1. Startseite
  2. Sport
  3. Mehr Sport

"Doping und Vorbild sein schließen sich aus"

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

- München - Es gibt gewisse Dinge über die muss man nicht diskutieren. Und so hätte auch niemand Carl Müller-Platz ernsthaft wiedersprechen wollen. Der Chef des Bundesinstituts für Sportwissenschaften hatte kategorisch festgestellt: "Doping und Vorbild sein schließen sich aus." Was schon eine ziemlich weit reichende Antwort auf die zentrale Frage gewesen wäre, die die Friedrich-Ebert-Stiftung zum Gegenstand ihres ersten Münchner Sportgesprächs gemacht hat.

"Kann Sport noch Vorbild sein?", hatte man gefragt. Und die Diskussionsteilnehmer aus Politik, Wissenschaft und Sport antworteten mit durchaus offener Skepsis. So habe sich im Sport heutzutage eine allzu große Betrugsmentalität breit gemacht, befand Julian Nida-Rümelin. Und der einstige Kulturstaatsminister und heutige Leiter des Lehrstuhls für Politische Theorie und Philosophie an der Ludwig-Maximilians Universität München will das nicht nur auf die aktuellen Dopingfälle wie im Vorfeld der Tour de France beschränkt wissen.

Ein kritischer Blick auf die Sportszene lasse vielmehr generell Schlimmes ahnen. "Vergleichen Sie die Bilder von 100-Meter-Läufern in den dreißiger Jahren und heute", empfahl Nida-Rümelin, "für diese körperlichen Veränderungen haben alle mit Anabolika nachgeholfen." Was fehle sei der taugliche Nachwuchs: "Wer erwischt wird, war nicht schlau genug. Und die Versuchung, dem Glück auf die Sprünge zu helfen, macht wohl auch vor Massenbewegungen wie dem Fußball nicht halt."

Rainer Koch, Chef des DFB-Sportgerichtes und Präsident des Bayerischen Fußball Verbandes, hält seinen Sport für einen Spiegel der Gesellschaft und damit auch nicht für besser als die anderen.

Das Warum für Doping ist leicht zu erraten: Eine große Verantwortung trägt in den Augen der Experten der Kommerz und damit die gewaltigen Verdienstmöglichkeiten, die zumindest in Teilen des Sports Einzug gehalten haben. Wobei die Menschen im Land mit dem Zweifel zu leben gelernt haben. Nicht wirklich verwunderlich, findet das Julian Nida-Rümelin, schließlich seien Manipulationen am Körper auch in der außersportlichen Gesellschaft akzeptiert. Und letztlich könne man, das betont die Münchner Sportstadträtin Diana Stachowitz, auf Stars nicht verzichten. Trotz aller Vorbehalte seien die großen Namen die Zugmaschinen auch für den Breitensport. So wie Spitzensport ohne Breitensport nicht funktionsfähig sei, sei auch der Breitensport ohne die Spitze kaum lebensfähig.

Sport und Bewegung sind mit all ihren Auswirkungen zu wichtig. Zumindest für manch einen jener Zuschauer, die sich während des Sportgesprächs zu Wort meldeten, sind deshalb die Menschen an der Basis gefragt. Es gelte neben den medialen Idolen auch moralische Vorbilder zu schaffen. Die Trainer nämlich, die dem Nachwuchs in der täglichen Arbeit Dinge vermitteln können, für die die Stars nur noch bedingt taugliche Vorbilder sind. Wissen beispielsweise, Zuverlässigkeit oder auch die Fähigkeit zum kollektiven Miteinander. Nicht zuletzt Nida-Rümelin würde das begrüßen, weil er in seinen Studien festgestellt hat, dass gemeinschaftlich orientierte Gesellschaften die stabileren Gesellschaften sind.

Auch interessant

Kommentare