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Dottore Epo - nur ein Trainer?

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- Vitré - Sein Name macht derzeit wie ein Schreckgespenst die Runde: Dr. Michele Ferrari. Dem Trainingsmethodiker aus Ferrara werden seit langem dubiose Praktiken nachgesagt, seine Gegner nennen ihn Dottore Epo, einer Verurteilung als Doping-Arzt entging er nur knapp - der Großteil seiner Kundschaft vertraut aber weiter auf ihn. Bis vor zwei Monaten zählte auch T-Mobile-Profi Michael Rogers zu Ferraris Klienten. Auf Wunsch der Teamleitung beendete der derzeitige Tour-Dritte vor zwei Monaten die Zusammenarbeit.

Grundsätzliche Zweifel an der Lauterkeit des Mediziners liegen ihm jedoch fern. "Die Fahrer gehen nicht zu Ferrari, um sich zu dopen - sondern um sich zu verbessern", betont Rogers.

Der Australier, der mit einer Italienerin verheiratet ist und in Varese lebt, hält den Dottore weiter für einen Meister seines Fachs: "Er hat viel Erfahrung. Viele bekannte Fahrer waren bei ihm. Rominger, Armstrong. Er ist sicher einer der besten Trainer in der Welt." Rogers räumt zwar ein, dass Ferrari gewisse Probleme "mit dem italienischen Gesetzessystem" gehabt habe. Doch sei er nicht verurteilt worden. Der 26-Jährige zieht aus Ferraris unangenehmen Erfahrungen auch die Schlussfolgerung: "Ich kann es mir nicht vorstellen, dass er es riskiert, ins Gefängnis zu gehen." Gleiches sei bei den Sportlern der Fall: "Kein Fahrer will mit dem Gesetz in Konflikt geraten, sondern nur Ferraris Qualitäten nutzen." Allerdings, so Rogers, könne auch der von ihm so gerühmte Italiener keine Wunder vollbringen: "Nur weil man bei Ferrari ist, fliegt man noch nicht die Berge hoch."

Umständehalber hat sich der vom belgischen Quickstep-Team verpflichtete Radprofi zuletzt selbst trainiert: "Ich weiß wie mein Körper funktioniert, er arbeitet ja wie meine eigene Fabrik." Und das zuletzt auf vollen Touren. Es liegt derzeit nur 21 Sekunden hinter Spitzenreiter Tom Boonen, und am heutigen Samstag steht in Rennes ein Zeitfahren über 52 Kilometer an - Rogers Spezialität. In dieser Disziplin ist er amtierender Weltmeister, den Titel holte er dreimal in Folge. Das Tagesziel ist klar: "Ich will das Gelbe Trikot."

Damit dürften seine Ambitionen aber noch nicht erschöpft sein. Rogers, der sich auch schon im alpinen Terrain gut geschlagen hat, spekuliert ein wenig mit der Hauptrolle im T-Mobile-Team. "Die Tour ist noch jung, sie hat noch keinen harten Tag gesehen. Erst nach den ersten Bergen, wenn wir ans Limit gehen müssen, werden wir sehen, wer der Teamleader ist", sagte Rogers etwas ausweichend.

Zu den Tour-Favoriten zählt er auch Andreas Klöden, Teamgefährte und Konkurrent ums Kapitänsamt. Bei der Aufzählung der weiteren Siegkandidaten (Leipheimer, Evans, Hincapie) merkte er lachend an: "Warum nicht auch Rogers?" Mit leicht gemischten Gefühlen sieht der Australier zwar den Pyrenäen entgegen, die am Mittwoch erreicht werden: "Vor den ersten Bergen ist jeder Fahrer ein kleines Fragezeichen." Aber seine derzeitige Verfassung stimmt ihn zuversichtlich: "Meine Beine fühlen sich gut ein." Solch ein Form-Befund hört sich umso besser an, wenn Dr. Ferrari nichts damit zu tun hat.

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