"Eine ganz, ganz schwere Aufgabe"

- München/Berlin - Die ersten Enthüllungen von Robert Hoyzer geben dem Schiedsrichter-Skandal eine neue Dimension des Schreckens - und Deutschlands Referees ist vor den Einsätzen am Wochenende ohnehin schon höchst mulmig zumute. "Der Druck wird sehr hoch sein. Jetzt gilt es auf dem Platz", sagte Referee Markus Merk aus Kaiserslautern stellvertretend für die gesamte Zunft. Volker Roth, der Vorsitzende des DFB-Schiedsrichter-Ausschusses, sprach von einer "ganz, ganz schweren Aufgabe" für die Unparteiischen am 19. Spieltag.

Unterdessen soll Hoyzer gegenüber der Staatsanwaltschaft Berlin erklärt haben, dass weitere Schiedsrichter und auch Spieler in den Betrugsskandal verwickelt seien. Laut "SZ" will Hoyzer weiter erklärt haben, er sei bei der Geldübergabe an andere Schiedsrichter selbst dabei gewesen und habe zudem von Zahlungen an Spieler gehört. Im Zuge der Ermittlungen hat die Berliner Staatsanwaltschaft am Freitagabend vier Objekte in Berlin durchsuchen lassen, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft bestätigte. Dabei kam es zu zwei Festnahmen.

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) bat derweil die 36 Profiklubs hinsichtlich der anstehenden Spiele, "Maßnahmen zu ergreifen, um die Schiedsrichter zu unterstützen und deren Integrität herauszustellen", so Liga-Präsident Werner Hackmann. Der DFB rief die Anhänger auf, "den Respekt vor unseren Schiedsrichtern zu wahren. Wir können an die Fans nur appellieren, die Schiedsrichter nicht mit unsinnigen Äußerungen zu begleiten". Der Geschäftsführende DFB-Präsident Theo Zwanziger betonte, dass es "keine Kollektivverurteilung für alle unsere guten Schiedsrichter geben darf". Und Bayern-Manager Uli Hoeneß forderte, "dass wir totale Solidarität mit den Schiedsrichtern zeigen müssen". Torsten Frings, Nationalspieler des Rekordmeisters, mahnte, man dürfe jetzt nicht jede zweifelhafte Entscheidung eines Unparteiischen mit dem Skandal in Verbindung bringen, "sonst drehen alle durch, und das wäre der Tod des Fußballs".

Hoyzer-Anwalt Stephan Holthoff-Pförtner erklärte unterdessen, dass Hoyzer aus seiner Sicht "nur ein kleines Rädchen" sei. "Ich glaube, daß es ein Zusammenwirken mehrerer Personen in verschiedenen Funktionen gab", meinte der Anwalt. Zwanziger fürchtete schon vor Hoyzers jüngsten Aussagen, dass Spieler am Skandal beteiligt sein könnten. Das könne "nicht mehr ausgeschlossen werden. Das macht mir Kummer", sagte Zwanziger.

An Schadenersatzforderungen seitens der Vereine glaubt der Geschäftsführende DFB-Präsident nicht. Vielmehr appelliert Zwanziger an die Solidarität im deutschen Fußball. "Die Hürden für solche Ansprüche liegen juristisch sehr hoch. Außerdem sind wir keine Prozesshansl, wir werden im Gespräch unter Sportkameraden nach Lösungen suchen." Liga-Boss Werner Hackmann stellte den vom Skandal betroffenen Vereinen aber zumindest eine Neuansetzung der Spiele in Aussicht, die in der laufenden Saison im Punktspiel-Betrieb stattfanden.

Dass der DFB künftig keine Gewähr mehr für die korrekte Abwicklung von Spielen im Profibereich geben kann, fürchtet Zwanziger nicht: "Das wäre das Ende des Fußballs. Das kann und darf nicht sein." Man solle "bitte nicht vergessen, dass es so einen Fall über Jahrzehnte nicht gegeben hat".

Die Europäische Fußball-Union (Uefa) lobte den DFB für die "schnelle und effiziente" Aufklärungsarbeit. "Ich denke, es ist ein schwarzes Schaf in einer Herde von weißen Lämmern. Ich finde es positiv, dass der Fall enthüllt wurde. Das ist positiv für den DFB, denn er war effizient und schnell", erklärte Uefa-Kommunikationsdirektor William Gaillard.

 

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