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Er ist der älteste und wahrscheinlich bekannteste Teilnehmer des Erdinger Stadtlaufs: George Mayer hat erst einmal gefehlt. Unser Bild zeigt ihn auf den letzten Metern im Jahr 2016. 

Erdinger Stadtlauf

Super-George ist wieder am Start

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Über 1000 Läufer werden am Sonntag durch die Stadt rennen. Der älteste wird wieder Georg Mayer sein. Erst mit 63 begann er das Laufen, und das ließ er sich auch nicht nach einer schweren Krankheit nehmen.

Erding – Die Sieger des Erdinger Stadtlaufs werden am Sonntag schon kurz nach 15 Uhr durch sein. Doch es gibt einen Grund, warum die meisten Zuschauer noch zwei Stunden später an der Strecke stehen. Dann läuft – im Rennen der Breitensportler – Georg Mayer durchs Ziel, eskortiert von vielen Kindern, begleitet von tosendem Applaus. „Das ist wirklich wunderschön“, sagt er. Ja, er genieße es, an den Cheerleader vorbeizulaufen, gesteht er, „aber mir tun die anderen ein wenig leid. Die sind 20 Minute schneller, aber kriegen nicht so viel Applaus.“

Die anderen über 1000 Teilnehmer sind aber auch alle jünger – weit jünger. Am Sonntag wird Mayer als 80-Jähriger beim 17. Erdinger Stadtlauf starten. Es wird seine 16. Teilnahme sein. Seit Jahren ist er der Älteste, aber längst nicht der Langsamste. Vergangenes Jahr hat er auf den letzten Kilometern noch zwei Läufer überholt. Und heuer ist ihm wohl auch ein Titel gewiss, „denn für dich machen wir extra die Altersklasse AK 80 auf“, hatte damals schon Moderator Hartwig Thöne angekündigt.

Seine 2017er-Zeit über die zehn Kilometer – 1:31.58 Stunden, sechs Minuten schneller als 2016 – will er in etwa halten. Dabei hat er wegen einer Verletzung eine Pause einlegen müssen. „Aber seit Juli trainiere ich wieder“, sagt der pensionierte Schneider, der erst mit 63 Jahren mit dem Laufen begonnen hat. „Beim Radfahren in den Isarauen war ich von den Läufern so fasziniert, dass ich dass auch mal probieren wollte“, erzählt er. Also habe er sich zum Geburtstag von der Verwandtschaft Laufschuhe gewünscht. „Die haben damals schon 298 Mark gekostet“, sagt er. „Dann habe ich sie mir lange angeschaut und dann irgendwann tatsächlich ausgepackt.“

Und dann ging’s los: Von der Friedrich-Fischer-Straße bis zum Grünen Markt ist es eigentlich nicht weit. „Zuerst haut’s dir da schon den Dampf raus“, gesteht Mayer. Aber er setzte sich Ziele, lief zu den nächsten Büschen, ging wieder ein paar Schritte, lief weiter.

Halbmarathon mit 69 Jahren

Allmählich kam die Laufkondition. Eine allgemeine Ausdauer sei ihm aber ohnehin gegeben, meint der Erdinger und erzählt von seinem Schwimmabenteuer als er den Starnberger See von Possenhofen nach Berg durchschwamm – neben ihm zur Sicherheit die Begleitung im Tretboot. Und weil er auch auf dem Rad fit war – er fuhr oft beruflich zum Flughafen – war der erste Triathlon nur eine Frage der Zeit.

Das war am 22. Juni 2003. 316. der Gesamtwertung, dritter Platz in der Altersklasse 65 – Mayer hat die Urkunde aufgehoben. Und er hat natürlich auch die beiden Pokale: 2008 Triathlonsieger M 70, 2009 Stadtlaufsieger M 70. „Natürlich war ich beide Male der Einzige in meiner Klasse“, sagt er spitzbübisch, denn er weiß: Jeder gönnt ihm die Erfolge und bewundert seine Fitness.

Mayer erzählt von dem Halbmarathon in Ismaning („Mein einziger, das mach ich nicht nochmal“), bei dem er eine deutlich jüngere Frau mit ins Ziel zog, und die sich wunderte: „Was, Sie sind 69? Mein Vater ist ein Jahr jünger und kommt nicht mehr runter vom Kanapee.“ Für solche Leute hat Mayer einen Rat: „Steht’s auf, probiert es – vielleicht auch mit Nordic Walking.“

Zum Lauf nach Dorfen geradelt

Mayer hat den ersten Erdinger Stadtlauf schon nach fünf Kilometern beendet („Das war damals noch möglich, und ich habe eine Plakette bekommen“). Danach waren es immer die berühmten Zehn. Oft war er Altersklassensieger. Seine beste Zeit (58:29 min) lief er übrigens in Dorfen, wo er zuerst hingeradelt ist. Aber Mayer hat auch bewiesen, wie man wieder aufsteht. Bei ihm wurde Darmkrebs diagnostiziert. Chemo, Reha – Mayer hatte das volle Programm. „Deswegen habe ich einmal den Stadtlauf verpasst“, sagt er. Längst dreht er wieder seine Trainingsrunden. Einmal pro Woche geht’s raus, Richtung Kronthaler Weiher. Die einstige Elf-Kilometer-Runde ist zwar auf sieben zusammengeschrumpft, aber die läuft er weiter eisern, denn der nächste Stadtlauf wartet bereits auf ihn. Vermutlich würde er sogar noch den Erdinger Triathlon bestreiten, aber seit seiner Erkrankung kann er aufgrund einer Kälteempfindlichkeit in den Fingern nicht mehr ins Wasser. Seine Laufhaltung hat sich auch verändert. „Ich sehe nicht mehr sehr gut. Deshalb habe ich meinen Kopf immer unten, um die Unebenheiten auf den Wegen zu erkennen“, erklärt er. Kleiner sei er auch geworden, meint er. Doch für alle Erdinger wird er am Sonntag wieder ein ganz Großer sein, wenn er einläuft, der „Super-George“, wie ihn dann wieder alle nennen werden.

Der Stadtlauf:

Der Kursführt über die lange Zeile. Am Gries geht es zurück über den Mühlgraben, die Landshuter, Dr.-Henkel- und Dorfener Stzraße zum Schrannenplatz. Eine Runde ist 2,5 Kilometer lang.

Zeitplan: Die ersten Kinderläufe beginnen um 12 Uhr. Der Fünf-Kilometer-Lauf steigt um 13.45 Uhr, der Zehn-Kilometer-Lauf der leistungsstarken Gruppe 1 um 14.30 Uhr, die Gruppe 2 beginnt um 15.30 Uhr.

Startnummernausgabe:Samstag, 15 bis 17 Uhr, Sonntag, 9.30 bis 14.30 Uhr.

Umkleiden/Duschen in der Grundschule am Grünen Markt.

Homepage: Ergebnisse, Online-Urkunden und weitere Infos gibt es unter www.stadtlauf-erding.de

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