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Fabian Hambüchen: Jetzt an der "Superarschbombe" arbeiten

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- Aarhus - Nach der zweiten WM-Bronzemedaille binnen zwei Tagen durfte und wollte Fabian Hambüchen endlich seine bislang erfolgreichste Weltmeisterschaft so richtig feiern. "Ehrlich gesagt werde ich jetzt nicht das Sandmännchen gucken und dann ins Bett gehen", feixte der Jungstar nach seinem Überraschungs-Coup beim Sprung. Statt sich im Vergleich mit den besten Spezialisten weltweit brav hinten anzustellen, sprang der 18-Jährige unbekümmert bis auf den dritten Platz vor.

Cool bis in die gegelten Haarspitzen stellte der letztjährige Reck-Europameister zwei nahezu perfekte Sprünge in den Stand und durfte dann verfolgen, wie die hochkarätige Konkurrenz in der mit 4700 Zuschauern ausverkauften Arena von Aarhus ein ums andere Mal auf dem Allerwertesten saß. 15,825 Punkte standen für den Gymnasiasten am Ende zu Buche, nur der alte und neue Weltmeister Marian Dragulescu aus Rumänien (16,487) und der Weißrusse Dimitri Kaspiarowitsch (16,312) waren für Hambüchen diesmal noch unerreichbar.

Um wie am Reck zu einem echten Titelkandidaten zu reifen, fehlt dem angehenden Abiturienten noch ein wirklich schwieriger zweiter Sprung. Hambüchen will daher auf dem Weg zur WM 2007 in Stuttgart den Ausgangswert von 6,2 auf 6,6 erhöhen: "Wir arbeiten schon daran, aber bislang kriege ich da nur eine Superarschbombe hin." Doch immerhin reichte es ja diesmal schon zu einer "geilen Zugabe, bei der ich zweimal in der Luft ein gutes Gefühl hatte."

Die Entscheidung an "seinem" Reck hingegen löste beim Ausnahmeturner von der TSG Niedergirmes Emotionen aus, die Hambüchen an sich selbst noch nie beobachtet hatte. "Ich hatte schweißnasse Hände, obwohl ich doch zuschauen musste. Mit dem Kopf aber war ich irgendwie voll dabei", schilderte der deutsche Mehrkampf-Meister seine Eindrücke. Ungeachtet seiner erfolgreichen "Bronzezeit" wird das "Königsgerät" augenscheinlich das spezielle Steckenpferd Hambüchens bleiben.

Den endgültigen Schritt vom Spezialisten zum Mehrkämpfer hat der Hesse dennoch vollzogen, als Zugpferd für die WM 2007 in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle ist Hambüchen praktisch unbezahlbar. "Fabian bringt uns mehr Leute in die Hallen", frohlockte Rainer Brechtken, Präsident des Deutschen Turner-Bundes (DTB), und meinte damit sowohl turnbegeisterte Kinder und Jugendliche als auch Veranstaltungsbesucher. Der Vorverkauf etwa für den DTB-Pokal am Wochenende in Stuttgart zog schon nach der Mehrkampf-Medaille für "Fabi" spürbar an.

Im Sog ihres Vorturners rückte auch die deutsche Männerriege mit Platz sieben der absoluten Weltelite wieder ein Stück näher, für DTB-Sportdirektor Wolfgang Willam eine logische Weiterentwicklung eines Umstrukturierungsprozesses: "Vor zehn Jahren haben wir beim Nachwuchs ganz unten neu angefangen, jetzt sieht man die ersten Erfolge."

Soweit sind die deutschen Turnerinnen noch längst nicht. Auch mit der frisch eingebürgerten Sprung-Dritten Oksana Tschussowitina im Team kam das DTB-Sextett über Rang 16 nicht hinaus. In Stuttgart muss man sich mindestens um vier Plätze verbessern, um die Tickets für Olympia 2008 zu bekommen.

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