1. Startseite
  2. Sport
  3. Mehr Sport

Nur eine Sekunde fehlt zum ewigen Ruhm

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

null

- Hamburg - Dieser eine Moment der Unaufmerksamkeit, zehn Sekunden vor Ende der achten Runde. Dieser eine Volltreffer mit einem linken Haken hat ihm alles zunichte gemacht. Luan Krasniqi war in Hamburg in einem hochdramatischen Kampf gegen Champion Lamon Brewster (USA) auf dem Weg zur sportlichen Unsterblichkeit, auf dem Weg, als zweiter Deutscher 75 Jahre nach Max Schmeling Box-Weltmeister aller Klassen zu werden.

Doch dann traf ihn diese fürchterliche Linke, die das Ende durch technischen K.o. nach einem weiteren schweren Niederschlag eine Runde später einleitete. Krasniqi hat mit seiner Leistung die Herzen der Boxfans gewonnen, aber die wohl größte sportliche Chance seines Lebens verspielt. "Ich war mir zu sicher, ich dachte schon, ich habe ihn - doch dann habe ich einen Augenblick nicht aufgepasst", sagte der 34-Jährige, "im Schwergewicht ist es so bitter: Man bekommt einen Schlag und muss dann wieder ganz von vorne beginnen."

13 000 Fans fieberten in der Color-Line-Arena mit, und sie sahen den aufregendsten Boxkampf in Deutschland seit Jahren, der sogar die lebende US-Promotorlegende verzückte: "Ein super Fight, Krasniqi hat gekämpft wie ein Krieger, er war großartig", sagte Don King, "ich konnte in keiner Phase sicher sein, dass Lamon gewinnt."

Auf den Punktzetteln der drei Wertungsrichter lag der Deutsche nach sieben Runden mit einem, drei und sogar fünf Punkten in Front. Er überstand die Anfangsoffensive des harten Punchers aus Los Angeles vor allem Dank seiner linken Führhand und schnellen Reflexe und ließ sich auch durch zwei Tiefschläge nicht aus dem Konzept bringen. Stattdessen punktete Krasniqi beständig durch die klareren Treffer. Die Taktik seines Trainers Torsten Schmitz schien aufzugehen.

"Ich war mir zu sicher und bin dafür böse bestraft worden", räumte Krasniqi hinterher ein, "ich wusste nach dem Niederschlag nicht mehr, wo hinten und vorne ist. Die neunte Runde habe ich nur noch im Unterbewusstsein gekämpft." Dennoch schlug er halb taumelnd gefährlich zurück, auch Brewster war mit den Kräften am Ende, fand aber mit seiner Rechten einmal noch das Ziel. Krasniqi stürzte in die Seile, stand zwar noch einmal auf, wollte und konnte den Kampf aber nicht mehr fortsetzen.

"Ich habe keine Ahnung, wie das Ende zu Stande gekommen ist", sagte er, "ich erinnere mich an nichts." Brewster dankte anschließend Gott, dass er unverletzt blieb und gewann. "Mein größerer Wille und Durchhaltevermögen haben entschieden", sagte der 32-Jährige, der den Ring nicht mehr aus eigener Kraft verlassen konnte und von vier Helfern in die Kabine geschleppt werden musste.

3,5 Millionen Dollar haben ihn überzeugt, den Kampf am 100. Geburtstag von Max Schmeling in Deutschland zu bestreiten. Er würde deshalb auch erneut zurückkehren, auch Krasniqi eine Revanche geben: "Ich mache, was für die finanzielle Absicherung meiner Familie am lukrativsten ist", sagte er.

Als nächstes müsste er seinen Titel gegen Pflichtherausforderer Wladimir Klitschko verteidigen, gegen den er den Gürtel im April 2004 gewann. Wahrscheinlicher aber ist, dass Klitschko seine Chance beim Verband IBF sucht, wo er ebenfalls Pflichtherausforderer für Weltmeister Chris Byrd oder DeVarell Williamson ist. Damit könnte bei der WBO Krasniqi mangels attraktiver personeller Alternativen innerhalb eines Jahres erneut eine WM-Chance bekommen.

Auch interessant

Kommentare