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Falschmeldung lässt Nguyen nicht stürzen

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- Unterhaching - Die Weltmeisterschaft war für Marcel Nguyen eigentlich eine gelungene Veranstaltung, und doch gab es da etwas, das die Laune des 19-jährigen Turners in Aarhus getrübt hat. "Es ist schon blöd, wenn so was in den Zeitungen steht", ärgert sich der Aktive vom TSV Unterhaching über eine von einer Nachrichtenagentur verbreitete Meldung. Darin stand, er habe am Barren gepatzt und damit das Ergebnis der deutschen Riege im Mannschafts-Wettbewerb der WM beeinträchtigt.

Gepatzt, ausgerechnet am Barren, seinem Lieblingsgerät: Eine schlimmere sportliche Panne kann sich Nguyen nicht vorstellen. Und er war in Dänemark ja auch weit davon entfernt, zu patzen. Seine Übung gelang ihm vielmehr vortrefflich, einschließlich des spektakulären Tsukahara-Abgangs, der den deutschen Cheftrainer Andreas Hirsch auch diesmal wieder ins Schwärmen brachte: "Ich kenne nur drei Athleten, die diesen Abgang bisher überhaupt geturnt haben. Aber keiner steht ihn so sauber wie Marcel."

Lohn für die glänzende Vorstellung des eher eleganten als kraftvollen Turners aus Unterhaching war der 18. Platz. Das beste Ergebnis für einen Deutschen in dieser Disziplin.

Trotz des guten Abschneidens sieht der 19-Jährige, der in Aarhus auch im Sprung und am Reck eine ordentliche Vorstellung bot, am Boden allerdings tatsächlich etwas patzte, seine Barren-Leistung durchaus kritisch. "Mein Ausgangswert ist relativ gering, weil meine Übung ziemlich kurz ist. Ich muss deshalb an meiner Kondition arbeiten."

Der Hauptgrund für die derzeitige Schwäche in diesem Punkt liegt wohl in der Rückkehr nach Unterhaching. Anfang 2005 war Nguyen ans Leistungszentrum Stuttgart gewechselt, um noch intensiver trainieren zu können. Ein Schritt, der mit dem sensationellen 16. Platz im Barrenwettbewerb bei der Weltmeisterschaft im letzten Jahr in Melbourne sportlich voll aufging.

Doch die schulischen Leistungen litten in der Fremde, und so zog es ihn zu Beginn dieses Jahres wieder in den Schoß der Familie, um das Abitur nicht zu gefährden. 2007 will er dies erfolgreich erledigt haben und dann wieder nach Stuttgart wechseln, um sich voll auf sein großes Ziel, Olympia 2008 in Peking, zu konzentrieren.

Doch schon im nächsten Jahr warten Großereignisse, für die sich der Sohn eines Vietnamesen und einer Unterhachingerin viel vorgenommen hat. Im Frühjahr findet die Europameisterschaft in Amsterdam statt. "Einmal ein Barren-Finale zu erreichen, wäre schon super", peilt Marcel dort seinen ersten ganz großen internationalen Erfolg an. Im September folgt die WM in Stuttgart, die einen entscheidenden Meilenstein in Richtung Peking darstellt. "Wenn ich da in der Mannschaft bin, sieht es auch für Olympia gut aus", glaubt Nguyen, der schon vor der WM bewiesen hat, dass er dem psychischen Druck der internen Ausscheidung standhalten kann.

Als letzter Turner qualifizierte er sich fürs deutsche Team. "Eine gewisse Nervenstärke braucht man da schon", sagt er mit viel Selbstvertrauen. Und genau das garantiert ihm: Eine ärgerliche Falschmeldung wird Marcel Nguyen bestimmt nicht aus der Bahn werfen.

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