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Die Felle schwimmen davon

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- In unserer Saison-Prognose vom vergangenen Jahr hat uns Arminia Bielefeld ganz schön alt aussehen lassen. Nach dem personellen Aderlass (alle Top-Spieler plus Trainer hatten den Klub verlassen), tippten wir: die werden Tabellenletzter. Mit der Meinung standen wir nicht allein da, doch das Team von Thomas von Heesen schlug allen ein Schnippchen und überraschte mit Platz 13. Allerdings zählen im Fußball Verdienste aus der Vergangenheit nichts. Deshalb ist Bielefeld heuer wieder als Kandidat auf den Abstieg ganz unten mit dabei.

Sieben Mal ist Arminia Bielefeld in die Erste Bundesliga aufgestiegen, das ist Rekord, und nur zweimal ging es dabei nicht umgehend zurück ins zweite Glied. Zwischen 1980 und '85 hielt sich der Klub längerfristig oben, und aktuell zählt er nun schon seit 2004 ununterbrochen zur ersten Garnitur des deutschen Fußballs. Doch derzeit deutet alles darauf hin, dass die Felle mal wieder davonzuschwimmen beginnen. Nach einer tollen Saison möchte man meinen, da könnte ein Verein nun ruhig an seiner komfortablen Position feilen, stattdessen steckt man bis zum Hals in Problemen. Die meisten davon sind hausgemacht.

Jedem anderen Trainer, der das geleistet hat, was Thomas von Heesen geleistet hat, hätte man bei jedem anderen Klub einen Rentenvertrag und ein stattliches Denkmal angeboten. Doch der 44-Jährige arbeitet beim Abstiegskandidaten ab sofort nur noch auf Bewährung. Er hatte unterschiedliche Auffassungen, was die Zusammenstellung des Kaders für die neue Saison betraf, und rumpelte dabei öffentlich mit Sportchef Reinhard Saftig zusammen. Und da der Coach im Verein Null Lobby hat, reicht jetzt nur noch ein falscher Muckser, um seinen Job zu verlieren. Von Ende Juli bis Ende Dezember wird er seinen Trainerschein in Köln nachholen müssen, Co-Trainer Frank Geideck muss dann den Hauptteil der Arbeit leisten - es gibt günstigere Konstellationen für einen Verein, der sich auf den Abstiegskampf vorbereiten muss.

Sportlich hat Arminia Bielefeld diesmal in Isaac Boakye (ging zu Wolfsburg) nur einen nennenswerten Abgang zu beklagen, allerdings war der Ghanaer treffsicherster Stürmer des offensiv-schwächstem Team der Liga. Die Lücke sollen Christian Eigler (Greuther Fürth) und Aziz Ahanfouf (Duisburg) füllen - der eine hat zwar unbestritten viel Talent, aber keine Bundesligaerfahrung, der andere eine fragwürdige Vita. Zweifelhaft also, ob den Arminen künftig mehr Tore gelingen.

Im Trainingslager am Walchsee haben die Bielefelder letzte Woche eine Rafting-Tour übernommen. Acht Kilometer bewältigten sie in drei Booten in flotten 90 Minuten. Es ging flussabwärts - eine Richtung, die der Saisonverlauf auch nehmen könnte.

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