Ein Fest für den schlafenden Riesen

- München - Der deutsche Handball wird - geographisch gesehen - für ein Spiel auf den Kopf gestellt. Am 30. August kämpfen die Erzrivalen Kiel und Flensburg-Handewitt um den Supercup, Meister gegen Pokalsieger also, das Derby der Nordlichter findet indes nicht an der Ostsee statt - sondern weit weg im Süden, genauer gesagt: in München. Die nationalen Branchenführer werden sich indes aus guten Gründen in bayerische Gefilde begeben: "Unser strategisches Ziel sind die Metropolen", sagte Frank Bohmann, Geschäftsführer der Handball-Bundesliga (HBL).

Dass München eine durchaus geeignete Bühne ist für ein derartiges Sportspektakel offenbart der Vorverkauf: 8500 der insgesamt 10 000 Tickets wurden bereits abgesetzt. Georg Clarke, Vizepräsident des Bayerischen Handballverbands (BHV) versprach bei einer Pressekonferenz im Münchner Rathaus eine ausverkaufte Olympiahalle. Bohmann befand: "Die große Resonanz zeigt, dass wir einen Nerv getroffen haben."

Auch DSF-Geschäftsführer Thomas Deissenberger, in dessen Sportsender der Handball einen festen Programmplatz hat, sieht gewaltige Entwicklungsmöglichkeiten: "München ist ein schlafender Handballriese." Doch wird sich dieser auf Dauer wecken lassen? Immerhin gab es ja schon ernsthafte Versuche, Handball in München hoffähig zu machen. Die Sponsoren Urs Zondler (MTSV Schwabing) und Ulrich Backeshoff (TSV Milbertshofen) finanzierten in den 80-er bzw. 90-er Jahren durchaus schlagkräftige Mannschaften, die beiden Handball-Abenteuer endeten jedoch eher katastrophal. "Da wurde in München verbrannte Erde hinterlassen", meint der aus Bad Tölz stammende BHV-Vize Clarke. Dies sei auch ein Grund dafür, dass es keinen Neuanfang in der Erstklassigkeit gab: Die schlechten Erinnerungen, so Clarke, "sind immer noch in den Köpfen der Sponsoren und Medien". Hinzukomme die schwierige Konkurrenzsituation. Mit 90 000 Mitgliedern sei der bayerische Verband zwar der viertgrößte in Deutschland; "Bayern ist ein Handballland", sagte Clarke, München aber "ist eine Fußballstadt".

So ganz uneingeschränkt wollte HBL-Geschäftsführer Bohmann dieser Argumentationslinie nicht folgen. "Durch den FC Bayern wird zwar einiges erdrückt", räumte er ein, "aber eine Stadt mit 1,3 Millionen Einwohnern hat auf jeden Fall das Potenzial für Bundesliga-Handball". Erste segensreiche PR-Effekte werden hierbei durch den Supercup angestrebt. Bohmanns verheißungsvolle Prognose: "Das wird ein Handballfest."

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