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Eine "dritte Person" begleitet T-Mobile

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- Rennes - Luc Eisenga, der Teamsprecher, war der Überbringer der frohen Botschaft. Beschwingten Schrittes eilte er in den magenta-farbenen Mannschaftsbus, und als er den T-Mobile-Profis das Endergebnis des Zeitfahrens von Rennes verkündete, brachen sie lauthals in einen Jubel aus, als sei gerade ein entscheidendes WM-Tor gefallen. Der Ukrainer Sergej Gontschar, 36, hatte die 52 km lange Etappe gewonnen, damit das Gelbe Trikot erobert, vier T-Mobile-Fahrer schafften es im Tagesklassement unter die Top 8, im Gesamtergebnis schob sich das gleiche Quartett unter die besten Sechs. "Ich bin angenehm überrascht", sagte Teamchef Olaf Ludwig.

Nicht, dass am Können der Pedaleure zu zweifeln gewesen wäre, aber seit der Suspendierung von Jan Ullrich, Oscar Sevilla und des Sportlichen Leiters Rudy Pevenage (dem wurde gestern sogar gekündigt) befindet sich das Bonner Team in schwersten Turbulenzen. Und die verstärkten sich am Wochenende durch neue Informationen über die spanische Polizeiaktion "Operacion Puerto" (Operation Bergpass). So erhielt die "Süddeutsche Zeitung" eine Ermittlungsakte zugespielt, in der ein Gespräch zwischen Pevenage und dem Dopingarzt Fuentes dokumentiert ist. Am 18. Mai meldete sich Pevenage mit den Worten: "Heute hat eine dritte Person gewonnen." Am 18. Mai stand beim Giro d'Italia das Zeitfahren auf dem Programm; der Sieger hieß Jan Ullrich.

Zwei Tage später wurde Pevenage erneut abgehört. Der Belgier teilte Fuentes mit, er habe "mit einer dritten Person im Bus geredet. Diese dritte Person ist interessiert, mehr zu haben, auch wenn es nur die Hälfte ist". Die Fahnder sind überzeugt, dass mit der Tarnbezeichnung "dritte Person" Ullrich gemeint ist. Und die Nachforschungen hätten auch ergeben, um was für eine Lieferung Fuentes da gebeten wurde: manipuliertes Blut, Wachstumshormone, das dem Insulin ähnliche Präparat IGF-1 und Testosterontabletten. Im Telefongespräch umschrieben mit "Vino, Nino, Ignacio und PCH".

Bisher aber hat sich das T-Mobile-Team von den Schreckensnachrichten um Ullrich nicht bremsen lassen. "Von uns hat keiner mehr etwas erwartet. Jetzt puschen sich alle gegenseitig rein", beschreibt Ludwig den überraschend stabilen Teamgeist. Allerdings ist auch ihm klar, dass Siege derzeit sicher nicht alles sind: "Die Diskussion um Jan wird immer wieder kommen, das werden wir nicht verdrängen können."

Besonders enge Bande verbinden Ullrich mit Andreas Klöden. Die beiden hatten vor dem Zeitfahren noch miteinander telefoniert. Zu Ullrichs Suspendierung sagte der Tour-Zweite von 2004: "Ich bin immer noch nicht darüber hinweg. Es ist eine sehr schwierige Phase für alle. Besonders für mich; Jan ist mein Freund." Trotz aller Frustgefühle ist Klöden, derzeit Gesamtsechster, in eine günstige Ausgangsposition gefahren. Zwar liegen die Teamgefährten Gontschar (1.), Michael Rogers (3.) und Patrik Sinkewitz (4.) vor ihm, doch der 31-Jährige ist T-Mobiles wohl stärkster verbliebener Bergfahrer.

Tour-Favorit allerdings ist nun Phonak-Kapitän Floyd Landis (USA), Zweiter des Gesamtklassements, der im Zeitfahren einen Großteil seiner vermeintlich schärfsten Rivalen abhängte. Dazu gehörte auch Levi Leipheimer. Dessen Gerolsteiner-Team erzielte mit Sebastian Lang (3.) und Marcus Fothen (7.) zwar zwei Spitzenergebnisse, der Kapitän aber büßte als 96. über fünf Minuten auf Landis ein. "Die Chance aufs Podium ist verspielt", sagte Gerolsteiner-Chef Holczer.

Auch Discovery-Kapitän George Hincapie patzte mit Rang 24. Der Mitfavorit war damit langsamer als sechs von sieben T-Mobile-Starter. Olaf Ludwig fasste das Gesamtergebnis seiner Equipe letztlich so zusammen: "Wir haben ein Zeichen gesetzt." Schöne Aussichten also - wenn da nicht diese gewisse dritte Person wäre.

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