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König der Wüste: Fuchsgruber posiert nach einem Rennen in der Sahara.

Extremsportler Rafael Fuchsgruber

Der Sucht davongelaufen

  • vonNico-Marius Schmitz
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Rafael Fuchsgruber war lange Zeit Alkoholiker. Bis ein Arzt ihm klar machte, dass er sich nicht weiter durch das Leben mogeln kann. Nun gewinnt er Rennen in der Wüste.

München – „Sie wissen aber schon, warum Sie hier liegen?“ Rafael Fuchsgruber denkt an jenem Tag im Jahr 2002 lange nach. Mit „hier“ ist das Krankenhaus gemeint. Es besteht zunächst der Verdacht auf einen Herzinfarkt. Später wird bei dem damals 41-Jährigen eine schwere Herzmuskelentzündung diagnostiziert. Es ist klar, warum Fuchsgruber im Krankenhaus liegt. Er ist Alkholiker und hat Übergewicht. Mit 20 hat er mit dem Trinken begonnen. Es hat schnell Formen angenommen, die „weit über das gesellschaftlich Akzeptierte“ hinausgingen. Nachts arbeitet er als DJ: „Da fällt es keinem auf, wenn du nebenbei trinkst.“ Später gründet er eine Konzertagentur, auch dort fällt der Alkoholkonsum nicht auf. Doch Fuchsgruber ist sich sicher, dass er auch im Finanzamt Alkoholiker gewesen wäre. Er wächst in einer Alkoholikerfamilie auf, der Vater ist gewalttätig.

Im Krankenhaus merkt der Vater von zwei Töchtern, dass sich etwas ändern muss. Er kann sich nicht weiter durch das Leben mogeln. An der Hotelbar war er immer der Letzte und hat „mit dem Barkeeper die Tür abgeschlossen: „Ich wusste aber jetzt, dass ich mein Leben in den Griff bekommen muss, bevor es zu spät ist.“ Fuchsgruber macht 2003 einen kalten Entzug. Der Alkohol hat ihn immer ruhig gestellt. Nun braucht er etwas Neues, um seine Energie zu bündeln. In einer Zeitschrift entdeckt er Bilder vom ältesten Wüstenrennen in der Sahara und ist fasziniert. Es ist Liebe auf den ersten Blick: „Es hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen.“ Doch ein Marathon in der Hitze? Nachdem man gerade erst den kalten Entzug hinter sich hat und zudem immer noch an Übergewicht leidet? Fuchsgruber fängt klein an. Mit einem Freund startet er in Köln vom Geißbockheim aus den ersten Lauf. Nach drei Kilometern muss er mit hochrotem Kopf abbrechen.

Er ist ziemlich geknickt. Zuvor hatte sich der Familienvater extra mit Laufsachen eingedeckt – nach dem Motto: Jetzt zeige ich es der Welt! „Und dann musste ich wie verprügelt nach Hause schleichen.“ Doch Fuchsgruber gibt nicht auf. Es folgt der erste Marathon – in Köln. Fast fünf Stunden braucht er. Anschließend kann er die Treppen mehrere Tage nur noch rückwärts hinuntergehen. Auf den Monat genau zehn Jahre nach seinem Entzug gewinnt er schließlich das Ultra Desert Race in Namibia über 250 km. 2016 siegt er beim heißesten Wüstenrennen der Welt im Iran. Erst mit 41 hatte er mit Laufen angefangen. Nun mit 58 gehört er zu den weltbesten Wüstenläufern.

Das Erfolgsgeheimnis? Er liebt das Laufen. „Andere züchten Rosen, ich laufe eben durch die Hitze.“ Er versucht eine Art Selbst-Hypnose zu erreichen während der Wettbewerbe. Die Umwelt wird, so gut es geht, ausgeblendet – „dann kann ich stundenlang laufen“. Zudem ist es bei Temperaturen von bis zu 50 Grad extrem wichtig, auf seinen Körper zu hören: „Es nützt nichts, wenn du an einem Tag fast stirbst und am nächsten wieder 50 Kilometer laufen musst.“

Früher brachte Fuchsgruber seinen Körper durch ungesunden Lebensstil in Gefahr. Heute spornt er ihn zu Höchstleistungen an. Auch seine Freundin Tanja Schönenborn hat er für „seinen“ Sport begeistern können. Zudem gründet er den Little Deserts Runners Club und hilft Anfängern, die sich für Wüstenläufe interessieren.

Wenn Fuchsgruber nicht gerade Extremleistungen vollbringt, wohnt er auf einem kleinen Bauernhof. Alkohol hat er seit dem 22. Dezember 2003 keinen mehr getrunken.

Von Nico-Marius Schmitz

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