1. Startseite
  2. Sport
  3. Mehr Sport

Favoriten schwanken - aber Federer steht

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

null

- Wimbledon - Auf dem Hügel, der ein paar Jahre lang den Namen Henman Hill getragen hat, standen die Leute dicht beisammen. Manche sahen ein bisschen mitgenommen aus, denn die Nachricht von der Niederlage ihrer Jungs im WM-Viertelfinale von Gelsenkirchen hatte sie auf diversen Wegen erreicht. Sie wollten getröstet werden, und sei es von einem schottischen Flegel, der noch vor einer Woche erklärt hatte, er würde keine Träne vergießen, sollte England auch diesmal wieder nicht Weltmeister werden. Aber das ward dem Flegel verziehen.

Mit dem Sieg gegen Andy Roddick (7:6, 6:4, 6:4) schenkte Andy Murray dem Volk auf dem Hügel und am Centre Court wenigstens einmal an diesem Tag ein gutes Gefühl. Zwei Jahre lang hat er in Wimbledon nur einen gegeben, der besser war als Roddick - Roger Federer. Das allein gibt Murrays Sieg eine besondere Bedeutung, von der überlegenen Art, wie er dieses Spiel gewann, gar nicht zu reden. Cool bis in die Spitzen seiner widerspenstigen Haare ließ er Roddick rennen, lockte ihn mit Stoppbällen immer wieder nach vorn, und dort versenkte der einen Volley nach dem anderen im Netz. Ratlos sah er aus, der Finalist der Jahre 2004 und 2005, und Murray genoss diese Ratlosigkeit. Er bestätigte all jene, die glauben, eben wegen seiner frechen, unberechenbaren Art habe er größere Chancen, als erster Brite nach Fred Perry 1936 den Titel in Wimbledon zu gewinnen, als sie der brave Stilist Tim Henman je hatte.

Roddick zog frustriert von dannen, und Murray versicherte ganz ernsthaft, natürlich sei auch er enttäuscht über die Niederlage der englischen Fußball-Jungs. Er war stolz auf sich und seinen Sieg, was natürlich zu der Frage führte, wie weit er denn noch kommen könne. Da verzog er keine Miene und meinte: "Das ist ja die Sache beim Tennis: heute war es gut, am nächsten Tag komme ich wieder, und dann spiele ich vielleicht schlecht."

Mal sehen. Andy Murrays Begegnung mit Marcos Baghdatis, dem Finalisten der Australian Open, steht aus Sicht der Engländer im Mittelpunkt des Interesses im heutigen Achtelfinale. Zu Beginn der zweiten Woche nimmt das Turnier Konturen an. Und dazu gehört die Erkenntnis, dass die Vision eines Finales zwischen Federer und Raphael Nadal, nur einen Monat nach der letzten Begegnung im Endspiel von Paris, herauf zieht. Federer hat bisher in drei Spiel keinen Satz verloren, und es wäre ihm sehr recht, wenn das heute im Achtelfinale gegen den Tschechen Berdych so bliebe.

Das würde sicher auch Tommy Haas gefallen, der an der Niederlage in fünf Sätzen gegen Berdych schwer zu tragen hatte und hinterher meinte, das sei für ihn ein kleiner Weltuntergang. Als letzter der elf deutschen Männer verlor verabschiedete sich Philipp Kohlschreiber. Der war bei der Niederlage gegen Jarkko Nieminen (6:1, 2:6, 3:6, 6:7) überall zwischen Weltklasse und zweiter Liga unterwegs, und so wurde es auch im vierten Versuch nichts mit einem Sieg gegen den Finnen.

Im Nationenspiel tun sich erstaunliche Dinge. In Paris, auf dem ungeliebten roten Sand, sind die Amerikaner daran gewöhnt, in der zweiten Woche nur noch Zuschauer zu sein, auf Wimbledons Rasen ist es ihnen immer besser ergangen. Doch sie verloren am Wochenende nicht nur den zweimaligen Finalisten Andy Roddick, sondern auch die dreimalige Siegerin Venus Williams. Die war vor einem Jahr nach dem Sieg im grandiosen Finale gegen Lindsay Davenport außer sich vor Freude gewesen, diesmal musste sie nach der Niederlage in Runde drei gegen die Serbin Jelena Jankovic (6:7, 6:4, 4:6) kleinlaut eingestehen, die andere sei einfach besser gewesen. Zu den besonderen Fähigkeiten der Schwestern Williams hat immer der eisenharte Wille gehört. Aber diesmal war es die Gegnerin, die diesen Willen zeigte.

Auch interessant

Kommentare