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"China war sicher kein Höhepunkt"

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- München - Letzte Ausfahrt Shanghai. Vor vier Jahren stand der Ex-Bayern-Stürmer Carsten Jancker noch mit der Nationalmannschaft im WM-Finale von Yokohama, seither hat er einen rasanten Abstieg hinter sich: Nach eher erfolglosen Aufenthalten in Udine und Kaiserslautern flüchtete der 32-Jährige Torjäger a. D. im Sommer nach China, um seine letzte Chance zu suchen. Janckers Bilanz bei Shanghai Shenhua: Ein Tor. Am Sonntag endet die Saison.

Carsten Jancker, Sie sind ja schwerer zu erreichen als der Kaiser von China. Wie geht's in der Fremde?

Jancker: Es ist okay hier. Es war eine Erfahrung, aber jetzt bin ich wirklich froh, in fünf Tagen nach Hause zu fahren.

Wie kommen Sie mit den chinesischen Schriftzeichen zurecht?

Jancker: Ich muss ja nicht so viel lesen, und auf den Lebensmitteln sind ja auch Bilder drauf. Mit dem Leben hier komme ich klar. Es gibt auch Geschäfte, wo man sich europäisch verpflegen kann. Man muss nicht chinesisch essen. Hier gibt's auch drei Paulaner-Pubs. Die Weißwürste sind nicht so gut wie in München, aber man trinkt halt eine Maß Weißbier dazu, dann geht's schon.

Der Chinese haut ja gerne mal einen Hund in die Pfanne. Schon probiert?

Jancker: Das würde ich nicht anfassen. Hund gehört nicht zu meinen Lieblingsspeisen, außerdem isst man das mehr in Nordchina.

Sie spielen seit Ende Juli in China, sind Frau und Kinder auch dabei?

Jancker: Die waren in den Ferien lange hier. Wir haben den Zoo besucht, das war heftig. Da fährt man mit einem Bus durchs Löwengehege, und an die Fenster werden lebende Hühner gehängt, die dann die Löwen herunterreißen. Für Tierschützer wäre das nix.

Am Sonntag ist das Saisonfinale in der China Super League. Luneng Taishan steht als Meister fest. Aber der Vizetitel ist drin.

Jancker: Wir müssen gewinnen in Liaoning. Aber die Saison ist für mich natürlich nicht zufriedenstellend verlaufen. Ich bin hier hergekommen, um noch ein bisschen zu spielen, was einfach nicht ging. Ich habe meist nur 30 Minuten spielen dürfen - das habe ich mir schon anders vorgestellt.

Bei Ihrer Größe müssten Sie doch im Strafraum jeden Kopfball erwischen - die Chinesen sind doch alle so klein.

Jancker: Darüber brauchen wir nicht mehr lange diskutieren. Das war sportlich sicher kein Höhepunkt hier.

Wie haben Sie die Fans aufgenommen?

Jancker: Die haben mich alle sehr freundlich begrüßt, auch mit Plakaten. Aber die konnte ich ja nicht lesen.

2002 im WM-Finale, vier Mal Meister mit Bayern, 33 Länderspiele - finden Sie eine Erklärung, wie es in vier Jahren zu diesem Karriere-Knick kommen konnte.

Jancker: Kann ich nicht. Bei Rapid Wien ist es sehr gut gelaufen, bei Bayern auch, dann in Italien und in Lautern eben schlecht. Ich habe keine Erklärung, warum ich plötzlich nicht mehr getroffen habe. Ich weiß ja selber, dass die letzten Jahre nicht sehr imposant waren. Aber es ist halt so.

Vom "Carsten-Jancker-Fußballgott" zum Bankdrücker in China - das muss weh tun.

Jancker: Ich will mich nicht beklagen. Ich hatte bei Bayern eine super Zeit. Natürlich ist das ein krasser Unterschied zu jetzt, aber das meiste habe ich mir auch selbst zuzuschreiben. Ich habe zwei gesunde Kinder, das ist noch immer das Wichtigste.

Sie wollen die Karriere aber fortsetzen?

Jancker: Meine Frau ist jetzt schon nach Österreich gezogen, in die Nähe von Wien. Da sehen wir unseren Lebens-Mittelpunkt. Ich möchte noch ein paar Jahre spielen.

Ihr Berater Roland Grahammer ist Vizepräsident beim Bayernligisten SC Fürstenfeldbruck. Die könnten auch einen Stürmer brauchen.

Jancker: Deutschland kommt nicht mehr in Frage. Wenn dann nur in Österreich, um bei der Familie zu bleiben.

Am liebsten bei Rapid Wien, wo alles losging?

Jancker: Das hat sich schon zerschlagen. Lasst mich erst mal aus China zurückkommen, dann sehen wir weiter.

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