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„King Richard“ und der sensationelle Triumph auf den letzten Metern

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Von: Günter Klein

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Triumph auf den letzten Metern: Richard Ringer zog noch am Israeli Maru Teferi vorbei.
Triumph auf den letzten Metern: Richard Ringer zog noch am Israeli Maru Teferi vorbei. © imago

Sensations-Europameister Richard Ringer ist kein Kilometerfresser, am Ende wird er aber doch Marathon-Europameister. Die deutschen Teams holen Gold und Silber.

München – Bei Kilometer 41 lag Richard Ringer auf Platz drei im Marathon, schon das eine Überraschung. Er warf dann seine Mütze weg – und es folgte ein Schlussspurt, der ihn bis an die Spitze führte. Der 33-Jährige aus Überlingen am Bodensee wurde Europameister (2:10:21 Stunden). Ein Ergebnis der Kategorie Sensation.

Ja, die Sache mit der Mütze. Wenn Richard Ringer auf die Szene angesprochen wird, lässt er erkennen, dass er ein humoriger Kerl und ein launiger Erzähler ist. In Rio, 2016 bei Olympia, hatte er seine Kappe ins Ziel getragen, „und das sah doof aus, als ich mit meinen Kühlpacks ankam“. Das Käppi ist eine Spezialanfertigung, „meine Mutter hat Netze eingenäht, in die wir an den Verpflegungsstationen Crashed Ice packen“, außerdem ist ein Tuch integriert, das gegen die Sonneneinstrahlung schützt. Im Moment, als Ringer die Kopfbedeckung abwarf, empfand er „eine Befreiung. Denn dadurch ist ja auch Gewicht weg.“ Er hat alles rausgepresst, was in seinem Körper „voller Krämpfe“ war. „Ich bin auch nicht gelaufen, um den Israeli noch einzuholen – sondern gegen die Schmerzen. Im Marathon ist immer die Strecke der Konkurrent.“

Richard Ringer macht einiges anders, als es die Marathon-Lehre vorsieht. „Vor gut einem Monat bin ich eine Woche gar nicht gelaufen.“ Während andere 200 Kilometer innerhalb von sieben Tagen abreißen, sind es bei ihm 120. „Die anderen laufen 14 Stunden, ich aber bin 22 Stunden beschäftigt.“ Sein Alternativprogramm: Radfahren. Und der Crosstrainer, „da kann ich auch mal einen Film schauen oder Nachrichten lesen“.

Amanal Petros ging mit Ringer auf die zwei Kilometer lange Zielgerade. Er schaute oft auf die Pulsuhr. „Ich wollte taktisch spielen.“ Doch dann merkte er, dass ihm die Kraft ausging. Er fiel auf Platz vier (2:10:39)„Ich habe zu viel gearbeitet.“ Es wurde nämlich nicht nur die Einzelkonkurrenz ausgetragen, sondern auch der Teamwettbewerb. „Durch meinen vierten Platz“, sagte Petros, „haben wir Silber gewonnen. Als Sechster, Siebter wäre es um Bronze eng geworden.“ Darum sei er „nicht enttäuscht, sondern stolz auf Richard“. Ringer erzählte, dass Petros, „dieser wahnsinnig liebe Kerl“, ihm durch eine Krise bei Kilometer 25 geholfen habe. „Da ist er zu mir nach hinten gelaufen.“

Männer wie Frauen starteten mit sechs Leuten, die drei besten Resultate wurden fürs Team gewertet. Für die Frauen ergab sich dadurch Gold. Auch die Läuferinnen rissen mit ihrer Finish-Dramatik das Publikum mit. Miriam Dattke war einen Schritt von Bronze weg (2:28:52), aber nicht enttäuscht. „Ich dachte: Top 20 wäre cool, mit Top Acht wäre ich supersuperglücklich.“ Es war der zweite Marathon der 24-Jährigen, auf der Zielgeraden wurde sie „von den Regensburger Trainingskameraden angebrüllt“.

Mit der Witterung, im Vorfeld ein Thema, kamen alle gut zurecht. „Ideal für Marathon sind acht Grad, keine 24 – aber es wurden keine Bilder geliefert, auf denen ein Drittel des Felds ausscheidet“, so Deborah Schöneborn (10.). Und Domenica Meyer (6.) war froh, dass die Frauen um 10.30 Uhr, eine Stunde vor den Männern, starten durften. „Respekt vor den Männern – kleiner Hashtag“, regte sie an. Lustiges Läufervolk.

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