Sebastian Vettel bemängelt den Perfektionswahn in der Formel 1
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Sebastian Vettel bemängelt den Perfektionswahn in der Formel 1.

Debatte um fehlende Spannung

Formel 1 „immer steriler“: Vettel übt harte Kritik an Rennserie und fordert Kurswechsel

  • Patrick Freiwah
    vonPatrick Freiwah
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Mercedes ist Serienmeister und damit der FC Bayern der Formel 1. Ferrari-Pilot Sebastian Vettel äußert seinen Unmut über diese Entwicklung - und fordert ein Umdenken.

  • Sebastian Vettel* spricht in einem Interview über sein Scheitern bei Ferrari und die Zukunft der Formel 1*.
  • Kritisch äußert sich der Vierfach-Weltmeister über die Ungleichheit im Hinblick auf die Chancenverteilung.
  • In der Rennserie komme die menschliche Komponente zu kurz. Die „Königsklasse“ sei „immer steriler geworden“.
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Maranello/München - Sebastian Vettel befindet sich in der finalen Phase seiner Partnerschaft mit Ferrari. In einem Interview hat der vierfache Weltmeister der Formel 1 nicht nur über sein Engagement bei der Scuderia in Maranello gesprochen, sondern auch die Gesamtsituation in der „Königsklasse“ bewertet. Dort äußert sich der Dreifach-Papa insbesondere kritisch gegenüber dem seit geraumer Zeit in der F1 vorherrschenden Technikwahn.

Formel 1: Sebastian Vettel bemängelt Fehlentwicklung - „Sehr abhängig von Technik“

Dieser habe dazu geführt, dass immer mehr die Technologie der Fahrzeuge darüber entscheidet, welche Rennwagen am Ende erfolgreich seien würden. „Die Formel 1 ist eine Sportart, in der man sehr abhängig ist von der Technik. Auch schon für frühere Zeiten gilt: Hätte man die besten Fahrer in das schlechteste Auto gesetzt, wären auch die vorne nicht mehr aufgetaucht. Natürlich kann ein Fahrer nach wie vor einen Unterschied machen. Aber in einer Welt, die immer größere Perfektion anstrebt, lässt sich darüber streiten, wie groß dieser Anteil ist“, so der Heppenheimer gegenüber Zeit Online (Artikel hinter Bezahlschranke).

Beim vergangenen GP der Türkei in Istanbul konnte Vettel überraschend Platz drei belegen, in der Fahrerwertung* belegt der 33-Jährige gerade einmal den 13. Platz. Schon lange gibt es eine Debatte um die fehlende Spannung in der einstmals ziemlich beliebten Rennserie: Sechs der letzten sieben Fahrer-WM-Titel schnappte sich Lewis Hamilton im Mercedes*, seit 2014 konnten die „Silberpfeile“ durchgehend den Konstrukteurs-Titel* gewinnen.

Sebastian Vettel: „Mehr Menschlichkeit“ würde der Formel 1 wieder mehr Interesse bringen

Dass die Reise von Sebastian Vettel bei Ferrari* ohne Titel zu Ende geht, ist für ihn natürlich enttäuschend. Bei der Mission, die Dominanz von Mercedes zu beenden, seien er und sein Team gescheitert: „Es ist ja nicht so, dass Mercedes die Rennen dominiert, weil sie gerade Glück haben.“ Könne ein Formel-1-Pilot alleine nicht mehr den Unterschied machen? Dazu sagt Vettel: „Na ja, ich bin schon überzeugt... Aber ich bin auch nicht allein. Das zu glauben wäre ja vermessen.“

Was Vettel konkret meint: In einer Zeit, in der akribisch jedes Detail analysiert und ausgewertet wird, kommt es immer weniger darauf an, wie gut letztlich der einzelne Fahrer sei: „Vielleicht würde es der Formel 1 gut tun, wenn sie nicht immer so perfekt wäre. Sie ist immer steriler geworden, gerade was das Fahren angeht: Jeder Zentimeter wird aufgezeichnet mit Onboard-Kameras, die Linien, die wir fahren, werden aufgezeichnet, wir können vergleichen, sogar teamübergreifend mit den GPS-Daten. Mit mehr Menschlichkeit wäre das Ganze vielleicht manchmal interessanter“, so die Einschätzung des baldigen Aston-Martin-Piloten*.

Ob sich das Anliegen von Sebastian Vettel noch in seiner aktiven Karriere erfüllt? Mittelfristig ist das möglich. Ab 2022 kommt ein komplett neues Reglement - samt Budgetobergrenze. Bis dahin dürfte das „Wettrüsten“ noch weitergehen. (PF) *tz.de ist ein Angebot des Ippen Digital Netzwerks

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