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Das Duell mit Nadal macht endlich wieder Spaß

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- Wimbledon - Zusammen verließen sie den Centre Court durch das Spalier der Ballkinder, links Roger Federer im hellen Sakko mit dem großen, goldenen Pokal im Arm, rechts Rafael Nadal. Beide drehten sich noch einmal um, winkten dem Publikum, und wenn die Leute auf den Rängen in diesem Moment einen Wunsch freigehabt hätten, dann vielleicht diesen: Bitte, lasst sie wiederkommen im nächsten Jahr. Federer hatte ihnen mit Stil und unnachahmlicher Klasse gezeigt, dass er nach wie vor der Herrscher in Wimbledon ist. Mit dem vierten Titel in Folge bedeutete er dem stürmischen Herausforderer aus Spanien, dass es noch nicht an der Zeit für einen Machtwechsel ist. Um keinen seiner vier Titel in Wimbledon musste er so kämpfen wie um diesen, in knapp drei Stunden herausgespielt mit 6:0, 7:6, 6:7, 6:3, doch er blieb standhaft bis zum Schluss. Zum ersten Mal fiel er nach dem Sieg nicht auf die Knie, und zum ersten Mal überstand er die Siegerehrung ohne Tränen.

Es war ein ganz besonderer Sonntag in Wimbledon. Die Nummer eins gegen die Nummer zwei, der Meister des Rasentennis gegen den frechsten Jungen der letzten Jahre, der Dandy im hellen Blazer gegen den Muskelmann in knielangen Flatterhosen - die Liste ließe sich verlängern. Aber das macht ja auch einen Teil der Faszination aus, die dieses Duell entwickelt hat. Und das erklärt auch, warum für Finalkarten auf dem Schwarzmarkt bis zu 3000 Pfund verlangt wurden.

Der brutal klare erste Satz lässt den Spanier kalt

Mit geradezu provokanter Lässigkeit hatte sich Federer auf den Weg zum vierten Titel gemacht, mit den Händen in den Taschen seiner weißen Hose. Ob der Blick in sein Inneres eine ähnlich lässige Ordnung verraten hätte? Vier Niederlagen allein in diesem Jahr gegen Nadal, dazu die Bewunderung allerorten für Nadal, vor allem für die kaum glaubliche Geschwindigkeit, mit der er sich an das Spiel auf Rasen gewöhnt hatte - wenn das nicht genügte, um die Psyche zu testen.

Am Anfang spielte Federer wie in den beiden Runden zuvor, traumwandlerisch sicher und schön. Nadal wirkte nervös. Dabei kennt dieser Kerl doch fast keine Angst. Manuel Santana, der vor 40 Jahren als einziger Spanier in Wimbledon gewonnen hatte, sagt über seinen jungen Landsmann: "Die meisten Spanier kommen ohne den Glauben, hier gewinnen zu können. Aber Rafa ist in Gedanken schon so weit, und er wird auch irgendwann gewinnen." Santana brauchte vom ersten Versuch bis zum Titel sieben Jahre, Nadal ist schon nach dem dritten Versuch ein großes Stück weiter.

Worin dessen ganz besondere Qualität besteht, das sah man nach dem brutal klaren ersten Satz. Nach dem Seitenwechsel kam Nadal zurück, als sei nichts geschehen, schüttelte den Frust ab und gab alles im zweiten Versuch. Mit einem Break ging er in Führung, hielt es bis zum Stand von 5:4, doch mit einem bösen Fehler öffnete er Federer die Tür, und der nahm dankend an. Auch im Tiebreak lag Federer zurück, und man kann sich nur ausmalen, was passiert wäre, hätte Nadal ihn gewonnen. Zur Begeisterung des Publikums gewann er den zweiten, aber mehr ließ Federer nicht zu.

Als er bei der Siegerehrung auf die wunderbare Rivalität mit Nadal angesprochen wurde, meinte er spontan: "Jetzt mag ich sie wieder." Keine Frage, es war um mehr gegangen als nur um den vierten Titel, auf die Fortsetzung einer Serie, die der von Pete Sampras und Björn Borg gleicht. Dann ging er und ließ sich hinter der Tür zum Centre Court in einen Sessel fallen, unter der Tafel, auf dem die Namen der Wimbledonsieger stehen. Als er erkannte, dass sein Name hinter der Zahl 2006 schon eingetragen war, lächelte er gerührt.

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