Europäisch ausgerichtet

- Wolfgang Schäfer grinst breit, als er sein Statement zum gerade gesehenen Spiel abgeben soll. "Das war ein echter Krimi heute", sagt er - und fügt nach kurzer, dramaturgischer Pause hinzu. "Am Ende war es halt bloß die falsche Leiche." Die "Leiche" war in diesem Fall nämlich der USC München, dessen Vereinsvorsitzender Schäfer ist. Und der am Samstag Abend gegen die RSC-Rollis Trier erst nach Verlängerung mit 77:90 unterlag.

Das breite Grinsen trotz Niederlage dürfte daher rühren, dass Schäfer und die etwa 100 anderen Zuschauer in der Fischer-von-Erlach-Halle zuvor ein hoch spannendes Rollstuhlbasketballspiel auf selten hohem Niveau gesehen haben. Von Beginn an standen sich zwei gleichwertige Teams gegenüber, München führte immer knapp, Halbzeitstand war dann 38:37 für die Gastgeber. Genauso ging es in Hälfte zwei weiter. Und als dann drei Sekunden vor Schluss Triers Bester Dirk Pasiwan zwei Freiwürfe zum 72:74 verwandelte, schien das Spiel schon gelaufen.

Dann jedoch spielte der eingewechselte Uli Schmölz den Einwurf direkt zum überragenden Leo Appel, der an der Zone wartete und völlig ungerührt verwandelte. Der Ball segelte durch die Luft, als die Sirene ertönte, und senkte sich dann ins Trierer Netz. 74:74. "So etwas habe ich im Rollstuhlbasketball noch nie gesehen", sagte Schäfer begeistert, "das gibt es nur ganz selten mal bei den Fußgängern, aber da ist ja auch das ganze Spiel eine Ecke schneller."

In der folgenden Verlängerung wurden die Münchner dann jedoch von der Trierer Offensive überrollt. Kurz vor Ende der regulären Spielzeit hatten sich Center Ben Döring und Spielgestalter Florian Fischer mit dem fünften Foul eine Sperre für den Rest der Spielzeit eingehandelt, es kamen Uli Schmölz und Stefan Markus, zwei Mann aus der zweiten Reihe. "In der Verlängerung konnten die beiden unsere Routiniers einfach nicht ersetzen", so Schäfer, "die Mannschaft ist aus den Fugen geraten und hat ihr Spiel nicht mehr gefunden."

Trier rückt damit als Tabellen-Siebter bis auf zwei Zähler an die Münchner (auf Platz sechs) heran. Das jedoch muss die Münchner nur am Rande interessieren. Der USC hat seit dem Sieg in Frankfurt am vorvergangenen Samstag acht Punkte auf der Habenseite, und damit sechs Punkte Vorsprung auf den Abstiegsplatz. "Der Klassenerhalt ist seit letzter Woche endgültig gesichert", sagt Schäfer, "durch die Niederlage gegen Trier sind aber auch unsere letzten Hoffnungen dahin, es doch noch in die Playoffs zu schaffen."

Die verbleibenden vier Bundesliga-Spiele dieser Saison haben in München deswegen nur noch zweite Priorität. Viel wichtiger ist der Europäische Champions Cup, wo Anfang März das Vorrunden-Turnier ansteht. Bis dahin gilt es, Ahmet Coskun wieder ins Spielsystem zu integrieren. Der Münchner Topscorer der vergangenen Saison wird in zwei Wochen gegen Bayreuth erstmals wieder dem Kader angehören. Nach verkorkstem Gastspiel bei Ligakonkurrent Zwickau gab Coskun vor wenigen Wochen seine Rückkehr an die Isar bekannt. Um den Hoffnungsträger wieder einzubauen, treffen sich die Münchner am kommenden spielfreien Wochenende extra zu einem dreitätigen Trainingslager.

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