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Die Diskussion über neue Modelle eröffnen

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- Seit Klinsmann darf man auch querdenken. Also: Warum eigentlich machen wir es nicht wie Österreich? Dort gibt es in der höchsten Jugendliga keinen Abstieg, wer dort mitspielen will, muss als Nachwuchsleistungszentrum anerkannt sein, gewisse Kriterien erfüllen. "Das ist ganz im Sinne der Talentförderung", sagt Ralf Muhr, Nachwuchschef von Austria Wien.

"Dadurch nehmen wir den Druck, lassen spielen und haben die Möglichkeit, auch körperlich weniger entwickelten Talenten Spielzeit zu geben oder die Stärksten in höheren Mannschaften zu fordern."

"Auf- und Abstieg - warum eigentlich", fragt auch Udo Bassemir, Talentsichter des FC Bayern. "Um junge Spieler optimal zu fördern, ihnen Zeit zur Entwicklung zu geben, müssen wir auch mal umdenken, Strukturen, auch Wettkampfstrukturen aufbrechen." Wäre es nicht sinnvoll, eine Liga mit den Leistungszentren der Bundesligisten zu bilden, Auf- und Abstieg an die Profimannschaften zu koppeln, darunter eine zweite Ebene zu schaffen mit Stützpunktvereinen, in denen die besten Spieler der Region konzentriert werden?

"Die WM hat uns eine starke Argumentationsgrundlage gegeben", sagt BFV-Cheftrainer Reinhard Klante, "auf dieser Grundlage müssen wir nun die Diskussion über neue Modelle der Talentförderung eröffnen." Klante könnte sich durchaus vorstellen, jetzt, mit dem Rückenwind der WM, an manchen Säulen zu rütteln, Dinge zu hinterfragen. Zum Beispiel die Sache mit den DFB-Stützpunkten. "Wir haben", so Klante, "schon bei deren Installierung dem DFB geraten, dahin zu gehen, wo Leistungsfußball schon existiert, mit der Konsequenz, dass sich die besten Spieler bei einem Verein konzentrieren." Das sei auf Widerstand der kleinen Klubs gestoßen, für Klante nicht nachvollziehbar, "weil die Talente sowieso irgendwann gehen."

Klante glaubt, dass man jetzt über vieles nachdenken könne, auch wieder darüber, engagierte Amateurvereine zu suchen und dort die Stützpunkte zu integrieren, "die vom Verband finanziert, aber auch auf ihren Qualitätsstandard ständig kontrolliert werden." Klante denkt an weitere Möglichkeiten, zum Beispiel die Schulprojekte in München und Nürnberg auszubauen, Internate zu installieren, um die Qualität zu heben. "Vielleicht könnte man dort auch eigene Mannschaften bilden, sie in höheren Ligen mitspielen lassen." Mit der Denkweise von Klinsmann müsse man nun die Dinge angehen, eine offene Diskussion führen, "und am Ende einen Kompromiss finden, der vernünftig, machbar und hilfreich ist, als sinnvolle Ergänzung, nicht als Konkurrenz zu den Leistungszentren der Bundesligisten."

In Tagen wie diesen, da man erlebt hat, welche gigantische Kraft der Fußball hat, darf man, muss man Visionen haben. Die am Geld nicht scheitern sollen: "Wenn es im gesamtgesellschaftlichen Interesse ist, dass das Gesamtereignis WM fortgesetzt werden soll, dann müssen wir uns auch dazu bekennen. Ohne Wenn und Aber. Ein Grundfehler wäre jetzt, nur eine schöne Fassade zu errichten, bei der man, wenn man die Tür aufmacht, in eine Baugrube fällt." Alles müsse wohl überlegt und in ein Gesamtkonzept eingepasst sein, ein Gesamtkonzept für den deutschen Fußball.

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