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Daniel Theis: Eine Wucht unter dem Korb.

NBA-Star im Interview

Theis: „Ich will als Champion nach Hause kommen“

  • vonPatrick Reichelt
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  • Nico-Marius Schmitz
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In der Nacht von Donnerstag auf Freitag beginnt in der NBA das Saisonfinale in Disneyworld. Natürlich unter strengen Sicherheitsvorkehrungen. Unsere Zeitung hat sich mit NBA-Star Daniel Theis von den Boston Celtics unterhalten.

München – Heute Nacht beginnt die heiße Phase in der NBA. Das Saisonfinale in Disney World (Orlando/Florida) steht an. 22 Mannschaften kämpfen bis in den Oktober hinein um den begehrten Titel. In den zweieinhalb Monaten müssen die Teams auf dem Gelände des Ferienressorts bleiben. Mit von der Partie sind auch die Boston Celtics um Center Daniel Theis (28). Im Interview mit unserer Zeitung spricht der deutsche Nationalspieler über den Re-Start der besten Basketballliga der Welt, Sicherheitsvorkehrungen und den Traum, NBA-Champion zu werden.

Daniel Theis, in den USA breitet sich das Coronavirus weiter rasant aus. Alleine Florida, wo das Saisonfinale steigt, meldet regelmäßig fünfstellige Zahlen an Neuinfektionen am Tag. Wie groß ist das Vertrauen in die Sicherheitsvorkehrungen, die Ihnen nun zu einem geordneten Saisonfinale verhelfen sollen?

Das Vertrauen ist doch sehr groß. Es sind sehr viele Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden, es wird täglich getestet. Wir haben regelmäßige Teammeetings, in denen wir Updates bekommen, wenn Sachen geändert werden. Wir werden in Meetings immer wieder an die Regeln erinnert, dass man Maske tragen soll, Abstand halten, Hände waschen. Es ist schon sehr beruhigend, wie gut das funktioniert. Es gab nur wenige positive Tests, ein, zwei Spieler haben die Campus-Linie übertreten. Ich bin wirklich positiv überrascht. Dafür dass Florida solche Probleme hatte, funktioniert das System der NBA wirklich sehr, sehr gut.

Was hatte die Nachricht bei Ihnen ausgelöst, dass die NBA diese Art des Saisonfinals gewählt hat?

Ich war ein bisschen gespalten. Zum einen habe ich mich schon gefreut. Wir haben die Chance, weiterzuspielen, haben die Chance auf eine NBA-Meisterschaft. Gerade bevor die Saison wegen Covid-19 unterbrochen wurde, haben wir einen sehr guten Lauf gehabt. Von der familiären Seite ist es natürlich anders. Seit ich Basketball spiele, habe ich noch nie so viel Zeit mit meiner Familie verbringen können. Von dem her war es natürlich sehr schwierig, sich damit abzufinden, dass ich jetzt zweieinhalb Monate in die NBA-Bubble gehen soll. Aber es ist mein Job, und meine Familie gibt mir Rückendeckung und positive Energie. Deshalb habe ich mir jetzt vorgenommen, dass wir als NBA-Champions nach Hause kommen.

Sie sind auch Vater. Wie ist das einem Kind zu vermitteln?

Unsere Tochter Laila ist vier, und die versteht das alles. Die ist natürlich extrem traurig gewesen, als ich gegangen bin. Aber zum Glück haben wir Facetime, wir telefonieren täglich, und sie ist natürlich extrem aufgeregt, wenn unsere Spiele wieder beginnen. Sie möchte Papas Team verfolgen und natürlich auch gewinnen sehen. Wenn wir nicht gewinnen, dann ist sie sehr traurig.

Die BBL hat ihre Saisonentscheidung vor einigen Wochen hinter sich gebracht. Dort kamen Außenseiter sehr weit. Ist ein Saisonfinale unter diesen Umständen mit anderen Maßstäben zu messen?

Das Turnier hat sicher gezeigt, dass man kein Team abschreiben sollte und dass es nicht nur Favoriten gibt, die um die Meisterschaft mitspielen können. Klar ist: Es gibt hier bei uns jetzt für alle die gleichen Voraussetzungen. Gleiche Wohn-, Schlaf- und Essensbedingungen. Alles ist gleich. Klar: Teams wie Milwaukee oder Lakers, die die ganze Saison so stark gespielt haben, wird der Heimvorteil für die Playoffs dadurch halt weggenommen. Aber ich finde das ganz interessant und gut. Es geht nur darum: Wer hat das bessere Team? Wer performt besser in den Playoffs? Wer hat den besseren Trainerstab? Und nicht, dass man am Ende nach Ausreden suchen kann. Jetzt geht es wirklich nur darum: Wer bereitet sich besser vor? Wer spielt besseren Basketball? Wer will es mehr? Ich finde das sehr gut.

Anders als die BBL spielen Sie die Playoffs im regulärem Modus „best of 7“. Die bessere Lösung?

Ich fand es sehr interessant, dass die BBL mit Hin- und Rückspiel gespielt hat wie im Eurocup. Aber in der NBA geht es auch viel um Gelder. Darum, dass man natürlich so viele Spiele wie möglich hat und auch im Fernsehen zeigen kann. Ich denke aber auch, dass die klassischen Playoffs für die NBA einfach besser sind. Da gibt es keine Ausreden. Auch nicht durch den Ort. Es geht wirklich nur darum: Wer es mehr will, der gewinnt.

Ihr Trainer Brad Stevens gilt als einer der besten Coaches der NBA. Könnten seine Impulse ein entscheidender Faktor sein?

Coach Stevens ist einer, der 24 Stunden Basketball lebt, denkt und schaut. Er bereitet uns wirklich gut vor. Es ist natürlich anders als vor der Saison, wo man von ganz klein anfangen muss. Jetzt ist es nur eine Fortsetzung, wir müssen uns nur auf den neuesten Stand bringen. Das Training ist wirklich gut aufgebaut. Wir trainieren drei oder vier Tage, dann ist einer frei. Und wir steigern das Training immer. Es ist nicht so, dass wir jeden Tag die zweieinhalb, drei Stunden, die wir Hallenzeiten haben, ausnutzen. Wir gehen das wirklich sehr bedacht an. Was auch wichtig ist, weil das Verletzungsrisiko ungleich höher ist. Ich denke, wir werden körperlich und geistig auf dem höchsten Niveau sein, wenn es mit den Playoffs los geht.

Ihre Rolle war in diesem Jahr größer, Sie kamen auf durchschnittlich 24 Einsatzminuten und nutzten sie. Tut die Fortsetzung vor diesem Hintergrund besonders gut?

Natürlich. Nach den Abgängen, die wir hatten, ist meine Rolle gewachsen. Ich habe dafür sehr hart gearbeitet und mich natürlich sehr gefreut. Ich werde weiter hart arbeiten. Persönlich habe ich es vor allem gegen Ende, vor und nach dem Allstar-Break geschafft, auf das höchste Niveau zu kommen. Weil ich meinen Körper gut regenerieren konnte. Da habe ich sehr gut gespielt und wir haben auch enge Spiele gewonnen. Ich bin sehr zufrieden, es ist natürlich immer noch Luft nach oben. Aber ich hoffe, dass ich das hier in der Bubble zeigen und dem Team helfen kann, die Ziele zu erreichen.

Welche?

Da gibt es nur eines: NBA-Champion 2020 zu werden.

Interview: Patrick Reichelt und
Nico-Marius Schmitz

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