wird ab sofort gearbeitet _ mit ganz normaler Härte.<BR>Durchstarten ins neue Jahr: Vermummte Gestalten, bei denen es sich um die Spieler des FC Bayern handeln könnte.Foto: Baader<BR></P>

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