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Nur die Deutschen trauern Schumacher nach

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- Sao Paulo - Die Formel 1 ohne Michael Schumacher - ist sie überhaupt denkbar? Für viele, ganz besonders in Deutschland, nur mit schmerzhaften Einschränkungen. Der Nürburgring-Geschäftsführer Walter Kafitz sagt, dass er seinen "besten Außendienstmitarbeiter" verloren habe. Beim Fernsehsender RTL stellt man sich auf einen Quotenrückgang ein. "Schumachers Rücktritt bedeutet einen großen Verlust für den Sport", sagt RTL-Sportchef Manfred Loppe.

Aber es gibt auch andere Stimmen. Bernie Ecclestone glaubt, dass die Zukunft auch ohne Michael Schumacher rosig aussieht. "Wenn ein Superstar zurücktritt, hinterlässt er immer eine Lücke. In Deutschland könnte es einen kleinen Einbruch geben, aber er wird nicht so schlimm, wie einige befürchten", sagt er: "Ich erinnere mich an 1994, als Ayrton Senna starb. Viele haben prophezeit, dass die Formel 1 damit am Ende wäre. Ich denke, dass die Marke Formel 1 stärker ist als ein einzelner Name, so groß der auch ist."

Niki Lauda meinte sogar, dass Schumacher bald vergessen sein werde: "Er hat außer seinen Erfolgen nichts zu bieten. Ihm fehlt die besondere Ausstrahlung", sagt der dreifache Weltmeister. "Die Formel 1 ist so schnelllebig, dass er nach ein paar Tagen der Lobeshymnen vergessen wird. Dann ist es aus mit ihm."

Auf jeden Fall wird die Formel 1 aber ein neues Gesicht bekommen. "Man wird sich nicht mehr so auf eine Person, sondern wieder mehr auf den Sport konzentrieren", meint Fernando Alonso, der designierte Leitwolf der Formel 1. Diese Entwicklung finden besonders diejenigen gut, die Schumacher sowieso nicht leiden konnten. "Ich will wieder Sport sehen", sagt Damon Hill, Weltmeister von 1996.

Aus sportlicher Sicht wird die Saison 2007 tatsächlich äußerst interessant. Alle drei Topteams - Ferrari, Renault und McLaren-Mercedes - haben einen neuen Chefpiloten. Dazu kommen die Einheitsreifen, durch die die Karten neu gemischt werden.

Die besten Voraussetzungen für das nächste Jahr hat Ferrari, weil der Rennstall den Bridgestone-Reifen schon kennt. Renault und McLaren-Mercedes haben den ganzen Winter erst mal damit zu tun, die Eigenschaften des japanischen Gummis zu verstehen.

"Die Formel 1 ist stärker als ein einzelner Name."

Bernie Ecclestone

Während Ferrari auch das 2007er Auto um diesen Reifen herum baut, müssen die Konkurrenten ihren neuen Wagen ohne dieses Wissen entwerfen.

Bei den Roten steht auch ein interessantes Duell ins Haus. Felipe Massa, der neben Schumacher deutlich gereift ist, hat Räikkönen ein Jahr Erfahrung im Ferrari-Cockpit voraus. Räikkönen dagegen wittert bei Ferrari endlich die Chance, seinen ersten Titel zu holen.

Weltmeister Alonso weiß, dass die kommende Saison auch für seinen Ruf sehr entscheidend sein wird. Es spricht vieles dafür, dass er auch in den kommenden Jahren die führende Figur der Formel 1 sein wird. Seine zwei Titel bei Renault geben ihm einen Vorsprung an Selbstsicherheit. Hat er aber ein ähnlich unzuverlässiges Auto wie Räikkönen in den letzten Jahren, dann wird auch das nicht den Titel retten können.

Der Joker 2007 wird Heikki Kovalainen sein, der bei Renault den scheidenden Champion Alonso ersetzt. Der Finne ist ein Neuling, der aber im Weltmeister-Auto sitzt. Das macht aus ihm automatisch einen Kandidaten für den Titel. Seine Schnelligkeit hat er bei den Tests bewiesen. Aber noch weiß keiner, ob er das auch in Rennen tun kann.

Hinter diesen Topkandidaten gibt es aber auch weitere Fahrer, die das Zeug zum künftigen Champion haben. Robert Kubica, der erst seit Ungarn für BMW-Sauber fährt, hat die Formel 1 mit seiner Kaltschnäuzigkeit beeindruckt. Der Williams-Pilot Nico Rosberg bräuchte nur konkurrenzfähiges Material, um sein Talent endgültig zu beweisen. Und der GP2- Champion Lewis Hamilton, der 2007 wohl den zweiten Silberpfeil steuern wird, bringt alle Voraussetzungen mit, der erste farbige Superstar des Sports zu werden.

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