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Diskrete Zurückhaltung beim "Vorwaschgang"

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- Pau - Als es über die ersten zwei Berge ging bei dieser Fahrt durch Frankreich, übten sich die prominenten Teams in etwas unvorsichtiger Zurückhaltung. Während sich die Favoriten auf der 10. Etappe gegenseitig beschatteten und Kräfte sparten für die heutige Königsetappe, nutzten zwei Ausreißer die Gunst der Stunde.

Aus dem großen Pulk der Namenlosen verabschiedete sich dabei der Franzose Cyril Dessel (Ag2r), der vom 28. auf den ersten Rang vorfuhr und somit dem bisherigen Spitzenreiter Sergej Gontschar (T-Mobile) das Gelbe Trikot abnahm.

Zusammen mit dem spanischen Tagessieger Juan Miguel Mercado (Agritubel) hatte sich Dessel unbehelligt davon gemacht und 7:23 Minuten Vorsprung auf die große Verfolgergruppe mit allen Spitzenfahrern herausgefahren. Vor allem für den starken Bergfahrer Mercado, Zweiter mit 2:34 Minuten Rückstand, eröffnen sich nun hoffnungsvolle Perspektiven.

Für Gontschar war nach drei Renntagen die Fahrt in Gelb zu Ende. Was auch daran lag, dass sein T-Mobile-Team einen betont diskreten Auftritt bot. "Für uns ist es nicht so ideal gelaufen", sagte Teamchef Olaf Ludwig, "aber wir wollten das Gelbe Trikot nicht um jeden Preis verteidigen." Zumal schon nach 40 Kilometern eine 15-köpfige Gruppe geflüchtet war.

Am ersten Berg verabschiedeten sich dann Dessel und Mercado von ihren Begleitern - ein Angriff, der dem 31-jährigen Franzosen den schönsten Tag seiner bisher eher glanzlosen Karriere bescherte. Nach sechseinhalb Profijahren hat er gerade zwei Tagessiege zu Buche stehen. Diese Saison aber ist seine mit Abstand beste, Dessel gewann die Mittelmeer-Rundfahrt; für die Tour, so gestand er, "hatte ich geheime Hoffnungen auf einen Etappensieg". Die teilte offenbar auch sein Arbeitgeber Ag2r Pré´voyance, der schon tags zuvor den Vertrag mit dem Profi um zwei Jahre verlängert hatte.

Voraussichtlich wird der Franzose bei seiner zweiten Tour-Teilnahme nur die Rolle des Helden für einen Tag spielen. Als nächstes geht es heute über fünf grimmige Pyrenäen-Gipfel. Der gestern sehr stabile Andreas Klöden, T-Mobiles voraussichtlicher Kapitän, meinte: "Das war jetzt der Vorwaschgang, morgen kommt die Hauptwäsche." Die große Frage ist, für wen ein frisches gelbes Hemd abfällt.

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