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"Einfach nur geil, wie das geflutscht hat"

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- Aarhus - Seine Mutter konnte nur noch schluchzen, sein Papa suchte nach Superlativen, und sein Onkel pries die mentale Stärke: Fabian Hambüchen hat mit seinem dritten Platz beim Mehrkampf-Finale der WM in Aarhus aber nicht nur seine Familie glücklich gemacht.

 Euphorisch feierten rund 3500 Fans - darunter auch Hunderte Deutsche - die erste Mehrkampf-Medaille nach 13 Jahren für den Deutschen Turnerbund. Die große Jubelfeier fiel jedoch aus: "Ich kann nicht verkatert im Bett liegen, wenn ich noch im Sprung-Finale stehe", meinte der beste Turner Europas nach seinem Erfolg. "Erst am Samstag werde ich mich etwas gehen lassen."

Hose voll vor Fallschirm-Tandemsprung

Den dritten Platz im Mehrkampf hatte dem Youngster vor der WM kaum jemand zugetraut. Er sich selbst am wenigsten. Aber: "Ich wusste, um in diesem Feld der Klasseturner zu bestehen, muss alles perfekt sein. Und es war alles perfekt", bilanziert Hambüchen. "Einfach nur geil, wie das geflutscht hat", sprudelt es aus dem 18-jährigen Gymnasiasten heraus. "Dies war der schönste Tag in meinem Leben." Trotz seines Erfolgs ist für Hambüchen Olympia 2008 noch kein Thema. "Da denke ich noch gar nicht dran. Erst müssen wir uns im kommenden Jahr in Stuttgart qualifizieren", meint das Turnass.

Überwältigende Reaktionen löste Hambüchens Bronzemedaille bei seiner Familie aus. Während seine Mutter ihre Glückseligkeit per Telefon übermittelte (Hambüchen: "Sie hat schön geheult"), schloss Vater Wolfgang seinen Sohn in Aarhus sofort in die Arme. Begeistert war auch Onkel Bruno Hambüchen. "Jetzt zahlt sich unsere langfristige Arbeit aus. Es war klar, dass die Patzer am Reck technische und nicht mentale Gründe hatten", räumt Fabians "Mentalcoach" ein.

"Beim Einturnen habe ich mich noch schlapp gefühlt. Aber in der Halle ist es, als ob einer das Licht anknipst: Da bin ich voll da, alles passt", bestätigt der turnende Neffe, der sich "ganz normal" auf den großen Tag vorbereitet habe. Nur einen kurzen Augenblick habe er darüber nachgedacht, ob die riskantere Reck-Übung mit Kolman- und Jägersalto ihm nicht sogar die Silbermedaille gebracht hätte. "Und wenn es nicht geklappt hätte? Nee, so war/s okay."

In der kommenden Woche werden die Gedanken des 18-Jährigen wohl wieder intensiver in Richtung Schule gehen. Im Frühjahr will er das Abitur machen. "Ich freue mich schon sehr", sagte er mit einem ironischen Grinsen. In Aarhus hat er derweil Lehrstoff am Laptop nachgeholt. "Wenn dieser Blödsinn weg ist, mache ich drei Kreuze. Ein Aufschub kommt nicht in Frage." Und auf zwei weitere Highlights freut sich Deutschlands Turnhoffnung: "Zum 18. Geburtstag habe ich einen Fallschirm-Tandemsprung geschenkt bekommen. Ich habe jetzt schon die Hose voll." "Und dann sehne ich Weihnachten herbei. Da geht es mit der Aida in die Karibik. Ach, wenn es nur schon so weit wäre..."

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